Ambulante COVID-19-Behandlungen

Kammer: Apotheken sollen sich mit Morphin bevorraten

Berlin - 02.04.2020, 16:00 Uhr

Die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg bittet die Apotheken, sich ausreichend mit Morphin und sedierenden Medikamenten einzudecken, weil ein Teil der COVID-19-Patienten auch ambulant versorgt werden soll. (Foto: imago images / Leukert)

Die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg bittet die Apotheken, sich ausreichend mit Morphin und sedierenden Medikamenten einzudecken, weil ein Teil der COVID-19-Patienten auch ambulant versorgt werden soll. (Foto: imago images / Leukert)


Laut offiziellen Angaben wurden bis zum 1. April in Deutschland 1876 COVID-19-Fälle intensivmedizinisch behandelt. 745 Behandlungen sind bereits abgeschlossen. Insgesamt wurden demzufolge 1532 Patienten beatmet. Die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg weist die Apotheken im Bundesland nun darauf hin, dass damit zu rechnen ist, dass einige schwer Erkrankte auch ambulant versorgt werden müssen. Die Apotheken sollen sich daher mit Morphin und sedierenden Arzneimitteln bevorraten.

Wenn Menschen mit einer schweren COVID-19-Erkrankung ins Krankenhaus kommen, kann eine Beatmung wegen schwerer Lungenentzündungen erforderlich werden. Auch Arzneimittel zur Sedierung oder Morphin kommen zum Einsatz. Die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg hat den Apotheken in ihrer Region nun mitgeteilt, dass auch im ambulanten Bereich in den kommenden Wochen mit einem erhöhten Bedarf an bestimmten Wirkstoffen zu rechnen ist. Die Ärzte im Land hätten die Kammer darauf hingewiesen, dass schwer COVID-19-Erkrankte zunehmend auch ambulant behandelt werden müssen.

Konkret sei ein erhöhter Bedarf an Morphin-Präparaten notwendig, schreibt die Kammer in ihrer Mitteilung an die Apotheken. Denn: „Offenbar ist damit zu rechnen, dass vermehrt schwere Erkrankungsfälle für 4 bis 5 Tage mit Morphin behandelt werden müssen. Die Ärzteschaft geht dabei von einer hohen Zahl, 20 Prozent der Infizierten, aus. Dafür wird nicht nur im Krankenhausbereich, sondern auch in den öffentlichen Apotheken mit einem erhöhten Bedarf gerechnet, da auch schwer Erkrankte offenbar ambulant behandelt werden oder in Zukunft behandelt werden müssen.“

Die Apotheken sollen sich daher mit den folgenden Präparaten „ausreichend“ bevorraten:

  • Morphin-Ampullen 10 mg (s.c. und i.v.)
  • Morphin oral, retardiert 30 mg und 60 mg

Welche Mengen am Ende tatsächlich benötigt werden, sei noch nicht abschätzbar, schreibt die LAK.

Zudem würden nicht nur in Kliniken Medikamente zur palliativmedizinischen Sedierung (beispielsweise Wirkstoffe wie Midazolam, Diazepam, Lorazepam, Levomepromazin, Phenobarbital, Propofol) benötigt. Daher appelliert die Kammer: „Sofern Sie Kontakt zu Palliativteams haben, bitten wir Sie, mit diesen einen zukünftigen Bedarf zu klären.

Ärzte weisen auf Dringlichkeit hin

In ihrem Schreiben erklärt die LAK auch, dass die Großhandlungen informiert worden seien. Offenbar handelt es sich aber um eine sehr akute und eindringliche Bitte der Ärzte. Denn die Kammer schreibt: „Allerdings ist aufgrund der Dringlichkeit keine Abstimmung mit den Großhandlungen oder eine Klärung der Verfügbarkeit erfolgt. Der Ernst dieser Bitte der Ärzteschaft hat uns dazu bewogen, diese Information sofort an Sie weiterzugeben.“

Eine Sprecherin der LAK Baden-Württemberg erklärte gegenüber DAZ.online, dass diese Maßnahme auch im Krisenstab der Landesregierung des Bundeslandes besprochen worden sei. Für welche Fälle die oben angesprochenen Arzneimittel auch im ambulanten Bereich eingesetzt werden sollen, wollte die Kammersprecherin allerdings nicht beantworten.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


Diana Moll, Apothekerin, DAZ.online
redaktion@daz.online


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20 Kommentare

Morphin Maerk 2%

von Walter Locker am 27.04.2020 um 9:41 Uhr

wie kann es mölich sein ,daßdieses Medikament schon seit über lange Zeit nicht vorhanden ist .Auf der anderen Seite ist es möglich viele Tornado Fllugzeuge für Billionen bestellenkann .Ist der Mensch in Deutschland nicht mehr viel Wert.Ihr verantwortlichen solltet euch schämen.

