Eradikationstherapie

Helicobacter: „In Deutschland können Sie Metronidazol vergessen“

Schladming - 24.01.2020, 16:29 Uhr

Helicobacter pylori: Man geht davon aus, dass weltweit mehr als 50 Prozent aller Menschen infiziert sind. (Foto: ucadp /stock.adobe.com)

Helicobacter pylori: Man geht davon aus, dass weltweit mehr als 50 Prozent aller Menschen infiziert sind. (Foto: ucadp /stock.adobe.com)


Am vorletzten Pharmacon-Tag ging es um Infektionen des Gastrointestinaltrakts. Unter anderem war die Therapie des Magenkeims Helicobacter pylori ein Thema.  Wie therapiert man ihn und muss man tatsächlich jeden Patienten mit einem positiven Erregernachweis behandeln? PD Dr. Hans-Jörg Epple aus Berlin gab Antworten.

Man geht davon aus, dass weltweit mehr als 50 Prozent aller Menschen mit Helicobacter pylori infiziert sind. Die Prävalenz hängt mit dem sozioökonomischen Niveau der sozialen Gemeinschaft zusammen, in Deutschland beträgt sie etwa 30 Prozent. Die Infektion erfolgt meist im Kindesalter und der Erreger persistiert dann ein Leben lang. Erwachsene hingegen scheinen resistent. Eine Infektion mit H. pylori führt eigentlich immer zu einer akuten Gastritis. Das liegt an den von dem Erreger hervorgerufenen zytotoxischen Effekten und der daraus resultierenden Entzündungsreaktion. 

5 Prozent der Patienten entwickeln infolge der akuten Gastritis eine chronische Gastritis mit Hyperazidität. Bei etwa 0,3 Prozent kommt es zu einer chronischen Gastritis mit Atrophie und in deren Folge zu einem Karzinom. Das relative Risiko für ein Karzinom erhöht sich durch eine Infektion mit H. pylori um den Faktor zwei bis acht. Eine weitere mögliche Folge ist die Entwicklung eines MALT-Lymphoms bedingt durch die chronische Antigenstimulation, bei 0,04 Prozent der Patienten ist das der Fall. Zudem leiden 20 Prozent der H.-pylori-Patienten an Refluxbeschwerden. Der Pathomechanismus dahinter ist aber unbekannt.

Mehr zum Thema

Was die aktualisierte S3-Leitlinie zur Prävention von Magenkarzinomen empfiehlt

H. pylori geht’s an den Kragen

Muss man alle behandeln?

Laut europäischer Leitlinie soll jeder Patient mit einem positiven Erregernachweis therapiert werden. In Deutschland geht man differenzierter vor. PD Dr. Hans-Jörg Epple aus Berlin stellte die Behandlungsindikationen vor, die man in drei Kategorien unterteilen kann.

  • Kausalität und therapeutischer Effekt sind belegt
  • Therapeutischer Nutzen wurde gezeigt, die Kausalität konnte aber nicht belegt werden
  • weder ein therapeutischer Nutzen, noch die Kausalität sind belegt.

In die erste Gruppe gehören beispielsweise Patienten mit MALT-Lymphom, Ulcus oder funktionaler Dyspepsie. Sie profitieren, wenn eine Infektion mit H. pylori vorliegt, erwiesenermaßen von einer Eradikation und sollten daher auf jeden Fall therapiert werden. Dasselbe gibt aber auch für Patienten, die dauerhaft PPI oder NSAR – dazu gehört auch niedrig dosierte ASS – einnehmen. In die zweite Gruppe sortiert man beispielsweise Patienten mit einer Eisenmangelanämie, Vitamin-B12- Mangel sowie jeder mit klinischen Symptomen. Andere Grunderkrankungen, wie Stoffwechselerkrankungen, neurologischen Erkrankungen und viele andere Leiden, finden sich dann in Gruppe drei. Hat der Patient keine klinischen Symptome, besteht in diesen Fällen also auch keine Behandlungsindikation.



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


Diesen Artikel teilen:


0 Kommentare

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.