PillPack

US-Ketten legen Amazons Versandapotheke Steine in den Weg

München - 15.10.2019, 17:30 Uhr

Patientenindividuelle Verblisterungen bietet die Amazon-Versand-Tochter PillPack an. Dabei ist sie jedoch auf die Hilfe der Vor-Ort-Ketten angewiesen. Diese jedoch legen Amazon nun Steine in den Weg. (c / Foto: PillPack)

Patientenindividuelle Verblisterungen bietet die Amazon-Versand-Tochter PillPack an. Dabei ist sie jedoch auf die Hilfe der Vor-Ort-Ketten angewiesen. Diese jedoch legen Amazon nun Steine in den Weg. (c / Foto: PillPack)


In das US-Apothekengeschäft einzusteigen, war ein Klacks für Amazon. Mit rund 770 Millionen Dollar kaufte der Versandhandelsriese vor gut einem Jahr die auf patientenindividuelle Verblisterungen spezialisierte Versandapotheke PillPack. Doch nun scheint es für Amazon zu einer Sisyphusarbeit zu werden, die Patienten von ihrer lokalen Apotheke abzuholen und bei PillPack einzugliedern. Denn die Apothekenketten verweigern verständlicherweise die benötigte Mitarbeit an ihrem Kundenverlust und machen es dem potenziellen Wettbewerber damit schwerer, Neukunden zu werben.

Keine Medikamente mehr sortieren, nicht mehr Schlange stehen oder Folgeverordnungen nachjagen: Damit wirbt PillPack auf seiner Homepage. Und damit trifft das Unternehmen möglicherweise einen Nerv von US-Bürgern, insbesondere derer, die regelmäßig verschiedene Medikamente einnehmen. Denn in den USA ist es üblich, dass maximal eine Monatsration der vom Arzt verschriebenen Medikamente ausgegeben wird, da die Krankenversicherungen nur in Intervallen bezahlen. Die US-Bürger können diese an den „Pharmacy“-Schaltern in Apothekenketten, wie Walgreens, CVS und Rite Aid, oder in den meisten Supermärkten oder den vereinzelten kleinen Apotheken erhalten. Dies ist jedoch in der Regel mit einer langen Wartezeit verbunden: Die Mitarbeiter nehmen zunächst Kontakt mit dem Arzt oder der Versicherung auf, um zu erfahren, welcher Kostenanteil übernommen wird, da es unterschiedliche Versicherungssysteme gibt. Ist dies geklärt, werden die Medikamente den Großpackungen entnommen, gezählt und neu dosiert abgepackt. Alle vier Wochen müssen die Patienten dann Folge-Medikamente („Refills“) in der Apotheke abholen.

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Diesem komplizierten und zeitaufwändigen System wollte TJ Parker, PillPack-Mitbegründer und Apotheker, ein einfaches entgegensetzen: Der Patient registriert sich bei PillPack online und erhält automatisch monatsweise eine Rolle mit sauber versiegelten einzelnen Blistern, auf denen unter anderem sogar die Einnahmezeiten aufgestempelt sind.

Doch genau dieses System steht PillPack bei der Neukundengewinnung jetzt im Wege. Um den Prozess für den Kunden unkompliziert und reibungslos zu gestalten, bittet das Unternehmen – nachdem es online beauftragt wurde – die Apotheken des Patienten, die „Refill“-Rezepte zu übertragen. Denn: PillPack braucht die Verordnungen nicht nur für die Abgabe der Arzneimittel, sondern auch, um die Informationen auf die Blister zu drucken. Laut einem Bloomberg-Bericht klagt PillPack jedoch über heftigen Widerstand von Ketten wie CVS bis hin zu Familienbetrieben. In dem Beitrag heißt es, dass seit der Übernahme durch Amazon gefaxte Anträge auf Rezeptübertragungen langsam bearbeitet oder sogar völlig ignoriert würden.

„Die Leute nehmen es und werfen es in den Müll oder ignorieren es und tun nichts damit", sagte TJ Parker wörtlich in einem Interview mit Bloomberg. Als das Unternehmen noch nicht Amazon angehörte, hatte es laut ehemaliger PillPack-Apothekentechniker selten ein Problem mit der Übertragung von Rezepten gegeben. Doch seitdem bestünden die Apotheken zunehmend auf einer direkten Bestätigung durch die Patienten. Die Apothekenketten leugneten, dass sie den Transferprozess verlangsamten. CVS und andere Drogerien führten Verzögerungen darauf zurück, dass sie versuchten, sicherzustellen, dass ihre Kunden mit der Übertragung einverstanden sind.



Mareike Spielhofen, Autorin, DAZ.online
daz-online@deutscher-apotheker-verlag.de


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