Desinfektionsmittelherstellung

Industrie und Logistikunternehmen unterstützen gemeinsam die ADKA

Berlin - 06.04.2020, 15:15 Uhr

Um den Desinfektionsmittel-Bedarf der deutschen Krankenhäuser zu sichern, schlossen sich jetzt mehrere Firmen aus der chemischen Industrie sowie der Logistik zusammen. Die ADKA koordiniert die Hilfsaktion. (s / Foto: imago images / ingimage)

Um den Desinfektionsmittel-Bedarf der deutschen Krankenhäuser zu sichern, schlossen sich jetzt mehrere Firmen aus der chemischen Industrie sowie der Logistik zusammen. Die ADKA koordiniert die Hilfsaktion. (s / Foto: imago images / ingimage)


Initiiert und finanziert vom Bundesgesundheitsministerium, haben der Verband der Chemischen Industrie (VCI) und der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) in einer gemeinsamen Aktion eine vollkommen neue Lieferkette aufgebaut, um die Versorgung der Krankenhäuser mit Desinfektionsmitteln zu sichern.

Desinfektionsmittel sind knapp und das schon seit mehreren Wochen. Viele Apotheken haben daher auf Eigenherstellung umgestellt, doch auch die Beschaffung der Ausgangsstoffe ist oft anstrengend und zumeist zeitintensiv. Den Krankenhausapotheken ging es bislang genauso. Um den Bedarf der Krankenhäuser zu sichern, haben jetzt verschiedene Firmen aus der chemischen Industrie und Logistik eine neue Lieferkette auf die Beine gestellt. Initiiert und finanziert wurde die Aktion durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) – der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker e.V. (ADKA) koordiniert das Projekt.

700 Tonnen Ethanol, 14 Tonnen Glycerin und 350.000 Liter Wasserstoffperoxid

Von verschiedenen Mitgliedsunternehmen des VCI werden in einem ersten Schritt Komponenten für Händedesinfektionsmittel zur Verfügung gestellt: Mit Hilfe von Tankwagen und der Logistik der Spedition Klaeser liefert Shell 700 Tonnen Bioethanol. Diese werden in Duisburg bei der Rhenus Warehousing Solutions in 1000 Liter Container abgefüllt und dann per Lkw durch die Rhenus Freight Logistics zu den über 340 Krankenhausapotheken gebracht. Spezialchemiekonzern Evonik steuert 35.000 Liter Wasserstoffperoxid und das Chemieunternehmen Olin 14 Tonnen Glycerin bei. Beides wird von Dow Deutschland kommissioniert und anschließend von DHL Express zugestellt. Nach dem Transport der einzelnen Bestandteile in die Krankenhausapotheken werden die Desinfektionsmittel dort nach modifizierter WHO-Rezeptur endkonfektioniert und den Krankenhäusern zur Verfügung gestellt.

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„Viele unserer Mitglieds­unternehmen stehen bereit und tragen aktiv zur Notfallversorgung bei. Teilweise werden Desinfektionsmittel und Rohstoffe sogar kostenlos an Krankenhäuser abgegeben“, betont VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup. Professor Dr. Frank Dörje, ADKA-Präsident, lobt die „außerordentliche Solidarität und das Höchstmaß an praktizierter ergebnisorientierter Zusammenarbeit“ aller an der Bevorratungsaktion beteiligten Firmen. Die bestehenden Lieferengpässe würden für deutsche Krankenhäuser so deutlich entschärft. „Ich bin allen dankbar, die helfen, dass wir die Grundversorgung der Krankenhäuser in einer ersten Welle gewährleisten können“, so Dörje. In einer zweiten und dritten Welle werden in den kommenden Wochen und Monaten weitere erhebliche Mengen benötigt, so der VCI.

Hilfsprojekt bedurfte zuerst Klärung kartellrechtlicher Fragen

Das Projekt ist im Vorfeld der digitalen Plattform „Notversorgung Desinfektionsmittel“ der chemisch-pharmazeutischen Industrie endstanden, die vor wenigen Tagen gestartet ist. Hierauf hatten sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und VCI-Präsident Christian Kullmann in der vergangenen Woche verständigt. Damit die Aktion ablaufen kann, mussten zuvor kartellrechtliche Fragen mit dem Bundeswirtschaftsministerium und dem Bundeskanzleramt geklärt und Ausnahmeregelungen von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin erlassen werden. Die Umsetzung soll Mitte dieser Woche erfolgen.


Svea Türschmann
redaktion@daz.online


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