Rückblick auf den Apothekertag

Pharmaziestudenten: DAT-Debatte zum Rx-Versandverbot war bedauerlich

Berlin - 22.10.2019, 12:30 Uhr

Die Debatte rund um das Rx-Versandverbot nahm auf dem diesjährigen DAT einen großen Platz ein. Der Bundesverband der Pharmaziestudierenden stört sich an dieser Fokus-Setzung der Apotheker. (c / Foto: Schelbert)

Die Debatte rund um das Rx-Versandverbot nahm auf dem diesjährigen DAT einen großen Platz ein. Der Bundesverband der Pharmaziestudierenden stört sich an dieser Fokus-Setzung der Apotheker. (c / Foto: Schelbert)


Der Bundesverband der Pharmaziestudenten Deutschlands (BPhD) hat sich aus dem Versandhandelskonflikt bislang weitgehend herausgehalten. Nun hat der Verband aber eine Pressemitteilung veröffentlicht, in dem er den diesjährigen Deutschen Apothekertag Revue passieren lässt. Darin kritisieren die Studenten die Hauptversammlung dafür, das Rx-Versandverbot einzufordern. Dieses würde ohnehin nicht lange halten. Bei anderen Themen begrüßen die Studenten die Entscheidungen der Apotheker.

Ende 2018 veröffentlichte die AG Gesundheitspolitik des Bundesverbandes der Pharmaziestudierenden Deutschlands (BPhD) eine erste Stellungnahme zum Versandhandelskonflikt. Darin sahen die Studenten Rx-Boni zwar kritisch, nahmen aber Abstand vom Rx-Versandverbot – man müsse den Versandhandel akzeptieren, er könne ein wichtiges Zusatzangebot sein, so die Politik-Beauftragten des Verbandes damals. Eine im gesamten Studenten-Verband abgestimmte Positionierung zum Versandhandelskonflikt gibt es allerdings bis heute nicht.

Studenten: Fokus der Debatte falsch gesetzt

Und so überrascht die diesbezüglich eindeutige Pressemitteilung des BPhD, die der Verband aktuell verschickt. Darin blicken die Studenten auf den diesjährigen DAT zurück – der BPhD war dort namentlich durch die Präsidentin Laura Weiß, den Beauftragten für Lehre und Studium Niklas Baltz und den Beauftragten für Gesundheitspolitik Ilias Essaida vertreten. Insbesondere an der Diskussion der Apotheker rund um das Rx-Versandverbot stört sich der BPhD aber. Zur Erinnerung: Nach dem Bundesratsbeschluss zum Rx-Versandverbot feilten die Apotheker lange an einem Adhoc-Antrag, in dem nun der Wunsch nach dem Verbot mit dem Apotheken-Stärkungsgesetz verknüpft wird. Nach der Diskussion mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beschlossen die Delegierten dann aber auch, Spahn beim weiteren Vorgehen mit seiner Reform zu unterstützen.

Die Studenten finden, dass die Apotheker in ihrer Diskussion den Fokus falsch setzten. Man hätte besser über die positiven Teile von Spahns Reform sprechen müssen, etwa die pharmazeutischen Dienstleistungen – schließlich habe das Verbot sowieso keine großen Überlebenschancen. Hier das Statement im Wortlaut:


Als bedauerlich empfanden wir es, dass sich die Diskussion auf dem Deutschen Apothekertag hauptsächlich um die Einführung eines Rx-Versandverbotes drehte. Die positiven und zukunftsweisenden Aspekte des VOASG, wie beispielsweise die pharmazeutischen Dienstleistungen, kamen in der Debatte mit Gesundheitsminister Jens Spahn leider zu kurz. Allgemein hätten wir uns eine effektivere und tiefergehende Diskussion gewünscht, bei der der Fokus auf einen praxisorientierten Lösungsansatz gelegt wird. Ein RxVV hätte wahrscheinlich, wenn es eingeführt würde, nicht lange Bestand. Daher sehen wir es als notwendig an, sich auf diesen Fall vorzubereiten und eine Lösung auszuarbeiten, mit der die Gleichpreisigkeit trotzdem bestmöglich gesichert werden kann und die Vor-Ort-Apotheken sicher für die Zukunft gewappnet sind. Wir sind gespannt, wie die ABDA die Beschlusslage des DAT, also die Aussprache sowohl für ein RxVV, als auch für das Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz (VOASG), umsetzen wird. Wir werden die öffentliche Debatte genau verfolgen und uns an dieser beteiligen. Die Zukunft kann nur gemeinsam mit den angehenden Apothekerinnen und Apothekern geformt werden.“

