Großhandel in der Coronakrise

Phoenix schränkt Service und Lieferungen deutlich ein

Berlin - 16.03.2020, 15:20 Uhr

Der Mannheimer Pharmahandelskonzern Phoenix hat angekündigt, viele Facetten seines Apotheken-Services deutlich einzuschränken. (s / Foto: Phoenix)

Der Mannheimer Pharmahandelskonzern Phoenix hat angekündigt, viele Facetten seines Apotheken-Services deutlich einzuschränken. (s / Foto: Phoenix)


Das Mannheimer Großhandelsunternehmen Phoenix wird seinen Service für die Apotheken in den kommenden Wochen aufgrund des Coronavirus deutlich einschränken. In einem Schreiben an die Kunden, das DAZ.online vorliegt, kündigt die Phoenix wegen anstehender Personalengpässe unter anderem an, dass Wannen reduziert, Aufträge zusammengeführt und Verbundbestellungen vorerst gestrichen werden. Apotheken, die unter einem bestimmten Monatsbestellwert bleiben, müssen eine Strafgebühr bezahlen. Außerdem kündigt die Phoenix Lieferverzögerungen an.

Dass sich das Coronavirus schon jetzt auf die Aktivitäten des pharmazeutischen Großhandels auswirkt, konnte man in den vergangenen Tagen bei der Apotheker-Genossenschaft Noweda sehen: Aufgrund der gesteigerten Bestellungen aus den Apotheken hatte die Noweda einen Wannen-Engpass und musste vorübergehend Verbundbestellungen streichen. Die Phoenix reagiert nun auch – allerdings mit weitaus drastischeren Maßnahmen in mehreren Bereichen, die den Apothekenalltag direkt betreffen.

Ein Sprecher des Mannheimer Konzerns erklärte, dass das nachgefragte Volumen von Medikamenten und Apothekenprodukten momentan rund 25 Prozent über dem Volumen vor der Coronakrise liege. Dazu kommt, dass  „eine gewisse Anzahl unserer Mitarbeiter/-innen aufgrund [von] Einschränkungen zuhause bleiben müssen, um dort ihre Kinder zu betreuen und Betroffene zu versorgen“, heißt es in einem Schreiben an die Apotheken. In dem Brief listet das Unternehmen daher eine ganze Reihe von Maßnahmen auf, die nun auf die Apotheken zukommen. Hier eine Übersicht über die Maßnahmen:

1) Alle verfügbaren Mitarbeiter würden ab sofort auf den Warenfluss konzentriert. Das bedeutet konkret, dass sowohl Gebietsverkaufsleiter/-innen als auch Verwaltungsmitarbeiter/-innen nun zur Verringerung von Personalengpässen im Lager eingesetzt werden. Dies führe „zu einer reduzierten Erreichbarkeit“ der Phoenix-Mitarbeiter.

2) Ab sofort soll die Anzahl der Wannen reduziert werden. Dies geschieht im ersten Schritt durch eine stärkere Zusammenführung der Aufträge. Hierfür werden wir die Anzahl der für die Apotheker zur Verfügung stehenden MSV3-Bestellmöglichkeiten ab Mittwoch dem 18. März 2020 auf eine Auftragskennung und eine Auftragsart (NO) reduziert. „Bitte berücksichtigen Sie dies in Ihren Betriebsabläufen. Ggf. müssen wir ebenfalls Ihre MSV3 Bestellfenster anpassen, um Ihre Bestellungen mit geringerem Personalstand bearbeiten zu können. Bitte aktualisieren Sie dazu regelmäßig Ihre MSV3-Vertragsdaten in Ihrem Warenwirtschaftssystem“, erklärt die Phoenix dazu.

3) Apotheker sollen von Kleinstbestellungen absehen. Bei einem Monatsbezug unter 25.000 Euro wird ab sofort eine Servicepauschale von 250 Euro berechnet.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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3 Kommentare

Situation zum Abzocken nutzen - ist das solidarisch?

von Ebs am 17.03.2020 um 16:16 Uhr

Bei allem Verständnis wegen der bestehenden Situation...
Auch in den Apotheken wird derzeit am oder oberhalb des Limits gearbeitet und viele InhaberInnen haben mit Personalmangel zu kämpfen.
Dass aber der GH als "Partner" der Apotheken(???) die Situation ausnutzt um eine Kundenbereinigung durchzuführen und Liefergebühren abzuzocken ist ein Unding und eindeutig das falsche Signal in dieser Zeit. Was sagen denn unsere Standesvertreter dazu? Wo bleibt der Aufschrei?

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Phoenix war schon immer Gewinn statt service orientiert

von Aggi am 16.03.2020 um 19:43 Uhr

2009. Wer erinnert sich noch daran als Phoenix zwei mal im Monat Geld wollte?
Wer kennt das in Verbindung mit ADG nicht, dass Phoenix den Finger zeigt durch Datenabgleich via ADG, dass man etwas auch über Phoenix- Verbund bestellen könnte statt über Konkurrenz?
Wer immer noch keine Lehre seit 11 Jahren daraus zieht soll sich nicht aufregen den kleinen Obolus von 250 Euro zahlen zu müssen. So arbeiten eben gewinnorientierte internationale Aktiengesellschaften .... Ob Medikamente oder Autos oder Jeans oder Cornflakes, es geht nur um Manager und Aktionäre!

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Servicepauschale

von Conny am 16.03.2020 um 17:58 Uhr

Phönix sind die Ersten die Abzocken.

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