Auch Pharmaindustrie betroffen

IAB-Studie: Brexit betrifft 460.000 Arbeitsplätze in Deutschland

Berlin - 08.01.2020, 07:00 Uhr

Viele Industriezweige arbeiten sehr eng mit dem Vereinigten Königreich zusammen. (Foto: imago images / photothek)

Viele Industriezweige arbeiten sehr eng mit dem Vereinigten Königreich zusammen. (Foto: imago images / photothek)


Rund 460.000 Arbeitsplätze in Deutschland sind mit Exporten nach Großbritannien verbunden - gut 60.000 davon in der Autoindustrie. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Auch die Verflechtungen der Pharmaindustrie mit dem Vereinigten Königreich sind demnach erheblich.

Großbritannien will Ende Januar aus der EU austreten. „Die Auswirkungen auf die Beschäftigung dürften sich jedoch in engen Grenzen halten“, betonte IAB-Forschungsbereichsleiter Enzo Weber. Der Brexit reduziere die Exporte nicht auf null und könne auch neue Handelschancen für deutsche Betriebe ermöglichen.

Deutschland exportierte 2018 Waren und Dienstleistungen für 109 Milliarden Euro nach Großbritannien, die Importe beliefen sich 63 Milliarden. Neben der Autoindustrie exportieren vor allem Maschinenbauer, Chemie- und Pharmaindustrie viel in das Vereinigte Königreich. In Nordrhein-Westfalen sind laut IAB gut 90.000 Arbeitsplätze mit Ausfuhren in das Vereinigte Königreich verbunden, in Bayern gut 80.000 und in Baden-Württemberg 70.000. Diese Zahlen dürften aber nicht mit potenziellen Verlusten von Arbeitsplätzen gleichgesetzt werden, erklärten die Arbeitsmarktforscher.

Pharma: 4,2 Prozent der Arbeitsplätze direkt oder indirekt betroffen

Auch was die Pharmaindustrie betrifft, liefert die Studie einige spannende Fakten. Demnach exportieren Pharmaunternehmen jährlich weltweit Waren in Wert von 84 Milliarden Euro, Produkte im Wert von 4 Milliarden Euro gehen nach Großbritannien. Bei den Importen liegt der Wert bei 2 Milliarden Euro. Laut der Studie sind in der deutschen Pharmaindustrie insgesamt etwa 4,2 Prozent aller Arbeitsplätze direkt oder indirekt mit dem Vereinigten Königreich verknüpft. In der Automobilindustrie sind es etwa 5,5 Prozent.

Nach einem Brexit Ende Januar bliebe Großbritannien noch ein Jahr, bei Verlängerung sogar noch bis zu drei Jahre lang Mitglied des Binnenmarkts und der Zollunion. In dieser Übergangszeit wollen beide Seiten einen Freihandels- und Partnerschaftsvertrag aushandeln.


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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