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Ich bin sprachlos

von Andreas Schoba am 04.04.2020 um 10:09 Uhr

Da ich im intensiven Austausch mit einigen Ärzten bin, die zur Zeit in der Covid-Patienten Versorgung tätig sind, möchte ich auf zwei Probleme dieses Aufrufs hinweisen:
Wie bereits in den Vorkommentaren erwähnt bringt so ein Aufruf lediglich einen weiteren Lieferengpass. Nicht nur in den Apotheken, sondern auch in den Kliniken! Was nutzt es, wenn nun haufenweise Morphin-Ampullen in den BTM-Tresoren der Apotheken verfallen, während die Kliniken ohne Morphin dastehen und ihre Patienten am Beatmungsgerät nicht mehr behandeln können??

Von Ärzte-Seite bekomme ich außerdem die Frage, wie denn für Covid-Patienten eine ambulante Morphin Behandlung ohne die notwendige Sauerstoff-Gabe möglich sein wird?
Hat das irgendjemand mal durchdacht?
Ich bin sprachlos...

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Macht Sinn...

von Andreas Martin am 03.04.2020 um 14:52 Uhr

...da man den Grosshandel ja schon ganz gut kaputtgekriegt hat ist zeitnahes Bestellen bei selbigem zunehmend keine Option mehr.
Bleibt nur noch Hamstern via Direktbestellung.
Klasse gemacht, Herr Spahn.

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Einmal Hü und einmal Hott

von Hummelmann am 03.04.2020 um 13:10 Uhr

Morphin bevorraten ja, Paracetamol nein.
Wissen unsere Politiker und Standesfürsten eigentlich noch, was sie so den ganzen Tag in den Medien verbreiten?
Bevor Sie jetzt auch nach einer starken Hand aus Brüssel rufen, bedenken Sie bitte:
Zentrale Steuerung bei Lieferengpässen hat noch nie gut funktioniert. Zum Glück leben noch genug Ex-DDR-Politiker, bei denen man sich hilfreiche Tipps holen kann, was funktioniert und was eher nicht.
Am besten wäre, sie lassen uns Apotheker an der Basis einfach in Ruhe unseren Job machen und befreien uns von den zahllosen bürokratischen Hürden, die uns den Alltag nur unnötig schwer machen. Am liebsten nicht nur im Hinblick auf Corona, sondern DAUERHAFT.

» Auf diesen Kommentar antworten | 3 Antworten

AW: Einmal Hü und einmal Hott aber flott

von Bernd Jas am 03.04.2020 um 17:53 Uhr

Genau getroffen, uns einfach mal unseren Job machen lassen.
Das Problem ist nur, dass selber Denken nicht mehr selbstverständlich ist.
Wir lieben halt Vorschriften und werden noch mal daran ersticken.

AW: Einmal Hü und einmal Hott

von Ga am 03.04.2020 um 23:24 Uhr

Die Bitte Morphin zu bevorraten kam von Seiten der Ärzte, nicht von der Politik. Sie "an der Basis einfach in Ruhe Ihren Job machen zu lassen" setzt voraus, dass Sie wissen welche Arzneimittel in der kommenden Corona-Epidemie verstärkt benötigt werden. Wissen Sie das? Oder sind Sie nicht vielleicht doch dankbar für die Hinweise der Ärzte, die schließlich nur versuchen sicherzustellen, dass die Patienten bestmöglich versorgt werden können.

AW: Für jede Hilfe dankbar

von Hummelmann am 03.04.2020 um 23:55 Uhr

Mag sein, dass die Erkenntnis für einige Leser dieser Zeilen wirklich neu ist:
"... nur versuchen sicherzustellen, dass die Patienten bestmöglich versorgt werden können..."
GENAU das ist es, was ich als selbständiger Apotheker seit über 30 Jahren JEDEN TAG tue. Wenn das erst durch Corona bei breiten Teilen der Bevölkerung ins Bewusstsein dringt, ist das natürlich gleichermaßen schön, wie traurig.
Trotzdem bin ich für jede Idee dankbar, die mir diese Aufgabe erleichtert.
Nur der öffentlich lesbare Aufruf zu Hamsterkäufen ist leider nicht zielführend, weder bei Toilettenpapier noch bei Morphin-Ampullen.

Palliativmedizin???

von Klaus Beck am 03.04.2020 um 10:05 Uhr

Ungeachtet dessen, das im Artíkel auf eine Leitlinie aus der Intensivmedizin (!) verwiesen wird, sollte auch einem Apotheker klar sein, dass der Kassenärztliche Notdienst oder das SAPV-Auto - mit den jetzt auf Anweisung bevorrateteten Medikamenten wie Phenobarbital, lang wirksamen Benzos, Narkosemedikamenten und nicht retardierten Opioiden - wohl eher ein anderes und sehr spezielles Modell verfolgt, das bislang eher in der Schweiz anzusiedeln war. Wie und worüber soll denn dann konkret im Wohnzimmer bei einem unbekannten Patienten Propofol und Phenobarbital verarbeicht werden? Als Kurzinfusion, als Bolusgabe, über Perfusor, frei aus der Hand? Wer soll denn so etwas kontrollieren? Wer stellt die Indikation für diese Form der Hüftschuß-Sterbehilfe? Und wer übernimmt dafür eigentlich die Verantwortung?
Ich bin fassungslos. Aber machen Sie sich ruhig weiter intensiv Ihre Gedanken über BTM-Rezepte. Lieferwege, Großhandel ...

