Vor Ort informieren, online kaufen

Beratungsklau: Elektrohändler führt Gebühr ein

München - 08.11.2019, 16:00 Uhr

Ein Elektrohändler aus Braunschweig hat wegen des zunehmenden Beratungsklaus eine Beratungsgebühr eingeführt. Gegenüber DAZ.online erläutert er seine Motive. (c / Foto: imago images / Panthermedia)

Ein Elektrohändler aus Braunschweig hat wegen des zunehmenden Beratungsklaus eine Beratungsgebühr eingeführt. Gegenüber DAZ.online erläutert er seine Motive. (c / Foto: imago images / Panthermedia)


Ein Braunschweiger Elektrohändler ist es leid, dass Kunden sich umfassend bei ihm beraten lassen und dann online bestellen. Kurzerhand führte er eine Beratungsgebühr ein. Auch im Apothekenmarkt wurde schon über dieses Modell diskutiert.

„Wir wollten damit ein Zeichen setzen“, erklärt Michael Elsas, stellvertretender Geschäftsführer des Elektrofachgeschäftes Ohlendorf in Braunschweig gegenüber DAZ.online. Die Kunden für den Beratungsklau zu sensibilisieren sei sein Hauptanliegen. Mit seinem Sortiment von Elektrogeräten und -maschinen, über Werkzeug, Schlösser und Beschläge, hin zu Grills und Grillzubehör gehört das Geschäft zu einem eher beratungsintensiven Einzelhändler.

Kunden können sich vor ihrem Kauf gründlich informieren und sich zeigen lassen, welcher Artikel für ihre Bedürfnisse passend ist. Zu diesem Zweck beschäftigt der Elektrohändler 18 Fachmitarbeiter, die den Kunden beratend zur Seite stehen. Doch viele Kunden würden immer dreister: Sie nutzten den Service der Beratung vor Ort gratis und kauften die Ware dann billiger im Internet. Besonders unverfroren sind dann solche, die das Handy noch im Laden zücken und kurzerhand den Preis im Internet vergleichen, so Elsas. Obwohl es keine Zahlen dazu gibt, wie viele Kunden inzwischen so handeln, ist der Beratungsklau ein regelrechter Trend im Einzelhandel geworden.

Der Elektrofachhändler geht seit diesem Jahr gegen die „Schnäppchenjäger“ an, die Zeit und Fachwissen in Anspruch nehmen, um dann billiger online zu kaufen. Kunden, die sich bei ihm umfassend beraten lassen und sich anschließend gegen einen Kauf entscheiden, bezahlen zehn Euro Beratungsgebühr. Damit steht der Händler nicht alleine: Ein Fotohändler in Schwäbisch Hall, ein Brautkleidergeschäft im Schwabenland, ein Reisebüro im Breisgau und ein Kinderkaufhaus in Münster sind nur einige, denen, laut einem Bericht der FAZ, der Kragen geplatzt ist und die Beratungsgebühren von ihren Kunden einfordern.



Mareike Spielhofen, Autorin, DAZ.online
daz-online@deutscher-apotheker-verlag.de


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