BfR bewertet Aluminium-Risiko (Teil 2/2)

Warum gerade junge Frauen auf Aluminium achten sollten

Stuttgart - 22.11.2019, 17:00 Uhr

Auch Lippenstifte enthalten Aluminium. Da sie hauptsächlich verschluckt werden, ist die dermale Exposition nicht relevant. Die orale Bioverfügbarkeit von Aluminium soll aufgrund der Verwendung unlöslicher Farbpigmente vermutlich aber sehr gering sein. (s / Foto: Ivan Traimak / stock.adobe.com)

Auch Lippenstifte enthalten Aluminium. Da sie hauptsächlich verschluckt werden, ist die dermale Exposition nicht relevant. Die orale Bioverfügbarkeit von Aluminium soll aufgrund der Verwendung unlöslicher Farbpigmente vermutlich aber sehr gering sein. (s / Foto: Ivan Traimak / stock.adobe.com)


Besonders bei Deodorants stellt sich in der Apotheke immer wieder die Frage: Mit oder ohne Aluminium? Dabei sind diese nicht die einzigen Aluminium-Quellen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat nun erstmals die Gesamt-Aluminiumaufnahme abgeschätzt und gesundheitlich bewertet. Daraus geht hervor, welche Kunden in der Apotheke einem besonderen Risiko ausgesetzt sind. Außerdem lesen Sie hier im 2. Teil, welche Arzneimittel Aluminium enthalten.

Während sich DAZ.online im ersten Teil dieses Zweiteilers vor allem mit Aluminium in Deodorants und Lebensmitteln auseinandergesetzt hat, geht der zweite Teil auf bestimmte Risikogruppen für eine zu hohe Aluminiumaufnahme ein.

BfR bewertet Aluminium-Risiko (Teil 1/2)

Wer weniger Aluminium aufnehmen sollte und wie das geht 

Die aktuelle Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zu Aluminium („Reduzierung der Aluminiumaufnahme kann mögliche Gesundheitsrisiken minimieren“) umfasst 63 Seiten, die zugehörige Studie wurde in den „Archives of Toxicology“ veröffentlicht. Wer nach etwas prägnanterer und alltagstauglicherer Literatur sucht, der wird auch im aktualisierten FAQ-Bereich des BfR fündig.

Welchen Kunden man in der Apotheke aber ganz konkret zu einer Reduktion der Aluminiumexposition raten sollte, fasst die am vergangenen Montag veröffentlichte Pressemitteilung des BfR zusammen. Dabei ist zu bedenken – da Aluminium sehr lange im Körper gespeichert wird –, dass eine hohe Aluminiumexposition insbesondere für junge Menschen kritisch ist.

Das BfR hat folgende Risikogruppen für eine hohe Aluminiumexposition beziehungsweise damit verbundene Gesundheitsrisiken identifiziert:

  • Säuglinge und Kleinkinder, die mit speziell adaptierter sojabasierter, lactosefreier oder hypoallergener Nahrung gefüttert werden. Empfehlung: Säuglinge bis zum sechsten Monat ausschließlich stillen und anschließend mit normaler Kost zufüttern.
  • Kinder (zwischen 3 und 10 Jahren), die sich sehr häufig von Lebensmitteln ernähren, die in Gegenständen aus unbeschichtetem Aluminium verpackt, erhitzt oder warmgehalten wurden (Aluminiumfolie, -menüschalen).
  • Jugendliche (11-14-Jährige) und Erwachsene (älter als 14 Jahre), die häufig Antitranspirantien sowie aluminiumhaltige weißende Zahncreme nutzen und sehr häufig Lebensmittel verzehren, die in Gegenständen aus unbeschichtetem Aluminium verpackt, erhitzt oder warmgehalten wurden (Aluminiumfolie, -menüschalen).
  • Junge Frauen, wenn sie beispielsweise über Kosmetikprodukte (auch an Lidschatten, Wimperntusche, Grundierungen, Puder, Seifen, Shampoos, Körperlotionen, Reinigungsmasken denken) hohe Mengen an Aluminium aufnehmen, könnten bei einer Schwangerschaft die ungeborenen Kinder ebenfalls einer erhöhten Konzentration an Aluminium aussetzen. Aluminium ist plazentagängig.

Für die Apotheke sind gerade junge Frauen, die potenziell schwanger werden oder sein könnten, eine beratungsintensive Gruppe. Und so soll diese Gruppe auch laut BfR jede Aluminiumaufnahme aus einer vermeidbaren Expositionsquelle über einen längeren Zeitraum kritisch abwägen. Da es bei Kosmetikprodukten auch solche ohne Aluminium auf dem Markt gibt und dies durch die Inhaltsstoffliste klar ersichtlich ist, können Verbraucher laut BfR die Aufnahme von Aluminium aus Kosmetikprodukten vollkommen vermeiden.

Aluminium in Arzneimitteln

Anders als bei Kosmetika, ist es bei Arzneimitteln nicht so einfach, auf Aluminium zu verzichten. Auch das BfR schreibt, dass Aluminium ein wichtiges Adjuvanz für Impfstoffe ist.

Außerdem kommt Aluminium in besonders großen Mengen in Antazida zum Einsatz. Bei letzteren lassen sich aber auch aluminiumfreie Alternativen finden. Allerdings liegt, bezüglich der Antazida, die Resorptionsrate im Magen-Darm-Trakt laut BfR ohnehin bei einmaliger Verabreichung hoher Aluminiumdosen deutlich niedriger als bei kontinuierlicher Aufnahme geringer Dosen.

Beispielsweise in der Fachinformation von Talcid® lassen sich weitere diverse Informationen zu Aluminium finden, wie etwa: „Die gleichzeitige Einnahme von aluminiumhaltigen Antazida mit säurehaltigen Getränken (Obstsäfte, Wein o. a.) erhöht die intestinale Aluminiumresorption. Dies gilt auch für Brausetabletten, die Zitronensäure beziehungsweise Weinsäure enthalten.“

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Aluminium kann schließlich in vielen weiteren Arzneimitteln enthalten sein, beispielsweise in Form von Aluminiumstearat als Hilfsstoff in der Tablettenherstellung. Letztlich lässt sich eine Aluminiumaufnahme über Arzneimittel also nicht so leicht reduzieren, aber in bestimmten Fällen gibt es Alternativen. Die Apotheke kann hier, mit ihren verschiedenen Möglichkeiten in Datenbanken zu suchen, helfen.


Diana Moll, Apothekerin, DAZ.online
redaktion@daz.online


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