Coronavirus

RKI setzt Risikoeinschätzung auf „mäßig“, Spahn gegen Grenzschließungen

Berlin - 02.03.2020, 12:50 Uhr

Prof. Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, hat am heutigen Montag in Berlin erklärt, warum sein Institut die Risikoeinschätzung für das Coronavirus auf mäßig angehoben hat. ( t / Foto: imago images / ZUMA)

Prof. Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, hat am heutigen Montag in Berlin erklärt, warum sein Institut die Risikoeinschätzung für das Coronavirus auf mäßig angehoben hat. ( t / Foto: imago images / ZUMA)


Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die Bewertung des neuen Coronavirus für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland leicht heraufgesetzt. Die Risikoeinschätzung sei auf „mäßig“ gestellt worden, sagte RKI-Präsident Prof. Lothar Wieler bei einer Pressekonferenz am Montag in Berlin. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erklärte erneut, dass er gegen Grenzschließungen sei. Die Absage von Großveranstaltungen müsse von Fall zu Fall entschieden werden.

Bisher wurde das Risiko durch das neuartige Coronavirus als „gering bis mäßig“ eingestuft. Wieler bekräftigte, die Lage sei weiterhin sehr dynamisch und müsse wirklich jeden Tag neu bewertet werden. Bis Montagfrüh registrierte das RKI bundesweit 150 nachgewiesene Fälle in zehn Bundesländern und 49 Landkreisen. Insgesamt gebe es zu der von China ausgehenden Erkrankung nach wie vor nicht genügend Daten, um die Schwere einzuschätzen. Außerhalb Chinas seien inzwischen 64 Länder betroffen, und zwar mit 8898 Fällen, darunter mindestens 285 mit schweren Krankheitsverläufen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hält eine Schließung von Grenzen wegen der Ausbreitung des neuen Coronavirus in Deutschland weiter nicht für nötig. Auch die Absage von Großveranstaltungen oder die Schließung von Unternehmen sei nicht generell ratsam, sagte Spahn. Dies sei weiter nicht verhältnismäßig und angemessen. Grenzschließungen hätten massive Auswirkungen. Spahn brachte erneut das Beispiel der italienischen Schweiz an: Würde man die Grenzen zwischen der Schweiz und Italien schließen, wäre die Gesundheitsversorgung in der italienischen Schweiz schnell bedroht, weil viele dort arbeitende Menschen in Italien leben.

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Auch gegen eine Einstellung von Direktflügen zwischen China und Deutschland wandte sich Spahn. Ein solcher Schritt könne dazu führen, dass bis zu rund 30.000 Deutsche aus China ausgeflogen werden müssten.

Bei Firmen und Veranstaltungen zähle immer der Einzelfall. „Jedes Unternehmen muss es bewerten“, sagte Spahn. Es mache einen Unterschied, ob ein Betrieb lediglich regional tätig sei oder in einen internationalen Konzern regelmäßig Mitarbeiter aus dem Ausland kämen. Für Großveranstaltungen gelten laut Spahn unter anderem folgende Parameter: „Wie ist der Teilnehmerkreis? Sind Teilnehmer aus Risikogebieten dabei? [...] Oder sind keine dabei?“ Auch die Frage, wie die Belüftung geplant sei, sei wichtig. Statt eine Veranstaltung abzusagen, könnten auch Auflagen gemacht werden. Nur die Gesundheitsbehörden vor Ort könnten dann entscheiden.

„An bestimmten Stellen in Deutschland wird der Alltag ein Stück eingeschränkt sein müssen“, sagte Spahn etwa mit Blick auf Schulschließungen. Es gelte, die Virus-Ausbreitung zu verlangsamen, einzudämmen und damit für den Einzelnen, aber auch für die gesamte Gesellschaft, besser handelbar zu machen. Spahn verteidigte, dass beispielsweise nicht der Karneval in Deutschland pauschal abgesagt worden sei. Er verwies auf die damals geringe Zahl von Infektionen und nachvollziehbare Infektionsketten.


bro / dpa
brohrer@daz.online


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2 Kommentare

Spahnmäßig ....

von Christian Timme am 03.03.2020 um 11:38 Uhr

Immerhin auf „mäßig“ a n g h o b e n ... Robert Koch hätte Jens Spahn schon den „H....“ versohlt ...

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Risikoeinschätzung Mässig

von Roland Mückschel am 03.03.2020 um 10:11 Uhr

Kann es sein dass diese Einschätzung der
Leistung der staatlichen Behörden folgt? Die würde ich eher
als saumässig einschätzen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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