Lieferengpässe durch coronavirus

Sandoz friert Preise für wichtige Generika ein

Berlin - 27.02.2020, 15:59 Uhr

Die Novartis-Tochter Sandoz friert die Preise für knapp 20 Antiinfektiva ein, deren Ausgangsstoffe in China produziert werden und die aufgrund der anhaltenden Corona-Epidemie bald knapp werden könnten. (Foto: imago images / Roland Mühlanger) 

Die Novartis-Tochter Sandoz friert die Preise für knapp 20 Antiinfektiva ein, deren Ausgangsstoffe in China produziert werden und die aufgrund der anhaltenden Corona-Epidemie bald knapp werden könnten. (Foto: imago images / Roland Mühlanger) 


Während sich das neuartige Coronavirus nun auch in Europa verbreitet, ist die Lage in China nach wie vor angespannt. Dies könnte mittelfristig Auswirkungen auf die Produktion essentieller Generika aus China und damit für die weltweite Versorgung haben. Aufgrund von Lieferengpässen könnten die Preise schnell ansteigen. Die Novartis-Tochter Sandoz erklärte aber in einer Pressemitteilung einen Preisstopp für eine Reihe wichtiger Antiinfektiva.

Antiinfektiva könnten bald knapp werden, wenn die Wirkstoffproduktion in China mittelfristig weiter beeinträchtigt sei, erklärte Richard Saynor, CEO bei Sandoz, auf seinem Linkedin-Account. Das Problem liege nicht darin wo, sondern in welchem Ausmaß Hersteller alle in der selben Region angesiedelt seien. Den Hauptgrund für die Verlagerung der Produktion nach China und Indien sieht er im hohen Preisdruck in Europa. Das Coronavirus habe jetzt dafür gesorgt, dass dieses Problem in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt sei.

Denn durch das Virus ist die Produktion in China eingeschränkt und die drohenden Lieferengpässe könnten dann zu Preiserhöhungen führen. Die britische Zeitung „The Telegraph“ berichtete, dass die Preise gängiger Medikamente in Indien bereits gestiegen sind. So sei der Preis für Paracetamol-Präparate bereits um 40 Prozent und gängige Antibiotika sogar um 70 Prozent gestiegen. Grund dafür: China produziere knapp 80 Prozent der Ausgangsstoffe für Medikamente in Indien. Saynor zeigte sich besorgt.

Saynor sieht die Generikaindustrie in der Verantwortung

Daher kündigte Sandoz auf seiner englischsprachigen Konzernseite am gestrigen Mittwoch in einer Pressemitteilung an, die Preise trotz der unsicheren Lage für eine Reihe essentieller Medikamente ab sofort einzufrieren. Darunter seien vor allem Wirkstoffe, die bei einer Coronainfektion helfen könnten: Rund 20 Virostatika und Antibiotika zur Behandlung von Lungenentzündungen. Welche Arzneimittel genau von dem Preisstopp betroffen sind, kommunizierte Sandoz allerdings nicht. Klar ist allerdings: Für Deutschland hat dieser Preisstopp ohnehin keine Auswirkungen, weil hier seit Jahren ein Preismoratorium verankert ist.* 

Eine Sandoz-Sprecherin sagte dazu gegenüber DAZ.online, dass die globale Verpflichtung unterschiedliche Bedeutung und Auswirkungen in den einzelnen Ländern habe. Für Deutschland speziell sei die Verpflichtung dann wichtig, wenn die aktuellen Preise unter der Preismoratoriumsgrenze liegen.

Während Saynor weiter daran glaubt, dass es einen koordinierten und langfristigen Ansatz brauche, sieht er gerade jetzt die Generikaindustrie in der Verantwortung: Diese müsse sicherstellen, dass Patienten, die Medikamente bekommen, die sie benötigen. „Unsere Absicht ist es, Wege zu bereiten, damit Patienten auf Versorgung zugreifen können. Dazu gehört die Verantwortung, eifrig zu arbeiten, um eine stabile Versorgung und Produktverfügbarkeit sicherzustellen – zu Preisen, die sich Patienten und Gesundheitssysteme leisten können“, so der CEO. Er glaube zwar, dass seine Firma über ausreichende Sicherheitsvorräte verfüge, allerdings sei die Situation durch die Ausweitung des Virus schwer einzuschätzen.

---------------------------------------------------------------------------------

* Hinweis der Redaktion: Wir haben den Text mit einem Statement von Sandoz aktualisiert.

Mehr zum Thema

Interview Prof. Andrew Ullmann (FDP-MdB und Infektiologe)

„Der Mensch hat noch kein immunologisches Gedächtnis für das Coronavirus“

Lieferengpässe durch das Coronavirus?

Elf versorgungsrelevante Wirkstoffe kommen aus Hubei

Dringlichkeitsantrag im Bayerischen Landtag

Bayern will sich für Arzneimittelproduktion in Europa einsetzen


Svea Türschmann
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Wegen COVID-19 kommen nicht mehr ausreichend Wirkstoffe aus China / Betroffen sind u. a. Antibiotika, Virustatika und Paracetamol

Indien stoppt Ausfuhr von 26 Arzneistoffen

50 Millionen Euro für Novartis

Antibiotika-Produktion bleibt in Tirol

Österreichische Regierung investiert 50 Millionen Euro in Tirol

Antibiotikaproduktion bleibt in Kundl

Arzneimittelversorgung

Lieferengpässe in der Schweiz

Update zur Gefahr von Arzneimittelverknappungen durch die Coronoavirus-Krise

„Wenn China sich erkältet, muss Indien niesen“

Coronavirus führt zu Fabrikschließungen in China

Covid-19: Drohen Lieferengpässe?

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.