Umfrage zu Arzneimittelengpässen

Was halten Sie von Lauterbachs Lösung zu Lieferengpässen?

Stuttgart - 25.11.2019, 16:00 Uhr

Was denken Apotheker über die Lösung Karl Lauterbachs zu Lieferengpässen? Geht es nach ihm, sollten nicht lieferfähige Pharmahersteller etwaige Mehrkosten bei Abgabe teurerer Arzneimittel zahlen müssen. Doch greift Lauterbachs Idee zuletzt zu kurz? (s / Foto: imago images / Arnulf Hettrich)

Was denken Apotheker über die Lösung Karl Lauterbachs zu Lieferengpässen? Geht es nach ihm, sollten nicht lieferfähige Pharmahersteller etwaige Mehrkosten bei Abgabe teurerer Arzneimittel zahlen müssen. Doch greift Lauterbachs Idee zuletzt zu kurz? (s / Foto: imago images / Arnulf Hettrich)


Karl Lauterbach, Arzt und Gesundheitspolitiker der SPD-Bundestagsfraktion, schlägt vor, nicht lieferfähige Pharmaunternehmen zur Rechenschaft zu ziehen: Sie sollen für Mehrkosten, die durch die Abgabe von Original-Arzneimitteln entstehen, zahlen müssen. Ein guter Vorschlag? Oder geht der Schuss am Ende nach hinten los und verschärft die Arzneimittelengpässe zusätzlich? DAZ.online will von seinen Lesern wissen: Wie sehen Sie Lauterbachs Lieferengpass-Lösung?

Wenn nicht geliefert werden kann, muss es Strafen geben“, findet Karl Lauterbach, Arzt und SPD-Gesundheitspolitiker. Geht es nach seinem Willen, sollte bei Nichtlieferbarkeit generischer Arzneimittel auch das unter Umständen teurere Original-Präparat abgegeben werden dürfen – potenzielle Mehrkosten sollen in diesen Fällen sodann die nichtlieferfähigen Hersteller tragen. Dieser Vorschlag scheint zunächst sehr sinnig und dürfte bei Patienten, die der aktuelle Venlafaxin-Engpass trifft, durchaus auf Zuspruch stoßen. Denn: Für sie fallen bei Trevilor-Abgabe teilweise dreistellige Mehrkosten an, die auch die Krankenkassen nicht pauschal erstatten mögen.

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Allerdings könnte Lauterbachs Rechnung bei genauerer Betrachtung nicht ganz aufgehen. So gab Julia Borsch, Chefredakteurin von DAZ.online, in ihrem Editorial am heutigen Montagmorgen zu bedenken, dass Lauterbachs Vorschlag unter Umständen viel zu kurz greift. Warum? „Zum einen profitieren sicher nicht alle betroffenen Patienten, weil der Originalhersteller meist in diesem Umfang gar nicht liefern kann“. In aller Regel hat der Originator nur noch einen kleinen Marktanteil. Zudem sei fraglich, ob die Idee, durch Übernahme der Mehrkosten den finanziellen Druck auf die Generikahersteller noch weiter zu erhöhen, gut ist. „Schließlich wird genau dieser Kostendruck für die Engpässe mitverantwortlich gemacht.“

Wie sehen Sie das? Befürworten Sie Lauterbachs Lieferengpass-Lösung, oder denken auch Sie, dass dadurch die Engpässe nicht gelöst, sondern vielmehr verschärft werden?


Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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9 Kommentare

Gleichnis

von Bernd Jas am 26.11.2019 um 23:06 Uhr

Der Feldwebel in der Kaserne lässt Antreten zum Waschen.

"Alles versammeln im Duschraum, zur kontrollierten Körperhygiene, aber wehe einer macht sich nass. Strafe drei Wochen Stubenarrest mit Latrinen-Reinigungsdienst."

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Einfach, schnell und effektiv geht nicht

von Hummelmann am 26.11.2019 um 16:26 Uhr

Herr Lauterbach ist bekannt dafür, dass er uns gerne weiß machen will, er wüsste auf jede Frage eine Antwort. Die aktuellen Probleme sind aber viel komplizierter, als er das dem Verbraucher vor der Kamera weiß machen will.
Eine einfache und schnelle Antwort, die gleichzeitig das Problem effektiv lösen kann, gibt es nicht.

