AOK Baden-Württemberg

Bauernfeind: Mechanik der Rabattverträge wirkt Engpässen entgegen

Berlin - 07.02.2020, 12:45 Uhr

Johannes Bauernfeind ist seit Jahresbeginn Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg und damit Nachfolger des „Vaters der Rabattverträge“, Christopher Hermann. (Foto: AOK BaWü)

Johannes Bauernfeind ist seit Jahresbeginn Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg und damit Nachfolger des „Vaters der Rabattverträge“, Christopher Hermann. (Foto: AOK BaWü)


Sind Rabattverträge mitursächlich für Arzneimittel-Lieferengpässe? Viele der Player im Arzneimittelmarkt – auch die Apotheker – meinen ja, jedenfalls die exklusiven. Die Krankenkassen sehen das bekanntlich anders, allen voran die AOK Baden-Württemberg. Ihr neuer Vorstandschef Johannes Bauernfeind ist diesem Punkt ganz auf einer Linie mit seinem Vorgänger Christopher Hermann und meint, die Mechanik der Rabattverträge wirke Engpässen sogar entgegen.

„Das Problem der Lieferengpässe bei Arzneimitteln löst man nicht, indem man pauschal die Arzneimittelrabattverträge kritisiert“, erklärt Johannes Bauernfeind, seit Jahresbeginn Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg und damit Nachfolger des „Vaters der Rabattverträge“, Christopher Hermann. Lösungsansätze, so verkündete er am gestrigen Donnerstag via Pressemitteilung, müssten zwingend die globalen Abhängigkeiten in der Arzneimittelversorgung berücksichtigen. Es bedürfe einer gemeinsamen europäischen Strategie, die mehr Markttransparenz und eine Mindestbevorratungspflicht für wichtige Arzneimittel im Blick habe. Ausdrückliche Unterstützung der AOK Baden-Württemberg findet derzeit auch das Vorhaben, die Kompetenzen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte zu stärken.

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Wie Hermann ist Bauernfeind überzeugt, dass bislang „allein die Mechanik der Rabattverträge zur Verhinderung von Lieferengpässen beitragen“ könne. Sie machten die Versorgung planungssicherer, stellten Transparenz her und verfügten über wirksame Sanktionierungsinstrumente. „Die Politik sollte jetzt genau prüfen, welches Instrumentarium eine sichere Versorgung der Patienten mit Arzneimitteln befördert und welches nicht“, so Bauernfeind weiter.

AOK Baden-Württemberg wird nicht müde, das System zu verteidigen

Bislang gibt es allerdings keine konkreten Schritte der Politik, die Rabattverträge anzugreifen. Selbst in den jüngst bekannt gewordenen Formulierungshilfen für Änderungsanträge zum Faire-Kassenwettbewerb-Gesetz findet sich kein solcher Versuch. Nur die Apotheken sollen größere Freiheiten bekommen, wenn ein Rabattarzneimittel nicht lieferbar ist. Dann sollen sie unmittelbar austauschen können – und nicht die Versicherten, sondern die Kassen sollen etwaige Mehrkosten tragen, falls kein alternatives Arzneimittel zum Festbetrag verfügbar ist.

Auch wenn das Bundesgesundheitsministerium (exklusive) Rabattverträge nicht für Lieferprobleme verantwortlich macht: In der Politik, auch in den Regierungsfraktionen, gibt es durchaus Skeptiker. Und so wird die AOK Baden-Württemberg nicht müde, das System zu verteidigen.



Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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8 Kommentare

AOK BW - Gibt es dort gar keinen Sachverstand mehr ?

von ratatosk am 10.02.2020 um 11:11 Uhr

Lächelnd offen lügen - die neue Fähigkeit für höhere AOK Ämter in B W . Vergleich mit Rumänien echt jetzt !

Nichts gegen Rumänien, aber ein Land das ökonomisch doch andere Verausstzungen hat zu nehmen, zeigt den Abgrund an Ignoranz. Gnade uns Gott, wenn bei uns so was wie Corana auftritt und dann solche Leutchen für Leib und Leben der Versicherten zuständig sind

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Bauerfeind

von Conny am 07.02.2020 um 19:49 Uhr

Dieser Mensch bestätigt mal wieder was AOk heißt : Angestellte ohne Kompetenz

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Äh

von Stefan Haydn am 07.02.2020 um 18:54 Uhr

Manchmal frage ich mich, was die Schmarotzer an der Spitze der Krankenkassen so rauchen.
Anders ist eine solch penetrante Ignoranz gegenüber ökonomischen Sachverhalten nicht mehr zu erklären.

Das ist zum Totlachen, wenn es in Wahrheit nicht so abgrundtief patientenverachtend und realitätsfern wäre.

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AW: Klare Position

von Holger am 10.02.2020 um 11:10 Uhr

Ich will den Unfug, den Herr Bauernfeind da von sich gibt, nicht unterstützen. Aber man muss ihm zugute halten, dass er eine klare Position vertritt und die auch gegen den Wind öffentlich lauthals rausposaunt. Ich glaube, da könnte unser Berufsstand ne ganze Menge von lernen. Denn sooooooo erfolglos scheint diese Strategie auf Kassenseite nicht zu sein.

Verdrängen

von Reinhard Rodiger am 07.02.2020 um 17:33 Uhr

Besonders ärgerlich ist, dass die bewusste Verdrängung sachgerechter Analyse unwidersprochen bleibt.

Der Zusammenhang zwischen Marktattraktivität und Preis ist
unbestritten.Stetig sinkende Preise mindern den Willen und die Möglichkeit, schnell zu reagieren.Genau das ist erforderlich, wenn Marktanteile bis über 90% geschaffen werden.Hier wird die Supply-chain bewusst gefährdet und damit die Sicherheit der Versorgung in Frage gestellt.Es ist schon traurig genug, all das stetig wiederholen zu müssen, damit niemand sagen kann, er hätte nichts gewusst.

Gesund macht sich damit nur die Gesundheitskasse zu Lasten
aller.

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Rabattvertragslügen

von Roland Mückschel am 07.02.2020 um 14:50 Uhr

Hat man dem kleinen Hannesle nicht beigebracht
dass man nicht lügen darf?
Oder erfordert jetzt dies das neue Amt?

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Imperfektion à la AOK...

von Christian Timme am 07.02.2020 um 13:28 Uhr

Bauernfeind oder Apothekerfeind ... das sind schon zwei Aufstiegschancen in Berliner Ministerien. Der Anfang ist gemacht...

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Der Newcomer redet...

von Dr.Diefenbach am 07.02.2020 um 13:11 Uhr

.....einfach:Blödsinn,praxisfremd und das ist eigentlich eine Frechheit gegenüber den KollegInnen

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