Nachwuchsmangel

Thüringer Landtag diskutiert den „Klebeeffekt“ nach dem Pharmaziestudium

Berlin - 24.02.2020, 14:59 Uhr

Im Thüringer Landtag diskutierten die Abgeordneten einen Antrag der FDP, in dem es um die Ausweitung der Studiengänge für Pharmazie oder Medizin geht. (b/Foto: imago images / pictureteam)

Im Thüringer Landtag diskutierten die Abgeordneten einen Antrag der FDP, in dem es um die Ausweitung der Studiengänge für Pharmazie oder Medizin geht. (b/Foto: imago images / pictureteam)


Die flächendeckende Gesundheitsversorgung gilt besonders in ländlichen Regionen als gefährdet. Um diese zu sichern, wird oft eine Erhöhung der Studienplätze in den Fächern Medizin und Pharmazie gefordert. Die Fraktion der FDP in Thüringen brachte das Thema Ende Januar in den Landtag ein. Unterstützung erhielt sie bei der Debatte des Antrages aus den Reihen der CDU. Die Grünen hingegen kritisieren, dass der sogenannte „Klebeeffekt“ zu kurz gedacht sei und fordern, genau wie SPD und Linke, weitergreifende Maßnahmen. Die AfD ist offen für private Hochschulen.

Die FDP Thüringen macht sich aufgrund „der zunehmenden Überalterung“ der Fachkräfte Sorgen um die flächendeckende Gesundheitsversorgung in ihrem Bundesland. In einem Antrag (Drucksache 7/26) von Ende November wird die Landesregierung daher auffordert, bis Ende April ein Konzept zum Ausbau der Studienplatzkapazitäten vorzulegen. Der FDP-Abgeordnete Robert-Martin Montag erklärte während der Debatte am 31. Januar im Landtag, das Durchschnittsalter der Apotheker in Thüringen sei knapp 50 Jahre, ein ähnliches Bild zeige sich in der Medizin. Ein Problem bestehe jetzt zwar noch nicht, aber in einigen Jahren, wenn die alten Generationen in den Ruhestand gehen, benötige man vermehrt junges medizinisches und pharmazeutisches Personal. 

Die CDU stellte einen Änderungsantrag (Drucksache 7/85), in dem die FDP-Forderungen sogar noch verschärft werden: Die Christdemokraten fordern einen bereits bis Ende September erfolgten Ausbau der Kapazitäten an der Friedrich-Schiller-Universität Jena um 10 Prozent.

SPD-Staatssekretärin Kerst: Das ist unerfüllbar

Die Staatssekretärin für Wirtschaft und Digitale Gesellschaft, Valentina Kerst, nannte die Forderungen „schlicht unerfüllbar“. Denn eine Erhöhung um 10 Prozent entspräche zwar nur einer Anzahl von 26 Studienplätzen in der Medizin und 8 in der Pharmazie, dies würde aber laut Kalkulationen der FSU zufolge Mehrkosten von je 3,6 Millionen und 1,3 Millionen Euro pro „Kohorte“ (Die FSU nimmt nur zum Wintersemester neue Pharmaziestudierende auf) mit sich bringen. Darüber hinaus wäre ein räumlicher Aus- oder gar Neubau der Institute nötig, um die Kapazitäten weiter zu erhöhen. Diese Kosten könnten nicht allein durch die Universität und das Universitätsklinikum getragen werden, sondern müssten durch den Landeshaushalt bereitgestellt werden. „Wer A sagt wie Aufnahmekapazität erweitern, der muss auch B sagen, nämlich das Budget entsprechend erhöhen“, so Kerst.

Die Grünen kritisierten den verallgemeinernden Ansatz der FDP und CDU: Die Relation von Einwohnern pro Apotheke sei sogar gesunken. Während 2007 noch 4901 Einwohnerinnen und Einwohner auf eine Apotheke zusammengekommen seien, wären es 2007 trotz sinkender Apothekenzahlen nur noch 3940. Das eigentliche Problem sei, dass die Absolventen nicht dort ankämen, wo sie gebraucht werden: Approbierte ergriffen teilweise lieber versorgungsfreie Berufe oder zögen schlicht weg. Es benötige daher erst eine Ursachenforschung, bevor man „mit einfachen Antworten auf komplexe Probleme“ zu reagieren versuche.



Svea Türschmann
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Auf dem Land fehlen Ärzte – und Apotheker

Thüringer SPD will Zahl der Medizinstudienplätze erhöhen

Pharmazie in Thüringen

Künftig mehr Studienplätze?

Bericht von der 57. Versammlung der Landesapothekerkammer Thüringen

„Wir Apotheker machen einen guten Job“

25. Jahrestag der Wiedergründung des Instituts für Pharmazie in Jena

In voller Blüte

4 Kommentare

Fehler im Text

von C. Goebel am 25.02.2020 um 22:38 Uhr

Die Logik erschließt sich nicht, da ist ein Fehler - mindestens einer:

„ Die Grünen kritisierten .......Die Relation von Einwohnern pro Apotheke sei sogar gesunken. Während 2007 noch 4901 Einwohnerinnen und Einwohner auf eine Apotheke zusammengekommen seien, wären es 2007 trotz sinkender Apothekenzahlen nur noch 3940. „

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Entwickung

von Holger am 25.02.2020 um 9:59 Uhr

Also wenn die Bevölkerung schneller sinkt als die Zahl der Apotheken/r, sehe ich das pharmazeutische Problem nicht.

Und der Altersdurchschnitt der Apothekers liegt bei knaoo 50? Ja verdammte Hacke wo soll er denn sonst liegen?? Wenn man mit 27 Apotheker wird und mit 67 fertig ist, dann liegt das arithmetische Mittel bei 47 - so what??

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Ursachenforschung - der war gut !

von ratatosk am 25.02.2020 um 8:39 Uhr

Nur solche Gestalten können das fordern, gerade die Grünen sind ja Hauptverantwortliche !
Benachteiligung der inländischen Apotheken gegenüber den steueroptimierten und rosinenpickenden Versendern. Bürokratie. Daher auch niedrieges Gehaltsniveau , schlechte Arbeitszeiten zum Ausgleich. Fertig ! Wohin darf ich die Rechnung schicken ! Bei Politikerspecies würde das sicher schon mal 100000 Euronen bringen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Klebeeffekt

von Roland Mückschel am 24.02.2020 um 15:38 Uhr

Klebeeffekt für wen?
Für Industrie, Behörden und sonstige Stellen? Apo bestimmt nicht.
Den Klebeeffekt kenne ich nur bei den Politikern.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.