Als Soforthilfe würde ich die Regelung für Importe, Rabattverträge, Festbeträge und Festbetragsmehrkosten außer Kraft setzen, sobald die Rabattpartner bzw. die vier preisgünstigsten Alternativen nicht beschaffbar sind.
Alle diese Regelungen hatten nur den Zweck zur Kosteneinsparung, falls es preiswertere und gleichwertige Alternativen gibt. Sobald diese Auswahl fehlt, sind die Regelungen dazu obsolet. Die Versorgungssicherheit der Bevölkerung mit den benötigten Arzneimitteln muss immer mindestens eines Stufe über dem Interesse zur Kosteneinsparung der Krankenkassen stehen.

Im Moment bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen lieber Strafzinsen an die Banken für ihr üppiges Guthabenkonto als Arzneimittelkosten an die Versicherten. Das muss SOFORT aufhören.

Im Nachgang muss geklärt werden, warum Hersteller zu einem Preis anbieten, zu dem sie offenbar nicht liefern können. Warum Krankenkassen mit Partnern Verträge schließen, die diese gar nicht erfüllen können. Warum Verträge am Ende ihrer Laufzeit sich nicht mit den neuen Verträgen überlappen. Warum Pharmagroßhändler dringend benötigte Ware lieber ins Ausland verkaufen. Warum sich ausreichende Lagerhaltung beim Hersteller, beim Pharmagroßhandel und in der Apotheke nicht mehr lohnt. Die Antwort auf diese Fragen ist natürlich immer:
Es fehlt an Geld.
Aber das ist natürlich nur ein Teil der Wahrheit. Eigentlich fehlt es an allen Ecken und Enden an Planungssicherheit.

Wir erleben im Augenblick das Ergebnis einer jahrzehntelangen fehlgeleiteten Sparpolitik im Gesundheitswesen. Die Idee "mehr Wettbewerb" schadet der Versorgungssicherheit. Für einen erfahrenenen Gesundheitsökonom wie Herrn Lauterbach sollte es eigentlich keine neue Erkenntnis sein, dass in einem freien Markt die Preise nur bei einem Überangebot nach unten gehen. Aber Arzneimittel sind ein Nachfragemarkt. Alle Maßnahmen zum Preisdumping schaden daher der Versorgungssicherheit. Das gilt umsomehr, wenn es um den Arzneimittelversand und die Einführung eines E-Rezeptes geht. NIEMAND sorgt sich so sehr um die Gesundheit seiner Kunden, wie der Apotheker vor Ort. Er und seine unterbezahlten Mitarbeiter müssen den ganzen Tag stundenlang mit viel Empathie, wenig Anerkennung und völlig kostenlos erklären, welchen Bockmist uns die Gesundheitspolitiker und Krankenkassen da eingebrockt haben.
Bevor Herr Lauterbach und seine Parteikollegen neue Sanktionen vorschlagen, sollten sie mal reflektieren, welche ihrer eigenen politischen Maßnahmen die aktuellen Probleme ausgelöst haben. Er tut ja gerade so, als wäre die SPD in den letzten Jahrzehnten nicht in der Regierungsverantwortung gewesen.
Regelungen, Kontrolle und Strafen haben wir in der Apotheke schon genug. Wir warten vergeblich auf Vorschläge für Anreize, Motivation, Anerkennung, Lösungsansätze und adäquate Bezahlung.

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Bestrafen

von Kleiner Apotheker am 26.11.2019 um 12:17 Uhr

Wenn es sich für den Hersteller nicht rechnet, wird er nicht liefern.

Eine Möglichkeit: Dann sagt der Hersteller eben, das es momentan Quailtätsprobleme in der LIeferkette gibt. Und dann?
Wäre es nicht besser, die Qualität (z.B. keine Rückrufe) und Lieferfähigkeit bei der nächsten Ausschreibung zu belohnen? Also ein Bonus/Malus-System für Hersteller.
Ausschreibungsgewinner ist dann nciht der Billigste oder die extra gegründete Sub-Firma vom Konzern X.

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Strafe für Leistungserbringer? So wird alles nur schlimmer!

von Jochen de Lenardis am 26.11.2019 um 11:41 Uhr

Vor Jahren hat sich derselbe Herr Lauterbach über die unnötig und verschwenderisch weggeworfenen Arzneimittel mockiert. Jetzt wird deutlich weniger Müll produziert mit den Nebenwirkungen von Versorgungsnotstand und Erklährungsnöten in der Apothekerschaft um die Compliance zu erhalten. Da unser Gesundheitssystem auf dem Prinzip der freiwilligen Leistung aufbaut, wird eine solche Sanktionierung der Industrie die Lieferengpässe drastisch verschlimmern, da dann viele kleinere Firmen ihr Produkte freiwillig aus der ABDA- Datenbank auslisten werden. Damit fallen diese als Ersatzpräperate bei Lieferengpässen der großen Player ganz weg. Schon jetzt gibt es bei Rabattverträgen Konzessionsstrafen. Wie im Augenblick zu sehen ist, wirkt ein solches Instrument gegenüber großen Firmen absolut ungenügend was die Lieferengpässe betrifft. Eine festgelegte Verpflichtung der Hersteller zur Versorgung der Bevölkerung bei Zulassung wäre ein weit wirksamerer Weg.

