DAZ-Adventsrätsel – Tag 23

Licht ins Dunkle bringen

23.12.2019, 01:00 Uhr

Fast fünf Jahrzehnte dauerte es, bis Wissenschaftlern ein Licht aufging und sie den Wirkmechanismus des gesuchten Elements erkannten – und es auch in Gasentladungslampen einsetzten. (Foto: Scanrail - stock.adobe.com)

Fast fünf Jahrzehnte dauerte es, bis Wissenschaftlern ein Licht aufging und sie den Wirkmechanismus des gesuchten Elements erkannten – und es auch in Gasentladungslampen einsetzten. (Foto: Scanrail - stock.adobe.com)


Sie denken hinter dem 23. Türchen das DAZ-Adventskalenders geht es heute um Autoscheinwerfer? Weit gefehlt! Und auch die Überschrift ist eher irreführend: Es geht nämlich um ein Element und dessen Einsatz, um Patienten zur Narkose die „Lichter auszuknipsen“.

Beabsichtigt man, bei einem Patienten die Lichter auszuknipsen, dann hat man pharmakologisch gesehen die Möglichkeit, entweder inhibitorische GABAA-Rezeptoren zu aktivieren oder exzitatorische NMDA-Rezeptoren zu hemmen. Die meisten Narkosemittel, z.B. Halothan oder Isofluran, wirken vor allem durch eine Aktivierung inhibitorischer GABAA-Rezeptoren. Hemmende Effekte am NMDA-Rezeptor sind dagegen für die Wirkung nicht hauptsächlich verantwortlich.

Das gesuchte Element hingegen hemmt vor allem L-Glutamat-Rezeptoren wie den NMDA-Rezeptor. Die Wirkung auf GABA-Rezeptoren ist dabei zu vernachlässigen. Somit verfügt es über eine gewisse Selektivität und kann als ein reiner NMDA-Rezeptorantagonist angesehen werden. Diese konkrete Eigenschaft fasst eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2001 zusammen – genau 50 Jahre, nachdem die narkotisierende Eigenschaft des Elements erstmalig erkannt wurde. Das gesuchte Element ist gasförmig und seit 2005 als volatiles Anästhetikum in Deutschland zugelassen.

Reine NMDA-Rezeptorantagonisten, wie zum Beispiel „Lachgas“, haben einen großen Vorteil: Sie besitzen zusätzlich analgetische Eigenschaften. Damit unterscheiden sie sich von den klassischen Inhalationsanästhetika, wie Halothan oder den Fluranen. Außerdem belastet das gesuchte Element das Kreislaufsystem deutlich weniger. Blutdruckabfälle tauchen so gut wie gar nicht auf.

Doch der Einsatz des gesuchten Elements als Anästhetikum kostet mehr als dreimal so viel wie eine herkömmliche Narkose. Deshalb wird es vor allem bei Risikopatienten eingesetzt, die z.B. Vorerkrankungen des Herz-Kreislaufsystems aufweisen. Auch bei neurologischen Operationen entfaltet es seinen großen Vorteil, dass es im Körper des Patienten schnell an- und abflutet. 

Frage: Welches Element suchen wir?

Bei dem gesuchten Element handelt es sich um Xenon, dem Edelgas mit der Ordnungszahl 54. 

Es ist das seltenste nicht-radioaktive Element auf der Erde. Bekannt ist es vor allem als Bestandteil in Autoscheinwerfern oder als Inhalationsanästhetikum.

 

Gewonnen hat Sophie Bronkow aus Berlin, herzlichen Glückwunsch!


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