Auswertung des Statistischen Bundesamtes

Hamsterkäufe: Desinfektionsmittel fast vier mal häufiger verkauft als Klopapier

Berlin - 31.03.2020, 12:44 Uhr

Das Statistische Bundesamt wertete das Kaufverhalten im Einzelhandel aus. Das neuartige Coronavirus führte bei vielen Produkten des täglichen Lebens zu einer extrem verstärkten Nachfrage. (b/Foto: imago images / Future Image)

Das Statistische Bundesamt wertete das Kaufverhalten im Einzelhandel aus. Das neuartige Coronavirus führte bei vielen Produkten des täglichen Lebens zu einer extrem verstärkten Nachfrage. (b/Foto: imago images / Future Image)


Das Statistische Bundesamt veröffentlichte am vergangenen Mittwoch eine Sonderauswertung experimenteller Daten über die Verkaufszahlen für ausgewählte Produkte im Einzelhandel nach Ausbruch der Coronakrise. Während die Absätze durch Desinfektionsmittel um mehr als 750 Prozent stiegen, stiegen sie für Toilettenpapier im gleichen Zeitraum nur um etwa 200 Prozent.

Den großen „Run“ auf Desinfektionsmittel haben Apotheker in den Wochen kurz nach dem Ausbruch des Coronavirus in Italien miterleben können. Das Statistische Bundesamt fasst das Ganze in einer Sonderauswertung nun in Zahlen. Die Angaben basieren auf digital verfügbaren Kassendaten und sind Teil eines Projektes im Bereich „Experimentelle Daten“, mit dem das Statistische Bundesamt neue Datenquellen und Methoden erprobt. Die Auswertung umfasst die Absatzzahlen ausgewählter Lebensmittel, wie Mehl und Bier, und Hygieneartikel, wie Seife, Toilettenpapier oder Desinfektionsmittel, im Einzelhandel im Zeitraum vom 5. August 2019 bis zum 22. März 2020. Diese werden dabei in Relation zu den Absätzen in der 32. Kalenderwoche 2019 gesetzt.

Steigende Absätze nach Corona-Ausbruch in Italien

Erstmals schnellten die Absatzzahlen in der letzten Februarwoche (Kalenderwoche 9 vom 24. Februar bis 1. März 2020) in die Höhe – in der Woche erreichte das Virus Italien. Bereits in dieser Woche waren die Absatzzahlen für Mehl (+ 150 Prozent), Seife (+ 122 Prozent) oder Teigwaren (+ 109 Prozent) mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt der sechs Monate zuvor. Auch die Absatzzahlen für Desinfektionsmittel erlebten einen jähen Höhenflug.

Eine Woche später (Kalenderwoche 10 vom 2. bis 8. März 2020) stiegen dann auch die Fallzahlen in Deutschland an. Spahn beschrieb die Lage für Deutschland in einer Regierungserklärung erstmals als Epidemie. Und prompt erreichte die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln ein Hoch: Der Absatz mit Desinfektionsmitteln lag bei einem Achtfachen im Vergleich zum Durchschnitt des vorherigen halben Jahres (+ 751 Prozent). In den beiden Wochen danach sank der Absatz allerdings enorm ab und lag in der Kalenderwoche 12 nur noch bei der Hälfte des sonst üblichen Absatzes – was wohl daran lag, dass die Produkte vorübergehend praktisch ausverkauft waren.

Foto: Statistisches Bundesamt

Politik und Wirtschaft appellieren, von Hamsterkäufen abzusehen

Bei anderen Hygieneartikeln stieg die Nachfrage hingegen stetig: So kam beispielsweise Seife in der 12. Kalenderwoche auf ein Plus von 337 Prozent. Toilettenpapier wurde in derselben Woche mehr als dreimal so oft gekauft (+ 211 Prozent). Politik und Wirtschaftsverbände wiesen an dieser Stelle noch einmal darauf hin, dass sie die die Versorgungslage mit Gütern des täglichen Bedarfs indes als gesichert ansehen, und appellierten an die Bevölkerung, von Hamsterkäufen abzusehen. Das einzige Produkt der Auswertung, welches nicht von Hamsterkäufen betroffen war und stattdessen sogar einen leichten Rückgang in den Absatzzahlen aufwies, war überraschenderweise Bier.

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Svea Türschmann
redaktion@daz.online


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