Checkliste für Apotheker

Coronavirus-Tipps aus einer Apotheke in Italien

Berlin - 13.03.2020, 11:29 Uhr

Um das Apothekenpersonal wurden in der Apotheke „Peer Lana” in Südtirol Plexiglasscheiben angebracht. Welche Maßnahmen die Apotheker Stephan und Florian Peer ansonsten eingeführt haben, zeigen sie ihren Kollegen in einem Video, um ihnen zu helfen, sich bestmöglich vorzubereiten. (Foto: Apotheke Peer Farmacia)

Um das Apothekenpersonal wurden in der Apotheke „Peer Lana” in Südtirol Plexiglasscheiben angebracht. Welche Maßnahmen die Apotheker Stephan und Florian Peer ansonsten eingeführt haben, zeigen sie ihren Kollegen in einem Video, um ihnen zu helfen, sich bestmöglich vorzubereiten. (Foto: Apotheke Peer Farmacia)


Italien ist nach China aktuell am stärksten von der Corona-Pandemie betroffen. Die Apotheker Stephan und Florian Peer aus der Apotheke „Peer Lana” in Lana in Südtirol haben in ihrer Offizin spezielle Maßnahmen ergriffen. Jetzt haben sie eine Checkliste und ein Video veröffentlicht, in dem sie erklären, wie sich Apotheken in bis jetzt weniger stark betroffenen Gebieten am besten vorbereiten können. Außerdem stellen die beiden Apotheker ihren Kollegen aus Deutschland Info-Materialien zur Verfügung.

Die Apotheker Stephan und Florian Peer sind in ihrer Apotheke durch die Corona-Pandemie mit einer Ausnahmesituation konfrontiert. Daher haben sie den gesamten Betriebsablauf strukturiert, um sowohl Patienten als auch das Apothekenpersonal bestmöglich zu schützen:

Patienten, die die Apotheke aufsuchen wollen, werden schon vor der Apotheke durch Hinweisschilder darauf aufmerksam gemacht, dass sie mit Symptomen die Apotheke nicht betreten sollten. Für sie ist ein Verweis auf den Botendienst mit der Telefonnummer der Apotheke abgebildet. Alle anderen werden darauf hingewiesen, dass sie sich umgehend nach Betreten die Hände desinfizieren sollten.

Über einen Bildschirm können die Patienten nach der Händedesinfektion eine Wartenummer erhalten. Die maximale Anzahl der Kunden in der Apotheke ist genau definiert und durch Kreuze auf dem Boden markiert. Auf diese können sich die Patienten stellen und nach und nach zu den HV-Tischen aufrücken. So kann der Sicherheitsabstand gewahrt werden und es entsteht wenig Chaos.

Beratung nur hinter Plexiglas

An den HV-Tischen berät das Personal hinter einer Plexiglaswand, die Medikamente werden in einer Papiertüte verstaut, die an einen Haken gehängt wird, wo sie der Patient entgegennehmen kann. Falls der Bereich hinter dem Glas verlassen werden muss, sollen FFP2-Masken getragen werden. Vor und nach dem Anlegen sollten die Hände desinfiziert werden. Es sollten die Hinweise des RKI zum Wiederverwenden der Masken beachtet werden, empfehlen die italienischen Apotheker.

» Hier können Sie sich die aktuelle Liste anschauen.

Die beiden Apotheker stellen ihren Kollegen in Deutschland zudem weitere Informationsmaterialien frei zur Verfügung: Darunter ein Plakat zur richtigen Händedesinfektion sowie eine Beschriftung der Plexiglasscheiben.

Außerdem zeigen die beiden Apotheker zur Veranschaulichung ihre Apotheke jetzt auch in einem Video.

               

Hinweis der Redaktion: Wir haben den Beitrag mit einer aktuelleren Version der Liste erneuert.

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Svea Türschmann
redaktion@daz.online


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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8 Kommentare

Ball ins Spielfeld der Politik: Beschafft Atemmasken und Desinfektion für die Apotheken!

von Andreas Grünebaum am 17.03.2020 um 22:44 Uhr

Offensichtlich sind doch alle in den Apotheken getroffenen Maßnahmen eher dazu geeignet, die Bevölkerung von uns als potentiellen Multispreadern“ zu schützen, als uns als Apothekenpersonal persönlich zu schützen. Also auch wenn wir im persönlichen Kontakt mit mehr als 200 kranken Menschen pro Tag und Mitarbeiter stehen und uns gerne schützen würden, steht doch der Schutz der nicht infizierten Kranken am Beratungsplatz im Vordergrund, wie auch die gesetzlich vorgeschriebene, ordnungsgemäße Versorgung mit Arzneimitteln. Ich musste heute leider eine ersehnte, wenn auch beschämende Lieferung von lediglich 12 x 6 Atemmasken für 4 Apotheken sofort für den Eigenbedarf in der Rezeptur „beschlagnahmen“. Desinfektionsmittel werden nur noch sporadisch ausgeliefert und helfen ein wenig in der Rezeptur, aber kaum an HV/Kasse. Handschuhe werden von der ABDA für die tägliche Anwendung nicht empfohlen und tragen kaum zum Schutz bei, sind aber dennoch kontingentiert.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Plexiglasscheiben vor dem HV?

von Andreas Grünebaum am 15.03.2020 um 18:19 Uhr

Für die empfohlene Maßnahme gibt es bisher überhaupt keinen Beleg für die Wirksamkeit. Sämtliche Erkenntnisse aus Untersuchungen zu Sterilarbeitsplätzen sprechen dagegen. Heute würde doch auch niemand mehr auf die Idee kommen, die Rezeptur lediglich mit zu drei Seiten Mannshohe Plexiglasscheiben vorm Rest des HV- oder Backoffice abzutrennen, was noch vor 20 Jahren in Apotheken gang und gäbe war.