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zu kompliziert

von Holger am 26.11.2019 um 8:52 Uhr

Warum wieder noch eine Sonderlösung, für die es vermutlich noch eine Extrabehörde braucht? Die Erteilung einer Zulassung muss mit der (pauschal sanktionierten!) VERPFLICHTUNG einer jährlich zur Verfügung zu stellenden Menge verbunden sein.

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AW: zu kompliziert - das auch

von ratatosk am 26.11.2019 um 12:38 Uhr

Was wäre denn die pauschale Menge, wer rechnet die aus, womit ? den Experten vom Bfarm etwa.
Da die Kassen immer neue Rabattverträge ausspucken, ist auch keiner mehr verantwortlich, kann es auch nicht sein.
Es bleibt das Mantra, daß man eben mehr Herstellungskapazität braucht, nicht noch mehr bürokratischen Unsinn der das verbockt hat. Dazu eine effektive Kontrolle, ne is schon klar, daß das in D nie kommen wird, der Kassen, da diese verpflichtet wären nur mit lieferfähigen Herstellern Verträge zu schließen. Dieser Verpflichtung kommen sie völlig unsanktioniert nicht !! nach, haben dafür die Kumpels in der Politik, gerade auch die Experte Lauterbach und Ko, Spahn und Hennrich etc. etc.
Wenn nichts mehr hilft, loben sich die Konsorten schon selbst.

Vernunft

von Thomas Kerlag am 25.11.2019 um 20:39 Uhr

Ist einer mal auf die Idee gekommen vernünftige Qualität zu vernünftigen Preisen abzunehmen?
Dann brauchen wir keine pathologische Überregulierung.

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Wer betreibt in diesem Fall in Zukunft das Inkasso?

von Andreas Grünebaum am 25.11.2019 um 20:21 Uhr

Es liegt auf der Hand, das solche Forderungen an die Generikahersteller nicht durch die Krankenkassen eingetrieben werden würden. Vielmehr fände sich ein ideales und dazu noch kostenloses Inkassobüro: Deutschlands Apotheker/innen. Dann dürften wir in Zukunft den Generikaherstellern hinterherlaufen, um unser Geld einzutreiben.

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Lauters Thesen

von Dr.Diefenbach am 25.11.2019 um 17:48 Uhr

Klare Antwort:MIST.Die Situation wird NOCH schlimmer!!!Wer durch politische Fehlentscheidungen mit verschuldet hat was JETZT Sache ist,kann nicht noch andere für seine Dummheiten verantwortlich machen.Wie schon so oft gesagt:Die Groko lässt die GKV machen,diese sucht die für sich beste Lösung,was mit den immensen Einsparungen durch Rabattverträge(ganz KLAR der wichtigste Grund für die Engpassmisere)belegt wird.So weit die Zahlen.DANN gehen etliche Hersteller,die ja vielfach am Dumping teilnahmen/teilnehmen,auch um Arbeitsplätze HIER zu erhalten(nach erfolgter Produktion muss ja irgendwo der weitere Prozess ablaufen(dies als kleine Nachhilfe für Leute wie Lauterbach) global weg.Wieviele Mittelständler das auf Dauer bewerkstelligen,sei dahingestellt.Lauterbach würde gerne Pharma abhaken,weil es nicht in sein holzschnittartiges Denken passt.Es stellt sich a la longue die Frage,wieviel Schaden solche Leute anrichten,die mit ihrer völlig absurden Entscheidungsmodalität das System-es hat ja funktioniert-blockieren bzw. durch eine sozialistische Betrachtung Schaden anrichten,den man noch gar nicht genau messen kann..Ich bedaure sehr,dass bis heute kein praxisorientierter Apotheker in diese ganzen Prozesse eingebunden ist und klar macht,welchen Schaden die Engpässe auch im Denken der Bürger anrichten.Lauterbachs Visionen(immer alles mit Strafen belegen,eine wahre Freude ist das....) ist jedenfalls völlig ungeeignet,um eine sachliche Effizienz herzustellen.

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