Arzneimittel-Lieferengpässe

KKH will Mehrkosten durch Lieferengpässe nicht pauschal übernehmen

Stuttgart - 18.10.2019, 10:15 Uhr

Lieferengpässe: Auch die KKH beschäftigt sich damit. Meist könne die Apotheke jedoch etwas wirkstoffgleiches nur in einer anderen Verpackung abgeben. (b/Foto: andriano_cz /stock.adobe.com)

Lieferengpässe: Auch die KKH beschäftigt sich damit. Meist könne die Apotheke jedoch etwas wirkstoffgleiches nur in einer anderen Verpackung abgeben. (b/Foto: andriano_cz /stock.adobe.com)


Das Thema der Lieferengpässe treibt auch die Krankenkassen um. Die KKH beruhigt in einer Mitteilung, Privatpatienten würden bei knappen Arzneimitteln nicht bevorzugt und „niemand muss Angst haben, dass er seine Arzneimittel ab morgen nicht mehr erhält“. Meist gebe es ja wirkstoffgleiche Produkte. Ganz so einfach ist es aber nicht immer. Teilweise gibt es den Wirkstoff nicht oder nur im Original mit hohen Mehrkosten – wie bei Venlafaxin und Trevilor. Diese will die KKH aber nicht „pauschal“ bei alternativlosen Lieferengpässen übernehmen, wie DAZ.online erfahren hat.

Lieferengpässe sind derzeit mehr eine tägliche Regel als die absolute Ausnahme. Die Spannbreite der fehlenden Arzneimittel ist enorm – von Schmerzmitteln über Impfstoffe und Zytostatika bis hin zu Antidepressiva oder Antibiotika. Mal fehlt Metamizol, dann ist Ibuprofen knapp. Aktuell lässt Venlafaxin auf sich warten, und auch der Herpes-Zoster-Impfstoff Shingrix kommt nur häppchenweise in die Apotheke.

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Das Thema der Lieferengpässe treibt auch die Krankenkassen um. In einer Mitteilung bringt die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) Verständnis für die Patienten auf, wenn Arzneimittel fehlen: „Das verunsichert selbstverständlich Patienten“, so Sven Seißelberg, Apotheker bei der KKH. Die KKH beruhigt jedoch im nächsten Satz: „Aber niemand muss Angst haben, dass er seine Arzneimittel ab morgen nicht mehr erhält“.

Gesetzlich Versicherte nicht benachteiligt 

Die KKH betont, Lieferengpässe träfen gesetzlich und privat Versicherte gleichermaßen: „Es gibt kein Sonderkontingent für Privatpatienten. Wenn ein Medikament nicht lieferbar ist, gilt dies für alle Versichertengruppen.“

Mehraufwand für Apotheker

Oftmals gebe es bei Lieferengpässen gleichwertige Alternativen, die die Therapie weiter sicherstellten, denn in der Regel verschreibe der Arzt einen Wirkstoff, für den es mehrere Produkte in der Apotheke gebe. Und weiter: „Der Apotheker kann beim Einlösen des Rezeptes je nach Rabattvertrag mit der Krankenkasse entscheiden, welches Präparat verfügbar ist und gegebenenfalls ein anderes Produkt an den Versicherten abgeben“.

„Für den Apotheker bedeutet dies mehr Aufwand in der Beratung des Patienten, weil er das gleiche Medikament eines anderen Herstellers finden muss. Für den Patienten ändert sich nur die Verpackung, die Wirkung bleibt die gleiche“, so Sven Seißelberg. 



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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5 Kommentare

Venlafaxin nicht Lieferbar

von Kadda am 21.10.2019 um 20:51 Uhr

Es ist ein Skandal der seines Gleichen sucht. Venlafaxin ist in den geringeren Dosierungen nicht zu bekommen. Auch das Original Präparat Trevilor nicht mehr, für welches ich ca 155 Euro privat hätte zahlen müssen. Das bedeutet für den psychisch labilen Patienten, den wir reden hier von einem Antidepressivum, das er entweder in der Dosierung deutlich hoch gehen muss, oder es absetzen und auf ein anderes Medikament umsteigen muss.
Man muss wissen das gerade Venlafaxin starke Absetzerscheinungen auslöst, welche dem originalem Krankheitsbild sehr ähnlich sind. Auch ist man mit wirklich starken unangenehmen körperlichen Nebenwirkungen konfrontiert, welche nach wie vor Ärzten und Packungsbeilage missachtet werden.
Da die geringeren Dosierungen wie 75 mg oder 37,5 mg im Moment nicht zu bekommen sind heißt es man kann das Medikament welches unbedingt langsam auszuschleichen ist, nicht langsam absetzen. Es handelt sich um ein Standart Medikament mit hoher Verbreitung. D.h. die Patientenzahlen sind sehr hoch. Wir reden hier also von vielen verzweifelten Menschen, die zu ihrerm Krankheitsbild noch zusätzlich Sorgen und psychischen Nöten des zu schnellen Absetzens ausgesetzt sind. Wir reden hier von ernsthaftem Leid in welchem sich die Patienten alleine gelassen fühlen. Selbst wenn man auf ein anderes Medikament umsteigen kann, kann dies nichtden unangenehmen Entzug ersparen, der erneute Kriesen auslösen und Alltag unmöglich machen kann.
In den Medien wird quasi überhaupt nicht darüber berichtet, während jede Apotheke von verzweifelten Patienten berichten kann.

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Ersatzkassen und Mehrkosten ?

von ratatosk am 21.10.2019 um 12:18 Uhr

Heutzutage schließen sich diese beiden Worte in einem Satz bei den Ersatzkassen normalerweise nun wirklich aus. Wer als Retaxer richtige Drückerkolonnen beschäftigt hat eher Boni fürs Nichtausgeben im Sinn, der Patient stört hier.

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Venlafaxin

von Dr Schweikert-Wehner am 18.10.2019 um 11:52 Uhr

Haben auch einen Patienten mit Zuzahlungsbefreiumg, der nun 17€ Mehrkosten tragen muss. Wer Rabattverträge macht muss auch für die Folgen einstehen

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Janus

von Jan Kusterer am 18.10.2019 um 11:40 Uhr

Wer die Vorteile der Rabattverträge komplett für sich vereinnahmt muss auch die Kehrseite der Medaille komplett tragen und seine Leistungserbringer für den Mehraufwand entschädigen.

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AW: Janus

von Lila am 20.10.2019 um 8:37 Uhr

Das wäre wünschenswert. Da die Krankenkassen schon nicht den Mehraufwand, den die Apotheken bereits seit Einführung der Rabattverträge haben, vergütet haben, bin ich da eher pessimistisch. Mal schauen, ob sie zumindest ihren Patienten die Mehrkosten erstatten.

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