» Auf diesen Kommentar antworten | 3 Antworten

AW: Plexiglasscheiben vor dem HV

von Anne Steffes-enn am 17.03.2020 um 8:15 Uhr

@grünebaum
Glauben Sie mir Herr Grünebaum, wenn Sie in diesen Zeiten einmal voll „angehustet“ (das ist noch vornehm ausgedrückt) wurden, sind Ihnen die Evaluationsdaten zu sterilen Arbeitsplätzen egal, dann sind Sie froh über jedes Plexiglasschild gegen diese „Attacken“ der winzigen, aber starken und gemeinen „Mikrogegner“, die Ihnen entgegengeschleudert werden!
Falls Sie aber evaluierte, bessere Maßnahmen als die, der großartigen tiroler Kollegen, zur allgemeinen Verfügung stellen können: Dann immer her damit!
Mit kollegialen Grüßen

Anne Steffes-enn

AW: Plexiglasscheiben vor dem HV

von Stefan Haydn am 17.03.2020 um 20:01 Uhr

Wenn sie am Ende des Tages die eingetrockneten Tröpfchen auf der Patientenseite in ihrem direkten Gesichtsfeld auf der Scheibe sehen, hören sie auf den Nutzen in Zweifel zu ziehen.

AW: Plexiglasscheiben vor dem HV - wenn gewünscht Bitteschön!

von Andreas Grünebaum am 17.03.2020 um 20:30 Uhr

An alle Empörten, wir haben unsere Mitarbeiter befragt und die haben mangels anderer verfügbaren und in anderen Zeiten sicher Ressourcenschondenderer Methoden, sich für den „Tröpfcheninfektionsschutz-Sichtschutz“ von 1.000 x 1.000 mm entschieden. Wir haben die knapp 4.000 Euro Investition für unsere Kassenplätze (280 Euro pro Stück) in die Hand genommen. Aber liebe Mitarbeiter, Lasst Euch jetzt bitte nicht mehr bei ALDI, LIDL, REWE und EDEkA anstecken, denn über die Zeit wird sich - Stand heutiger Erkenntnisse - kaum jemand vor einer Infektion schützen können. Ob es zu einer Erkrankung kommt, ist eine andere Frage. Allerdings unternehmen wir hier in Hessen und vielen anderen Bundesländern auch schon alles, um die Entwicklung herauszuzögern. Ob nun die Tipps eines Leparakranken dazu beitragen, eine Leprainfektion zu vermeiden sei dahingestellt. Wir werden es sehen.
P.S: in Hessen wird die Zahl der statistisch „Infizierten“ schon darüber zurückgehen, weil milde Fälle überhaupt nicht mehr getestet werden können. Im Wetterau-Kreis (Hessen) werden nur noch ernsthaft Erkrankte getestet, weil die Schutzausrüstung für die Personen, welche die Tests durchführen knapp werden. Also: Infektionsrate geht runter, schwere Erkrankungen und Tote bleiben gleich = höhere Case Fatility Rate wie vormals in Italien.

Was kann ich tun?

von Angestellte PTA am 14.03.2020 um 18:07 Uhr

Guten Tag,

was tun wir denn als Angestellte wenn die Leitung keine Maßnahmen ergreift?
Müssen wir ohne Masken im HV arbeiten?
Was macht der Botendienst wenn der Leitung das Vorbereiten von passendem Wechselgeld usw. zu viel Aufwand ist?
Versorgung der Bevölkerung ist das Eine, aber eine fahrlässige Ansteckung müssen wir wohl nicht in Kauf nehmen. Oder?

Danke und Grüße

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Wollen Sie denn unbedingt eine OP-Maske tragen?

von Andreas Grünebaum am 15.03.2020 um 18:04 Uhr

Haben Sie schon mal eine OP-Maske über einen ganzen Arbeitstag eng anliegend getragen? Wenn ich welche zur Verfügung hätte, würde ich es unseren Mitarbeitern gerne anbieten. Aber ernsthaft: es hat kaum mehr als einen Placeboeffekt bezüglich des eigenen Schutzes, wenn man diese in Verbindung mit einer Schutzbrille (Labor) tragen würde. Würden Sie so gerüstet mit separatem Kittel, eng anliegender OP-Maske und Schutzbrille zum Einkauf in den REWE oder ALDI gehen? Wenn schon, dann konsequent, wenn man bedenkt, dass die meisten Infizierten überhaupt noch keine Symptome zeigen und trotzdem anstecken können.
P.S.: habe schon OP-Masken während meiner Arbeit im OP getragen. selbst wenn man die recht offen trägt, wird es nach wenigen Stunden ungemütlich. 2-3 Masken pro Schicht zum Wechseln sollten Sie dann schon einplanen.

Corona-Virus-Tipps

von Gerhard Zück am 13.03.2020 um 23:56 Uhr

Bravo, beispielhaft - mit Ausgaben verbunden....unser Schreiner wurde schon kontaktiert...
Den Rest erspar` ich mir, unsere Offizin ist zu klein um Separierung zu realisieren, vielen Kollegen(innen) dürfte
das keine Probleme bereiten. Kante zeigen, die Problematik
nach aussen tragen, auf der Website zeigen.
Ansonsten: Tür immer offen.....

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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