PTA-Berufsreform

Warum ist die Verlängerung der PTA-Ausbildung gescheitert?

Berlin - 12.11.2019, 17:55 Uhr

Karin Maag (CDU) und Sabine Dittmar (SPD) erklären gegenüber DAZ.online, warum sich die Regierungsfraktionen nicht auf die Verlängerung der PTA-Ausbildung einigen konnten. (m / Foto: imago images / Horst Galuschka | photothek)

Karin Maag (CDU) und Sabine Dittmar (SPD) erklären gegenüber DAZ.online, warum sich die Regierungsfraktionen nicht auf die Verlängerung der PTA-Ausbildung einigen konnten. (m / Foto: imago images / Horst Galuschka | photothek)


Gleich mehrere Verbände lagen den Gesundheitspolitikern der Großen Koalition in den vergangenen Monaten in den Ohren: Wenn die PTA-Ausbildung geändert wird und an die neuen Gegebenheiten im Apothekenalltag angepasst, dann sollte die theoretische Ausbildung auch verlängert werden. Doch seit dem heutigen Dienstag steht fest: Union und SPD konnten sich nicht auf eine Verlängerung einigen. DAZ.online hat mit den beiden gesundheitspolitischen Sprecherinnen der Regierungsfraktionen (Karin Maag, CDU / Sabine Dittmar, SPD) gesprochen, um die Gründe dafür zu verstehen.

Mit der PTA-Berufsreform will die Große Koalition erstmals seit Jahrzehnten die Ausbildung, aber auch die Berufsausübung der pharmazeutisch-technischen Assistentinnen/-en neu regeln. Zunächst wird im Berufsgesetz erstmals ein richtiges Berufsbild geschaffen: In zehn Punkten werden Tätigkeiten aufgeführt, die die PTA-Tätigkeit insbesondere umfasst. Weiterhin sieht das Gesetz umfangreiche Neuregelungen in der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung vor: Die Ausbildungsinhalte werden aktualisiert und neu strukturiert. Die größte Änderung in der PTA-Ausbildung betrifft wohl die Stundenverteilung sowie die Zusammensetzung und Bezeichnung der jeweiligen Fächer.

Und hier liegt der Knackpunkt: Insbesondere die Adexa und der BVpta haben in den vergangenen Monaten argumentiert, dass man auch die Ausbildung als solches verlängern müsse, wenn man neue Inhalte vermittelt und eine neue Ausbildungsstruktur schafft. Die ABDA hielt dagegen und will es bei der bisherigen Struktur belassen – zwei Jahre Berufsfachschule und ein halbes Jahr Praktikum. Auch das Bundesgesundheitsministerium vertrat bislang diese Ansicht. Die SPD-Bundestagsfraktion hatte sich zuletzt allerdings quergestellt und dem BMG eine Prüfbitte zur Verlängerung der Ausbildung auf dann 3 Jahre zukommen lassen.

Seit dem heutigen Dienstagvormittag steht aber fest: Die Sozialdemokraten konnten sich nicht durchsetzen mit dieser Forderung. Wie DAZ.online bereits berichtete, soll zuletzt über einen Kompromiss verhandelt worden sein, bei dem die Ausbildung zwar verlängert wird. Allerdings wären nur weitere acht Wochen Schulzeit hinzugekommen, die zusätzlichen vier Monate hätten die angehenden PTA in der Apotheke verbracht. Allerdings: Nach acht Jahren soll evaluiert werden, ob eine Verlängerung der theoretischen Ausbildung nicht doch sinnvoll wäre. DAZ.online hat zunächst bei Sabine Dittmar, der gesundheitspolitischen Sprecherin der SPD-Fraktion, nachgefragt, warum sich die SPD nicht durchsetzen konnte. Dittmar erklärte:


Unser Ziel war es, die theoretische Ausbildung der PTA auf 2 1/2 Jahre zu verlängern. Die Union wollte das aber nicht und hatte einen weitaus kürzeren Theorie-Block als Kompromiss angeboten. Das wiederum konnten wir nicht machen, weil die Schülerinnen und Schüler den größten Teil dieses zusätzlichen halben Jahres zu sehr niedrigen Löhnen in der Apotheke voll gearbeitet hätten. Ich finde es schade, dass wir den Theorie-Anteil der Ausbildung nicht verlängern konnten. Immerhin haben wir jetzt eine Evaluation nach acht Jahren, bei der wir noch einmal detailliert überprüfen können, ob eine Verlängerung Sinn machen würde.“

Sabine Dittmar; MdB (SPD)




Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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1 Kommentar

Warum nicht als allererstes ein Arbeitskreis im Europarat

von Bernd Jas am 12.11.2019 um 18:58 Uhr

"Zunächst wird im Berufsgesetz erstmals ein richtiges Berufsbild geschaffen"

Jawoll so RICHTIG mit deutscher Gründlichkeit alles zerregulieren und vorher noch detailliert möglichst viele Beamte damit beauftragen, die Plausibilität das Gesetzesvorhaben unter Einbeziehung möglichst umfänglicher Zertifizierungsbehörden genauestens auf den Prüfstand zu stellen.

So legt man richtig Projekte für das ewige Eis an und hält die Bürokraten und Beamten auch für die ferne Zukunft am Ka..., …... oh.

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