Heidelberger Herbstkongress 2019

Erst Anamnese, dann Allergietest

Heidelberg - 28.11.2019, 16:30 Uhr


Am vergangenen Wochenende hatte die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg zum 42. Heidelberger Herbstkongress geladen, zum Thema Kinder und Jugendliche. Passend zum ersten Vortrag – bei dem es um Allergien und Asthma ging – wurde auch wieder der Preis für die beste Projektarbeit innerhalb der Weiterbildung zum Fachapotheker für Allgemeinpharmazie verliehen.

Insgesamt rund 1000 Teilnehmer waren es, die am vergangenen Wochenende nach Heidelberg strömten, um sich zum Thema „Kinder und Jugendliche“ fortzubilden. Auf der Warteliste sollen noch 200 weitere gestanden haben. Sie alle – ob im Hauptvorlesungssaal oder einem der beiden zusätzlichen mit Live-Übertragung – wurden von LAK-Präsident Dr. Günther Hanke begrüßt. Dieser verwies, einleitend in das Thema, auf die in diesem Jahr neu veröffentlichte Welle der KiGGS-Studie zur Kindergesundheit in Deutschland. Außerdem überreichte er den seit 2008 verliehenen Preis für herausragende Projektarbeiten innerhalb der Weiterbildung zum Fachapotheker für Allgemeinpharmazie an Sebastian David Dittus aus der Sonnen-Apotheke in Neuenbürg im Nordschwarzwald. Dotiert ist dieser Preis mit 750 Euro.

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Passend zum ersten Vortragsthema Allergie und Asthma drehte sich auch die Projektarbeit von Dittus um Asthma-Inhalatoren: „Verbesserte Patientenberatung zur Anwendung von portablen Arzneiformen zur bronchopulmonalen Anwendung“. Konkret hat er in seiner Apotheke ein System entwickelt, mit dem er Patienten direkt auf die Anwendungsvideos der Deutschen Atemwegsliga aufmerksam macht. Dazu werden in der Sonnen-Apotheke in Neuenbürg an die Patienten Zettel ausgegeben, die mit einem QR-Code versehen sind und direkt zum entsprechenden Video weiterleiten. 

Bevor es im Eröffnungsvortrag von Dr. med. Thomas Spindler schließlich um Asthma ging, machte der Chefarzt für Kinder und Jugendliche von der Hochgebirgsklinik Davos (FMH Kinder- und Jugendmedizin, Kinderpneumologie, Allergologie, Sportmedizin) zunächst auf einige wichtige und grundlegende Aspekte in der Behandlung von Allergien aufmerksam.

„Begriff Allergietest ist per se falsch“

Spindler stellte klar, dass ein Allergietest – egal, ob die Messung über die Haut oder das Blut erfolgt – keinen Nachweis für eine Allergie liefert, sondern nur IgE-Antikörper nachweist. Das Vorliegen dieser Antikörper sei nur ein Beleg dafür, dass eine Sensibilisierung vorliegt. Diese könne jedoch ein Leben lang bestehen, ohne dass tatsächlich Symptome auftreten. „Allergietests müssten eigentlich Sensibilisierungstests heißen“, fasste er sein Anliegen zusammen.

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Der Nachweis einer Sensibilisierung rechtfertige schließlich keine Therapie oder Allergen-Karenz, erklärte Spindler. Denn die Sensibilisierung sei nur der erste Schritt in Richtung Allergie, welche man besser durch eine gute klinische Anamnese erfassen könne als durch einen Test: „Erst wenn die Zellen entscheiden, dass ein Katzen-Antigen tatsächlich gefährlich ist, entsteht auch eine Allergie.“ Der Test sei daher nur der zweite Schritt der Diagnose.



Diana Moll, Apothekerin, DAZ.online
redaktion@daz.online


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