„TherVacB“ 2021 in klinischer Erprobung

Therapeutische „Impfung“ als Heilung für chronische Hepatitis B

Düsseldorf - 25.02.2020, 12:20 Uhr

Nach einer Vorbehandlung und Reduktion der Virusproteine machen sich die Forscher die wieder verfügbare Kapazität des Immunsystems mit einer therapeutischen Impfung zu Nutze. (c / Foto: Zerbor / stock.adobe.com)

Nach einer Vorbehandlung und Reduktion der Virusproteine machen sich die Forscher die wieder verfügbare Kapazität des Immunsystems mit einer therapeutischen Impfung zu Nutze. (c / Foto: Zerbor / stock.adobe.com)


Mit einem neuartigen Therapieansatz wollen Forscher des Helmholtz Zentrums München, der Technischen Universität München und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung chronische Hepatitis B-Erkrankungen heilen: „TherVacB“ soll bereits 2021 in die klinische Erprobung kommen. Doch diese wird noch Jahre dauern.

Das Hepatitis B-Virus begleitet die Menschheit nachweislich bereits seit rund 7000 Jahren. Zwar gibt es eine wirksame Impfung, die die Übertragung vor allem durch Blut und Sexualkontakte effektiv verhindert – so ganz verschwindet es aber nie. Das Robert Koch-Institut (RKI) berichtete etwa für Deutschland in den vergangenen Jahren einen Anstieg der gemeldeten Fälle. 

Auch wenn die akute Infektion in den meisten Fällen keine schwerwiegenden Folgen hat, gibt es doch weltweit viele von Langzeitschäden Betroffene. In 5 bis 10 Prozent aller Infektionen entwickelt sich eine chronische Hepatitis B, die sich häufig in ihrem Krankheitsverlauf steigert. Weltweit sind rund 260 Millionen Menschen chronisch mit Hepatitis B infiziert. Durch die chronische Leberentzündung entwickeln sich in einem Viertel dieser Fälle Leberzirrhosen und Leberzellkarzinome, an denen jährlich statistisch rund 880.000 Menschen weltweit sterben. Forscher des Helmholtz Zentrums München, der Technischen Universität München (TUM) und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung haben nun eine Methode entwickelt, die schwer zu therapierende chronische Erkrankung in Zukunft heilen zu können. Am Mausmodell ist ihnen das bereits gelungen.

Massenhafte Virusproteine beschäftigen das Immunsystem

Das HB-Virus macht es dem menschlichen Immunsystem nicht einfach, es zu bekämpfen. Zum einen schreibt sich das Genom des Virus als entfernter Verwandter von Retroviren, wie dem Aids-Erreger HIV, in die Erbinformation der infizierten Leberzellen. Bei jeder Teilung vermehrt sich der Erreger dabei mit. Zum anderen sorgt der Erreger sowohl bei einer akuten Hepatitis als auch bei der chronischen dafür, dass Unmengen an Hüllprotein des Virus entstehen, des HBsAg (Hepatis B Surface Antigen). Diese werden als nichtinfektiöse Partikel massenhaft aus den befallenen Zellen sekretiert und beschäftigen das Immunsystem. 

Die Forscher um Professor Ulrike Protzer, Direktorin des Instituts für Virologie am Helmholtz Zentrum München und der TUM, haben daher eine therapeutische Impfung mit einer Methode kombiniert, die die massenhafte Expression der Virusproteine supprimieren soll, siRNAs sind dabei ihr Mittel der Wahl. Also „small interfering Ribonucleic Acids“, kleine, nur rund 20 bis 25 Basenpaare lange Stücke von Ribonukleinsäure. Diese binden während der Proteinbiosynthese an in der Transkription gebildete mRNA („Boten-RNA“) und verhindern so deren Translation zum Protein. 

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Diesen Vorgang, der auch natürlicherweise vorkommt und bei der Regulation von Proteinexpression sowie der Virusabwehr eine Rolle spielt, machen sich die Forscher nun durch extern applizierte siRNA zu Nutze: „Die siRNAs sind an ein Amin-Zuckermolekül, das N-Acetylgalactosamin (GalNAc), gekoppelt. GalNAc wird durch den ASGPR-Rezeptor (Asialoglycoproteinrezeptor) aufgenommen, welcher sich fast ausschließlich auf den Hepatozyten, den Leberzellen, befindet“, erklärt Dr. Thomas Michler, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie am Institut für Virologie des Helmholtz Zentrums und einer der beiden Erstautoren der Studie. Natürlicherweise wird GalNAc etwa auf Erythrozyten exprimiert, der ASGPR spielt eine Rolle bei deren Abbau in der Leber. „Dies gewährleistet eine spezifische Aufnahme der siRNA in die Leberzellen. Das betrifft dabei sowohl HBV infizierte als auch nicht infizierte Zellen“, sagt er. 



Volker Budinger, Diplom-Biologe, freier Journalist
redaktion@daz.online


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