Pressemitteilung des BPhD




Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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4 Kommentare

Am Thema vorbei

von Marc Raddatz am 23.10.2019 um 20:43 Uhr

Liebe Studenten der Pharmazie,
es sollte nicht in eurem Fokus liegen darüber zu sinnieren, ob das RXVV mit den bestehenden Gesetzen vereinbar ist oder nicht. Dies ist Aufgabe der Studenten der Rechtswissenschaft. Beschäftigen sollte euch die Frage, ob das von euch erlernte Fachwissen bei der Kundenberatung obsolet geworden ist oder nicht. Wenn ihr zu dem Schluss kommt, das auf eure Kompetenz verzichtet werden kann, solltet ihr eure Studienwahl ggf. überdenken (zumindest falls ihr beabsichtigt in einer öffentlichen Apotheke zu arbeiten, um Patienten pharmazeutisch zu beraten). Apothekerinnen und Apotheker hatten einmal eine Reputation in Deutschland, waren neben den diagnostizierenden Ärzten die Gesundheitsberater mit Fokus auf die anschließende Medikation (Ja, das studiert ihr und könnt das auch besser als die Ärzte). Wenn die Studenten meinen dies könne auch eine Versandapotheke leisten, finde ich dies als Kunde wirklich bedenklich. Ich würde mir wünschen, dass die Pharmazeuten reflektieren, dass sie einen wichtigen Platz im Gesundheitssystem einnehmen und sich nicht immer weiter SELBER zu bloßen Warenhändlern mit "überholtem" Vertriebsmononopol herunterstilisieren. VIelleicht ist es noch nicht zu spät dieses Bewusstsein zu reaktivieren und gemeinsam, solidarisch die Chancen der Digitalisierung zu Gunsten der Patienten zu nutzen. Wer der Meinung ist Digitalisierung im Apothekensegment und Versandapotheke sein identisch dem fehlt wahrlich Vorstellungskraft. Digitalisierung, ja! Aber bitte zur Verbesserung des Systems, nicht dazu die erforderliche fachliche Beratung "wegzurationalisieren".

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Jurastudenten beim BPhD?

von Cornelius Zink am 23.10.2019 um 8:07 Uhr

"Ein RxVV hätte wahrscheinlich, wenn es eingeführt würde, nicht lange Bestand."

Mich würde wirklich interessieren, auf welcher juristischen Sachkenntnis diese Annahme fußt.
Gibt es jetzt Jurastudenten beim BPhD?
Würde man der Logik folgen, dann bräuchte niemand mehr sein Recht juristisch einfordern, denn man kann immer gerichtlich scheitern oder Gesetze geändert werden.
Sollte man deshalb gleich aufgeben?

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Alle Studenten?

von Pharmi am 22.10.2019 um 21:13 Uhr

Dass dieses Thema aber explizit von einem STUDENTEN wieder enorm in den Focus geholt wurde, hat der BPhD aber schon mitbekommen oder? Auch verschiedene Stellungnahmen, u.a. von einem Verfassungsrichter oder einem EUGH-Generalanwalt und verschiedenen Rechtsexperten hat man in diesem Verband zu Kenntnis genommen? Auch wie z.b. ein mögliches Boni-Verbot bewertet wird?

Wie würde die Mehrheit der EU-Staaten denn da stehen, wenn sie ein solches Verbot ablehnen würden, grade im Hinblick auf ein eigenes Verbot?

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Pharmaziestudenten

von Roland Mückschel am 22.10.2019 um 15:17 Uhr

Eines, liebe Studenten, würde mich doch sehr
interessieren. Wo wollt ihr eigentlich später mal
arbeiten?

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