Corona-Krise

Apothekenmitarbeiter in der Grenzregion können ihre Familie nicht sehen

Düsseldorf - 20.04.2020, 13:30 Uhr

Mariusz Nowara arbeitet in einer Apotheke nahe der polnischen Grenze und darf, so wie viele andere Berufspendler, seit Wochen seine Familie nicht mehr sehen. (s/ Foto: Greif-Apotheke Gartz)

Mariusz Nowara arbeitet in einer Apotheke nahe der polnischen Grenze und darf, so wie viele andere Berufspendler, seit Wochen seine Familie nicht mehr sehen. (s/ Foto: Greif-Apotheke Gartz)


In der deutsch-polnischen Grenzregion sind viele Berufspendler aus beiden Ländern seit Ende März von der strikten Schließung der Grenze betroffen. Darunter auch viele polnische Staatsbürger, die im deutschen Gesundheitssystem arbeiten. PTA Mariusz Nowara in der Greif-Apotheke im brandenburgischen Gartz ist einer Betroffenen.

Anfangs habe er noch die Hoffnung gehabt, das dauere nur ein paar Wochen. „Aber jetzt gerade habe ich das Gerücht gehört, die polnische Regierung will die Regelung noch bis Mitte Juni verlängern“, sagt Mariusz Nowara. Der Pole arbeitet als PTA in der Greif-Apotheke in der 2500-Einwohner-Stadt Gartz in Brandenburg und hat nun seit Wochen seine Familie nicht gesehen. Die Grenzen sind geschlossen, wer einreist, muss für 14 Tage in Quarantäne.

Seine Familie wohnt auf der anderen Seite der Grenze im Großraum Stettin. In Nicht-Corona-Zeiten ist das kein Problem. Polen und Deutsche leben in der Grenzregion normalerweise den europäischen Gedanken. Die Region um die polnische 410.000-Einwohner-Stadt Stettin – Polens siebtgrößte Stadt und nicht mal zehn Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entfernt – wird als „Agglomeration Stettin“ auf beiden Seiten der Grenze zu einer europäischen Metropolenregion mit derzeit rund 750.000 Einwohnern entwickelt.

Auf beiden Seiten der Grenze gibt es zahlreiche Verflechtungen beruflicher und familiärer Art, Sprachbarrieren gibt es dank vieler zweisprachiger Einwohner nur wenige. Zahlreiche Berufspendler querten jeden Tag die Grenze – bis das Virus SARS-CoV-2 nach Europa kam. Polen schloss daraufhin am 28. März die Grenze für alle.

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Kleine Apotheke mit nur drei Mitarbeitern

Nowara entschied sich da, in Gartz zu bleiben und weiter in der Apotheke zu arbeiten. „Wir sind nur eine kleine Apotheke mit drei Mitarbeitern“, sagt er. Wenn da einer länger fehle, gehe nichts mehr. Dazu ist die Greif-Apotheke im Umkreis von 20 Kilometern die einzige. Seine Chefin Christine Fiebelkorn ist einerseits froh, dass sich ihr Mitarbeiter für die Arbeit entschieden hat. Man könne auf ihn gar nicht verzichten, sagt sie. Auf der andere Seite hat sie Verständnis für seine Situation und eine Petition mitunterzeichnet, in der die polnische Regierung gebeten wird, die Grenze für Berufspendler zu öffnen.

„Ich hab das auch unterschrieben, aber ich glaube nicht, dass das was nützt“, sagt Nowara resigniert. Mittlerweile sei er recht niedergeschlagen, seine Familie nicht sehen zu können. „Wir telefonieren natürlich und haben Kontakt über WhatsApp. Aber das ist nicht das gleiche wie sich zu sehen“, sagt er. Bislang hatte es geheißen, die Regelung gelte bis Mitte Mai. „Aber dass das nun noch länger dauert, deprimiert mich.“

Derzeit ist er in einer Pension im Ort untergekommen. Er müsse ja schließlich auch arbeiten, um Geld zu verdienen, meint er. Nun müsse er das wohl noch durchstehen, sagt er.



Volker Budinger, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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