IQVIA-Bericht

Phama-Studie: Wert „personenzentrierter“ Innovationen häufig unterschätzt

Remagen - 13.01.2020, 16:00 Uhr

Einer vom europäischen Pharmaverband EFPIA in Auftrag gegebenen Studie zufolge wird der pesonenzentrierte Wert von Arzneimitteln von HTA-Institutionen und Kostenträgern oft unterschätzt. (c / Foto: imago images / Cavan images)

Einer vom europäischen Pharmaverband EFPIA in Auftrag gegebenen Studie zufolge wird der pesonenzentrierte Wert von Arzneimitteln von HTA-Institutionen und Kostenträgern oft unterschätzt. (c / Foto: imago images / Cavan images)


Mehr als drei Viertel aller pharmazeutischen Innovationen sind heutzutage keine First-in-Class-Wirkstoffe, sondern Weiterentwicklungen – sei es von Wirkstoffen selbst oder bezüglich der „Software“ rund um das Arzneimittel, die alle möglichen Therapie-und Kostenvorteile bringen kann. Der Wert solcher „personenzentrierten“ Innovationen wird von HTA-Institutionen häufig unterschätzt. Dies zeigt ein neuer IQVIA-Bericht, der im Auftrag des europäischen Dachverbandes der forschenden Arzneimittelhersteller EFPIA erstellt wurde.

Weiterentwicklungen von bereits verwendeten Wirkstoffen (Follow-on), neue Indikationen für bekannte Wirkstoffe, fixe Kombinationen, neue Formulierungen, Kombinationen von Arzneimitteln mit digitalen Anwendungen oder mit Medizinprodukten zur Erleichterung der Verabreichung machen nach IQVIA-Erhebungen jedes Jahr 65 bis 70 Prozent aller gelaunchten innovativen Arzneimittel aus (Zahlen für 2011 bis 2018). Rund 40 Prozent entfallen allein auf Indikationserweiterungen. Über die Jahre 2011 bis 2018 konnten 60 Innovationen dieser Art im Bereich Onkologie, 36 im Bereich Diabetes, 31 im Sektor Atemwege und 26 bei den antiviralen Mitteln identifiziert werden. Ein neues Whitepaper von IQVIA im Auftrag des europäischen Dachverbandes der forschenden Arzneimittelhersteller EFPIA befasst sich damit, wie solche „personenzentrierten“ therapeutischen Innovationen in Nutzenbewertungen wegkommen und warum sie dabei von Health Technology Assessment (HTA)-Stellen und Kostenträgern häufig unter Wert geschlagen werden.

Patienten nehmen den Wert anders wahr

Personenzentrierte therapeutische Innovationen könnten Sicherheitsprofile von Wirkstoffklassen verbessern, die Adhärenz und infolgedessen die klinischen Ergebnisse steigern, Zusatzkosten durch Krankenhausaufenthalte sparen und einen erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten haben, stellen die IQVIA-Autoren fest. Allerdings nähmen Patienten und Kliniker den Wert solcher Innovationen meist anders wahr als die Zahler. So würden zum Beispiel Follow-on-Wirkstoffe von den Kostenträgern nicht so hoch bewertet wie von Patienten und Meinungsbildnern aus dem klinischen Sektor. Dasselbe gelte für Kombinationen aus Arzneimittel und Medizinprodukt und Arzneimittel plus digitale Anwendung. Viele HTA-Gremien betrachteten die Vorteile für die Patientenerfahrung nicht als solche, sondern fokussierten sich einzig und allein auf die klinischen Ergebnisse sowie auf Kosten- und Effizienzparameter, zu denen es institutionalisierte Bewertungsstandards gibt.

Personenzentrierte Innovationen werden häufiger nicht erstattet

Dies liegt nach Meinung der IQVIA-Experten daran, dass die aktuell verwendeten HTA-Mechanismen deren Wert unterschätzen. Während Ergebnisvorteile in der Regel leicht identifizierbar sind und geschätzt werden können, erfordert die Bewertung der Nutzererfahrungen ein tieferes Verständnis davon, wie Patienten ihren Zustand und ihre Behandlung erleben. Hinzu kommt, dass Nachweise zu Anwendungserfahrungen bei der Markteinführung oft nicht verfügbar sind und sich erst über eine längerfristige Erfassung während des gesamten Produktlebenszyklus offenbaren. Am Ende wirkt sich das auf den Zugang der Patienten zu solchen Innovationen aus, denn ohne Erstattung sieht es meist auch für die Verwendung trübe aus. Insgesamt fallen Produkte, die unter das Konzept der personenzentrierten Innovationen zu fassen sind, nach dem IQVIA-Bericht bei Erstattungsentscheidungen mehr als doppelt so häufig durch wie First-in-Class-Produkte (24 versus 11 Prozent, Zahlen für 2011 bis 2018).



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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