Medienberichte

AKK schmeißt hin, Krauß fordert Spahn als Kanzlerkandidat

Berlin - 10.02.2020, 10:15 Uhr

Annegret Kramp-Karrenbauer will nicht CDU-Kanzlerkandidatin sein und auch den CDU-Vorsitz abgeben. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß fordert, dass Jens Spahn diese Aufgaben übernimmt. (s / Foto: imago images / Zensen)

Annegret Kramp-Karrenbauer will nicht CDU-Kanzlerkandidatin sein und auch den CDU-Vorsitz abgeben. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß fordert, dass Jens Spahn diese Aufgaben übernimmt. (s / Foto: imago images / Zensen)


Das politische Erdbeben in Thüringen wirkt sich immer mehr auch auf die Bundespolitik aus. Mehrere Medien berichten übereinstimmend, dass Annegret Kramp-Karrenbauer ihre Position als CDU-Vorsitzende aufgeben und auch nicht als Kanzlerkandidatin antreten wolle. Der sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß meldete sich umgehend zu Wort und forderte, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nächster Kanzlerkandidat der Union werden solle.

Unter anderem der „Spiegel“ und die „Bild-Zeitung“ berichten am heutigen Montagmorgen, dass die CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer während einer Sitzung des CDU-Präsidiums erklärt habe, dass sie sowohl auf eine Kandidatur als Kanzlerin verzichten als auch vom CDU-Vorsitz zurücktreten wolle. Die Verteidigungsministerin soll darauf hingewiesen haben, dass die Kandidatur und der CDU-Vorsitz in eine Hand gehörten – da sie nicht kandidieren wolle, müsse sie also auch von ihrem Parteiamt zurücktreten.

Kramp-Karrenbauer soll ihre Entscheidung aber auch mit den derzeitigen Vorkommnissen in Thüringen begründet haben. Es gebe in ihrer Partei ein „ungeklärtes Verhältnis mit AfD und den Linken“, heißt es in den Medienberichten. Sie sei weiterhin strikt gegen eine Kooperation mit beiden Parteien. Bundeskanzlerin Angela Merkel soll Kramp-Karrenbauer darum gebeten haben, Verteidigungsministerin zu bleiben. Kramp-Karrenbauer hat dieses Amt seit vergangenem Sommer inne. Zur CDU-Vorsitzenden wurde sie im Dezember 2018 gewählt – zuvor hatte sie sich mit Jens Spahn und Friedrich Merz um das höchste Amt in der CDU beworben. 

Krauß: Mit Spahn hätten wir einen schlagkräftigen Kandidaten

In den kommenden Wochen dürften nun die Diskussionen darüber beginnen, wer AKK als CDU-Vorsitzende/-r nachfolgt und Kanzlerkandidat/-in wird. Der sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß, der im Gesundheitsausschuss des Bundestages sitzt, hat einen klaren Favoriten: Jens Spahn. In einer Mitteilung teilte Krauß mit, dass Spahn den CDU-Vorsitz übernehmen und Kanzlerkandidat werden solle. Wörtlich erklärte Krauß:


Jens Spahn hat als Minister einen tollen Job gemacht und allen gezeigt, dass er es kann. Er verkörpert den Neuaufbruch. Mit ihm hätte die CDU nicht nur einen mutigen Parteivorsitzenden, sondern auch einen schlagkräftigen Kanzlerkandidaten.“

Alexander Krauß, CDU (MdB)


Spahn selbst hat der scheidenden CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer Respekt für ihren Rückzug gezollt. „Ich habe großen Respekt vor dieser unerwarteten Entscheidung", schrieb der Minister am Montag auf Twitter. Die Trennung von Parteiführung und Kanzleramt sei eine schwierige Situation gewesen. Es sei Kramp-Karrenbauers Verdienst, CDU und CSU wieder zusammengeführt zu haben. „Der Zusammenhalt unserer Partei muss auch jetzt unsere Leitschnur sein", forderte Spahn.


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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7 Kommentare

Wir sollten mehr Verständniss zeigen

von Stefan Haydn am 11.02.2020 um 9:27 Uhr

Es ist um die CDU personell schon so schlecht bestellt, dass Herr Spahn als Heilsbringer verstanden wird.