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Palliativmedizin

von Gabi am 03.04.2020 um 22:48 Uhr

Ich habe mich wohl gerade verlesen... zwischen Palliativmedizin und Sterbehilfe gibt es ja wohl einen Unterschied, Herr Beck

AW: Palliativmedizin

von Dr. Arnulf Diesel am 04.04.2020 um 10:11 Uhr

@ Gabi
Den Unterschied zwischen Palliation und Euthanasie (wie die aktive Sterbehilfe medizinisch bezeichnet wird) kennt der Kollege sicher. Wenn in unserem Nachbarland Menschen 80+ keine Beatmung erhalten, sondern Opiate und Schlafmittel, sollte man sich tatsächlich mal Gedanken machen und Dinge beim richtigen Namen nennen, wie für Naturwissenschaftler üblich. Und ein Mangel an Intensivbetten ist ja nicht gottgegeben. Den Euro kann man nur einmal augeben.

Morphin

von Ariane Maaß am 03.04.2020 um 9:41 Uhr

....und schon haben wir wieder Lieferengpässe!

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Morphin

von Erika Sterzel am 03.04.2020 um 9:34 Uhr

Und andere Med. Sehr gut noch drauf auf die eh geschwächten Körper, die ohnehin schon viele Menschen einnehmen.kein wunder das so viele sterben.Jedoch was tun, ich bete das der Virus bei vielen nicht erkannt wird.Keiner untersuch noch Grippeviren.. ...die meisten haben schon einen dur Antibiotika usw.einen geschädigten Darm.Dem Körper fehlen Nährstoffe D3, B12, Eisen, Selen usw.Gerade im Alter,weil man nicht kauen kann.Von Herzen alles gute für alle Lebewesen unserer Welt.

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Guter Plan

von Rainer W. am 03.04.2020 um 8:36 Uhr

Wenn Ihr alle jetzt Morphin an Lager legt kann ich meine Patienten, die seit 20 Jahren Morphinampullen bekommen, nicht mehr versorgen.

Und es gibt weiß Gott noch Apotheken die mehr Palliativversorgung machen als wir.

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint...

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Hamsterkäufe unterlassen

von Sandra am 03.04.2020 um 7:37 Uhr

Welchen Sinn soll das haben? Wenn wir diese Medikamente benötigen, bestellen wir sie beim GH. Wenn sich jede Apotheke bevorratet, gibt es doch sofort wieder Lieferengpässe. Und was soll eine ausreichende Bevorratung sein? Abschätzen kann den Bedarf keiner. Gut gemeint, aber am Sinn vorbei.

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Morphin

von Dr. Arnulf Diesel am 02.04.2020 um 18:54 Uhr

Da die Süddeutsche gerade einen Artikel gebracht hat (https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/gesundheit-tuebingen-elsass-patienten-ueber-80-werden-nicht-mehr-beatmet-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200326-99-478814), stellt sich mir die Frage, warum wir uns besonders mit Morphin bevorraten sollen. Was nicht im Notfalldepot ist, sollte über den Großhandel lieferbar sein - oder rechnet man mit deutlich erhöhtem Bedarf?

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Bevorratung

von Conny am 02.04.2020 um 17:10 Uhr

Wir bevorraten uns gerne. Das Problem ist , das Ärzte in Krankenhäusern aus welchen Gründen auch immer keine BTM Rezepte dahaben. Ein weitere negativer Punkt für Spahn.

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AW: Bevorratung

von Gabi am 02.04.2020 um 17:59 Uhr

Es geht dabei auch nicht um die Versorgung im Rahmen des Entlassmanagements, sondern vermutlich um eine ambulante Palliativversorgung von Patienten, die aus welchen Gründen auch immer nicht stationär versorgt werden können. Dazu bekommen Sie dann ein BTM-Rezept vom niedergelassenen Arzt, nicht vom Klinikarzt!

AW: Bevorratung

von Conny am 02.04.2020 um 19:20 Uhr

Aber nicht am Karfreitag, Ostersonntag oder Ostermontag. Von den teilweisen Sprachschwierigkeiten ganz zu Schweigen.

AW: Bevorratung

von Gabi am 03.04.2020 um 23:10 Uhr

Dafür gibt es den hausärztlichen Bereitschaftsdienst! Es geht schließlich um die Bevorratung von Morphin für ambulant versorgte Patienten! Krankenhausärzte dürfen ohnehin nicht einfach ein Rezept für einen Patienten ausstellen, den sie nicht kennen, unabhängig davon ob sie jetzt BTM-Rezepte haben oder nicht.

Auf sie mit gebrüll.

von Bernd Jas am 02.04.2020 um 17:10 Uhr

Wie schafft man es ein oder mehrere Produkte so schnell wie möglich zu verknappen?

Aw.: s.o.

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