Bei metastasiertem Kolonkarzinom

Therapiestudie zu Methadon startet 2020

Stuttgart - 28.10.2019, 11:30 Uhr

Anders als bei vielen anderen Berichten über Wunderheilungen bei Krebs gibt es in Sachen Methadon-Therapie tatsächlich eine durch experimentelle Arbeiten untermauerte Hypothese. ( r / Foto: M.Rode-Foto/stock.adobe.com)

Anders als bei vielen anderen Berichten über Wunderheilungen bei Krebs gibt es in Sachen Methadon-Therapie tatsächlich eine durch experimentelle Arbeiten untermauerte Hypothese. ( r / Foto: M.Rode-Foto/stock.adobe.com)


Ist Methadon eine sinnvolle Zusatzoption für mit Zytostatika behandelte Krebspatienten oder nicht? Darüber wird seit Jahren heftig gestritten. Nun soll eine Therapiestudie Licht ins Dunkel bringen. Die Deutsche Krebshilfe hat sich entschlossen, dies mit 1,6 Millionen Euro zu fördern. Erprobt werden soll die Substanz bei Patienten mit metastasiertem Kolonkarzinom, die auf eine Chemotherapie nicht mehr ansprechen. Die Studie soll im ersten Quartal 2020 starten.

2017 hatten Medienberichte über Therapieerfolge bei eigentlich austherapierten Krebspatienten, wenn sie zusätzlich zur Chemotherapie mit Methadon behandelt werden, einen wahren Methadonhype ausgelöst. Diese „Wunderheilungen“ werden, anders als in anderen Fällen, tatsächlich durch experimentelle Arbeiten gestützt, insbesondere die der Ulmer Chemikerin Dr. Claudia Friesen. Seitdem streitet sich die Fachwelt über die Wirksamkeit oder Nicht-Wirksamkeit  von Methadon in der Krebstherapie – teils wird die jeweilige Position auch mit Zellstudien untermauert, die dann von der anderen Seite zerrissen werden. Fachgesellschaften äußern sich sehr zurückhaltend und warnen vor Therapieversuchen außerhalb von klinischen Studien.

Denn prospektive klinische Studien, die eindeutig belegen, dass die Therapieerfolge tatsächlich dem Synergismus von Methadon und Zytostatika zu verdanken sind, fehlen bislang. Eine Petition, die 2018 mehr als 53.000 Menschen in der Bundesrepublik unterstützt hatten, hatte gefordert, dass Forschungsgelder aus öffentlicher Hand gezielt für klinische Studien zum Einsatz von D,L-Methadon (Methadonhydrochlorid) bei der Behandlung von Krebspatienten unterschiedlichster Tumorerkrankungen zur Verfügung gestellt werden sollen. Im Juli 2019 hatte sich der Petitionsausschuss einstimmig auf ein Votum für die Methadon-Petition geeinigt. Die positive Wirkung von Methadon in der Krebsbehandlung müsse in klinischen Studien bestätigt werden. Man bitte nun das BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung), sich der Sache anzunehmen, dieses müsse spätestens nach einem Jahr dem Petitionsausschuss vorlegen, welche konkreten Schritte gegangen wurden. Noch gibt es keinen endgültigen Beschluss zur staatlichen Finanzierung.

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Doch nun kommt von anderer Stelle Unterstützung. Wie am heutigen Montag bekannt wurde, hat sich die Deutsche Krebshilfe entschlossen, eine umfangreiche Therapiestudie mit Methadon an der Universitätsklinik Ulm mit 1,6 Millionen Euro zu fördern. Eingeschlossen werden sollen Patienten mit metastasiertem Kolonkarzinom, die auf eine Chemotherapie nicht mehr ansprechen – in der Diskussion zuvor war es hauptsächlich um die Wirksamkeit beim Glioblastom gegangen. Allerdings hatte Prof. Dr. Thomas Seufferlein, der Ärztliche Direktor der Klinik für Innere Medizin I der Ulmer Uni und Leiter der aktuellen Studie, bereits 2017 angekündigt, Studien zum Effekt von Methadon bei chemorefraktären kolorektalen Karzinomen konzipieren und zur Förderung einreichen zu wollen.



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1 Kommentar

Im Sinne der Patienten ein guter Montag

von Heinz F. Meyer am 28.10.2019 um 13:12 Uhr

Eine gute Nachricht zum Wochenbeginn und ein Hoffnungsschimmer für viele. Warum die Hürden, trotz der bisher vorliegenden Daten und Erfahrungen zu Methadon so hoch gelegt wurden, mag man nicht recht verstehen. Die teilweise ins Absurde abgleitenden Berichte der letzten Monate/Jahre zu angeblichen durch Methadon ausgelösten Todesfällen und Organschädigungen, bis hin zu "Stürzen bei Off-Label-Use von Methadon" waren kaum noch zu ertragen und stellten die wissenschaftliche Medizin und das Gesundheitssystem in ein zunehmend schlechtes Licht.

Aus dem Grunde bin ich froh, dass endlich Vernunft in die Diskussion Einzug hält und erste klinische Studien zu Methadon beginnen. Auch Professor Wolfgang Wick als Direktor der Neurologischen Uniklinik Heidelberg sollte im Sinne der Patienten darüber erfreut sein, dass Bewegung in die Sache kommt und unter Umständen bei weiteren positiven Studien auch in der Neurologie von Methadon profitieren kann.

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