Mehr kann und muss man über diese Partei nicht aussagen.

Zumindest muss man sich bei der nächsten Bundestagswahl keine Sorgen um eine Fortsetzung der GroKo machen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Heilsbringer

von Holger am 11.02.2020 um 14:19 Uhr

Die Frequenz der Heilsbringer in der CDU wird sich der der SPD annähern, die Wahlergebnisse auch. Und beides wird die Ränder stärken. Hauptgrund dafür ist meiner Meinung nach, dass alle immer nur "die Mitte" suchen, sich dabei einander immer weiter bis zur Deckungsgleichheit annähern, an den Rändern Spielraum lassen - und dann die Zusammenarbeit mit diesen Rändern so lange kategorisch ablehnen bis die Mitte irrelevant geworden ist. Wenn das Klima-Gretel erstmal erwachsen geworden ist, wird es den Grünen genauso gehen. Die FDP war noch nie anders. Ne vernünftige Lösung für dieses Problem habe ich leider auch nicht :-(

AW: Welche Mitte?

von Stefan Haydn am 11.02.2020 um 14:36 Uhr

Die berühmte Mitte die alle suchen ist witzig, da es die noch nie gegeben hat.
Da gab es einen interessanten Artikel bei der WELT in diesem Zusammenhang.

Genau das ist ja das Problem, dass außer der AfD keiner für eine Bevölkerungsgruppe mehr arbeitet, während sich alle anderen in nicht mehr wählbarer Beliebigkeit ergehen.
Wen sollen denn die 18 Mio arbeitende, zu 98% heterosexuelle Bevölkerung noch als Interessenvertreter wählen?
Blöd nur, dass die Protestwähler der AfD nicht erkennen, dass die bevorzugte Bevölkerungsgruppe aus Rechtsradikalen und Deutschnationalen besteht.

Mir fällt da nur eine Lösung ein. Die Parteien besinnen sich wieder auf ihre Kernklientel wie in 70er und 80er Jahren.
Ich fürchte nur die heutige Politikergeneration ist da denkbar ungeeignet.

Gibt das jetzt noch 708 Meldungen?

von Christian Timme am 10.02.2020 um 17:26 Uhr

Also Erzgebirge... haben wir ja schon mal. Jens Spahn jetzt schon "abzufackeln" ... und das noch von dieser "Mutti-Fraktion" die "aufs Wort" hört. So geht man doch nicht mit dem "aufstrebenden Nachwuchs" um.

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.

von Anita Peter am 10.02.2020 um 11:37 Uhr

"Jens Spahn hat als Minister einen tollen Job gemacht"

Also wenn ich mich bei den Ärzten, in der Pflege und bei Apothekern umhöre, wird mir genau das Gegenteil gesagt.

Aber ich verstehe, da Spahn evtl den CDU Vorsitz übernimmt, muss man schon mal eine kräftige Schleimspur auslegen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Erfolg?

von Holger am 11.02.2020 um 14:04 Uhr

Aus Sicht eines Abgeordnetenkollegen mag es durchaus sein, dass allein die schiere Zahl seiner Gesetzentwürfe den Minister Spahn als Aktivposten erscheinen lässt. Und im Gegensatz zu seinem Kollegen Scheuer kassiert auch kein Gericht und keine EU seine Gesetze gleich wieder ein.

Dass ein Minister jedoch nicht bei allen von seinen Gesetzen betroffenen Berufsgruppen beliebt ist, dürfte aus Sicht der Politik auch wieder eher als positives Kriterium wahrgenommen werden. Soooooo leicht kriegen wir den Jungdynamiker also nicht abgeschossen.

Spahn

von Conny am 10.02.2020 um 11:13 Uhr

Danke AKK, wegen Ihnen ist Spahn nicht Verteidigungsminister geworden. Was haben wir Apotheker für ein Pech . Spahn Gesundheitsminister und Schmidt sein treuer Untergebener. Jedenfalls wird dieses Land weit unter seinen Möglichkeiten regiert. Es ist so trauig. Das Einzige was gut funktioniert ist die Apothekenstruktur und die Versorgung der Bevölkerung. Aber man hat den Eindruck das selbst Menschen wie Herr Hennrich in letzter Zeit verblödet sind. Haarsträubende Ansichten.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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