Bemerkenswerte Geschichten

Coronavirus in Apotheken: Hamsterkäufe, Riesenbestellungen, Mondpreise, Betrüger

Berlin/Düsseldorf - 03.03.2020, 11:30 Uhr

In Apotheken sind  Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken zumeist schon ausverkauft. Aber die Corona-Panik hat noch zu weiteren bemerkenswerten Geschichten im Apothekenmarkt geführt. (s / Foto: imago images / Karina Hessland)

In Apotheken sind  Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken zumeist schon ausverkauft. Aber die Corona-Panik hat noch zu weiteren bemerkenswerten Geschichten im Apothekenmarkt geführt. (s / Foto: imago images / Karina Hessland)


Das Coronavirus SARS-CoV-2 hat Deutschland erreicht – die Panik vor dem Erreger war aber schneller und führt insbesondere in Apotheken teilweise zu Ausnahmezuständen. Bereits seit Wochen sind Mundschutz und Atemmasken nicht nur in Apotheken hoch gefragt – nun werden auch Desinfektionsmittel rar. Ein krasser Fall war eine 80.000-Stück Großbestellung an Mundschutz in einer Essener Apotheke. Aber die Infektionswelle führt auch zu anderen, bemerkenswerten Geschichten in den Apotheken. Einige Beispiele.

Wer als Apotheker in diesen Tagen noch einen versteckten Vorrat an Mundschutz, Atemmasken oder Handdesinfektionsmitteln besitzt, könnte regelrecht reich werden. In ganz Deutschland sind Atemschutzmasken aller Kategorien weitgehend ausverkauft, aus allen Regionen finden sich Meldungen, dass Apotheken bereits seit längerem keine FFP1, FFP2 oder FFP3 Masken mehr führen. FFP steht dabei für „Filtering Face Piece“. FFP 2-Masken fangen nach ihrer Anforderung mindestens 94 Prozent von in der Luft befindlichen Partikeln bis zu einer Größe von 0,6 Mikrometern ab. Auch besondere Atemschutzmasken wie sie etwa ein Apotheker in Stuttgart in seinem Schaufenster ausstellte, verkaufen sich problemlos.

Im Nachrichtenportal Fokus online berichtet etwa eine Apothekerin mit geändertem Namen, dass Kunden bereit sind, für zehn FFP2-Masken 90 Euro zu bezahlen. Beim Internet-Händler Amazon finden sich noch deutlich krassere Fälle wie etwa zwei FFP2-Masken für den Schnäppchen-Preis von „nur“ 149,90 Euro.

Auch Desinfektionsmittel steigen derzeit enorm im Wert. 100 Milliliter eines bekannten und auch in Kliniken und im Rettungswesen oft genutzten Mittels sind derzeit ebenfalls beim Online-Händler für zum Teil 29,99 Euro zu haben. Ein Vielfaches des normalen Preises und mittlerweile auch von diesen Lieferanten nicht mehr lieferbar. Ein Kommentar zu diesen Auswüchsen der freien Marktwirtschaft von DAZ.online-Chefredakteurin Julia Borsch finden Sie hier.

Großbestellungen, Panik und seltsame Mittelchen

Die Panik vor SARS-CoV-2 ist offensichtlich da, auch wenn es bislang im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung erst wenige Fälle in Deutschland gibt. Viele Apotheker haben bereits ihre ganz eigenen Erfahrungen mit der Panik der Menschen machen können. Die Angst der Menschen zeigt sich auch im Kaufverhalten der Bevölkerung: Viele Apotheken haben in den vergangenen Tagen so viel verkauft und beim Großhandel nachbestellt, dass die Noweda derzeit keine Wannen mehr zur Verfügung hat. Die Folge: Der Großhändler stellte vorübergehend die Auslieferungen von Verbundware ein. DAZ.online hatte gestern darüber berichtet.

Apotheker in Österreich mit unseriösen Angeboten

Der Inhaber der Hirsch-Apotheke in Essen, Andreas Bessenbach, berichtet gegenüber der Westfälischen Allgemeinen Zeitung von einem Chinesen, der schon vor einigen Wochen versuchte, bei ihm 80.000 Exemplare an Mundschutz zu bekommen. Zu dem Zeitpunkt seien die aber bereits nicht mehr zu bekommen gewesen, erzählt er. Damals lag der Stückpreis noch bei rund einem Euro. Apotheker Alexis Jeremias von der Düsseldorfer Apotheke an der Luegallee berichtet dem Express, dass er von Schwarzmarktpreisen von 20 Euro pro Mundschutzmaske gehört habe. Auch von hysterischem und panischem Verhalten der Kunden weiß er zu erzählen.

Volkhard Lechler, Inhaber der Filderbahn-Apotheke in Möhringen bei Stuttgart berichtet der Stuttgarter Zeitung von Anrufen dubioser Händler, die ihm Schutzmasken für 28 Euro pro Stück angeboten hätten.

Während die meisten Apotheker mit einem Vorrat an Atemschutzmasken und Desinfektionsmitteln für ihre Mitarbeiter vorgesorgt haben und ansonsten vergeblich auf nachbestellte Ware hoffen – die meisten Mundschutze stammen aus China – treibt die Furcht vor dem Virus im Nachbarland Österreich auch bei Apothekern seltsame Blüten. So berichtet die Tageszeitung Der Standard in einem Blog-Beitrag in ihrem Online-Auftritt von einer Apotheke in Wien, die „bereits seit dem Jahr 2003 ‚Corona-Nosode‘“ herstelle. Dabei handelt es sich um eine spezielle Abart von Homöopathie, bei der aus Elementen wie Eiter, Blut, Wundsekret oder Erregern eine homöopathische Tinktur hergestellt wird. Das Mittel könne hergestellt werden. Eine andere Apotheke in der Steiermark bietet dagegen „Corona-Globuli“, das Fläschchen für 17,90 Euro, an, während eine andere Apotheke auf Anfrage der Zeitung zu „Schwingungs-Globuli“ riet. Die Apothekerkammer reagierte umgehend in einem Schreiben an alle Mitglieder: Die Kammer wies darauf hin, dass die Pharmazeuten bei ihrer „Marktkommunikation“ laut Berufsordnung darauf achten müssen, das „wissenschaftliche Ansehen“ der Apothekerschaft zu bewahren.



Volker Budinger, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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1 Kommentar

Coronavirus.

von Roland Mückschel am 03.03.2020 um 11:51 Uhr

Di aktuelle Situation hat auch sein Gutes.
Es bringt die inneren Werte der Gesellschaft
und Personen nach aussen.

Danke Herr Minister Spahn.

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