Coronavirus

Auch die Freien Apotheker wollen die Rabattverträge aussetzen

Berlin - 16.03.2020, 15:00 Uhr

Der Verein „Freie Apothekerschaft“ fordert die Politik zu umgehenden Maßnahmen auf: Aussetzung der Rabattverträge für die Zeit der Pandemie und ein unbürokratischer, finanzieller Ausgleich des Mehraufwands. (s / Foto: imago images / panthermedia)

Der Verein „Freie Apothekerschaft“ fordert die Politik zu umgehenden Maßnahmen auf: Aussetzung der Rabattverträge für die Zeit der Pandemie und ein unbürokratischer, finanzieller Ausgleich des Mehraufwands. (s / Foto: imago images / panthermedia)


Der Arbeitsaufwand für Apotheker steigt durch die Ausbreitung des Coronavirus immer weiter an. Daher fordert der Verein „Freie Apothekerschaft“ nun, die Rabattverträge während der von der WHO ausgerufenen Pandemiezeit außer Kraft zu setzen. Außerdem bringt der Verein einen finanziellen Ausgleich des aktuellen Mehraufwands ins Spiel. In einer aktuellen Pressemitteilung kritisiert der Verein die Politik dafür, die Apotheker beim Thema Honorarerhöhungen schon viel zu lange hinzuhalten.

Die Ausbreitung des neuartigen SARS-CoV-2-Virus beeinflusst mittlerweile weite Teile des öffentlichen Lebens. Während viele Einrichtungen wie leergefegt sind oder ganz schließen müssen, sorgt die aktuelle Situation für einen noch größeren Andrang in öffentlichen Apotheken. Die Folge: Der Arbeitsaufwand für Apotheker steigt immer weiter. Um hier Abhilfe zu schaffen, fordert der Verein „Freie Apothekerschaft“ nun in einer Pressemitteilung, die Rabattverträge zwischen den gesetzlichen Krankenkassen und den Pharmaherstellern während der von der WHO ausgerufenen Pandemiezeit außer Kraft zu setzen.

Die bereits bestehenden Lieferengpässe zusammen mit der Corona-Pandemie belasten die Apotheken immens: „Die Apotheken stehen im Augenblick auch noch unter einem besonderen arbeitstechnischen Druck, bedingt durch die zusätzliche Beratung der Patienten vor Ort hinsichtlich Coronavirus, Desinfektion, Schutzmaßnahmen usw., wodurch sich die Verweildauer in den Apotheken deutlich erhöht und Mitarbeiter bindet“, erklärt Reinhard Rokitta, Vorstandsmitglied des Vereins. „Der Aufwand und die Personalkosten, die dabei entstehen, Alternativen zu den nicht lieferbaren Arzneimitteln zu beschaffen, stehen in keinem Verhältnis mehr zum Honorar.“

Honorarerhöhungen: Kritik an der Hinhalte-Taktik der Politik

Daher fordern die Freien Apotheker neben der Aussetzung der Rabattverträge auch einen finanziellen Ausgleich für den Mehraufwand: Die derzeitige Arzneimittelversorgung, die sich ausschließlich am Preis orientiere, müsse umgehend so geregelt werden, dass die Apotheker ohne überbordende Bürokratie und außerhalb der pekuniären Interessen der Krankenkassen die Patienten mit den vorhandenen notwendigen und teilweise lebenswichtigen Arzneimitteln versorgen können, heißt es in der Pressemitteilung.

Apotheker während einer Gesundheitskrise als bedeutenden Pfeiler der Versorgung zu nutzen, ihnen aber dafür jegliche Mehrvergütung zu verweigern, bezeichnet Rokitta als „unredlich“ und kritisiert offen die Politik: „Die Zeit des Hinhaltens durch die Politik muss nun endlich vorbei sein. Diese ewigen Beteuerungen, dass der durch die Lieferengpässe erhöhte Aufwand der Apotheken vergütet wird, zeigt die Unglaubwürdigkeit der zuständigen Minister.“

Mit seiner Forderung nach einer unbürokratischen Lösung steht der Verein nicht alleine da: Thomas Preis, Chef des Apothekerverbandes Nordrhein, forderte im Interview mit DAZ.online ebenfalls einen Sofort-Stopp der Rabattverträge. Preis begründete seine Forderung damit, dass Patienten bei der derzeitigen Infektionswelle nicht mehrfach in die Apotheken kommen sollten, weil beim ersten Besuch das Rabattarzneimittel nicht lieferbar war. Preis forderte zudem eine deutliche Steigerung der Notdienstpauschale, um den Apotheken sofort und unbürokratisch zu helfen.


Svea Türschmann
redaktion@daz.online


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