Gemeinsamer Bundesausschuss

Neue Festbetragsgruppe für TNF-alpha-Inhibitoren geplant

Berlin - 08.10.2019, 16:30 Uhr

Der G-BA will eine neue Festbetragsgruppe der Stufe 2 für Adalimumab, Etanercept & Co. schaffen. (c / Foto: G-BA)

Der G-BA will eine neue Festbetragsgruppe der Stufe 2 für Adalimumab, Etanercept & Co. schaffen. (c / Foto: G-BA)


Der Unterausschuss Arzneimittel des Gemeinsamen Bundesausschusses hat ein Stellungnahmeverfahren zur Änderung der Arzneimittel-Richtlinie eingeleitet: Es soll eine neue Festbetragsgruppe für TNF-alpha-Inhibitoren geben – inklusive Etanercept und Adalimumab. Die Biosimilar-Hersteller sehen hierdurch den Wettbewerb geschwächt.

Unter den 30 führenden (nach Nettokosten) Arzneimitteln bilden die TNF-alpha-Inhibitoren die zweitgrößte Arzneimittelgruppe nach den Onkologika. Sie sind in Vor-AMNOG-Zeiten auf den Markt gekommen und haben damit keine frühe Nutzenbewertung durchlaufen. Doch mittlerweile sorgen Biosimilars (Etanercept und Adalimumab) für einen Preiswettbewerb in dem Segment.

Die Kassen sehen allerdings noch weiteres Einsparpotenzial – und der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ebnet ihnen nun den Weg zu einer neuen Festbetragsgruppe. Eine neue Festbetragsgruppe der Stufe 2 (pharmakologisch-therapeutisch vergleichbare Wirkstoffe) soll geschaffen werden und die vier TNF-alpha-Inhibitoren Adalimumab, Certolizumab pegol, Etanercept und Golimumab zusammenfassen. Die für Etanercept bestehende Festbetragsgruppe soll dafür aufgehoben werden.

Am gestrigen Montag eröffnete der G-BA offiziell das Stellungnahmeverfahren, das sein Unterausschuss Arzneimittel bereits am 10. September beschlossen hatte: Es erfolgte die entsprechende Bekanntmachung im Bundesanzeiger. Die verschiedenen Industrieverbände sind nun bis zum 4. November aufgefordert, sich sachverständig zu den G-BA-Plänen zu äußern. Ist die neue Gruppe dann gebildet, setzt im Anschluss der GKV-Spitzenverband den konkreten Festbetrag fest, also den Preis, den die Kassen maximal für ein Präparat aus der Gruppe zahlen.

Pro Biosimilars: Wettbewerb ist gerade erst in Gang gekommen

Die beim Verband Pro Generika angesiedelte AG Pro Biosimilars hat bereits in der vergangenen Woche Kritik an dem Vorhaben geübt: Der Schritt komme zum falschen Zeitpunkt, denn er schade einer Branche, die im Bereich der teuren Biopharmazeutika gerade erst für Wettbewerb und sinkende Ausgaben gesorgt habe. Pro-Generika-Geschäftsführer Bork Bretthauer ist überzeugt, dass dieses Andrehen der Preisschraube die Biosimilar-Industrie nachhaltig schwächen wird. Er verweist darauf, dass Adalimumab-Biosimilars bereits 40 Prozent günstiger seien als das Original. Dazu kämen Einsparungen durch Rabattverträge. „Auf diese Weise haben sie sich in nicht einmal einem Jahr einen Versorgungsanteil von fast 50 Prozent erarbeitet. Wer noch mehr Ersparnisse will, sollte mehr daran arbeiten, dass die regionalen Zielvereinbarungen für Biosimilars eingehalten und ausgebaut werden.“

Das Problem aus Sicht der Biosimilar-Hersteller: Wenn sich nun möglicherweise auch die Originatoren gezwungen sehen, ihren Preis zu senken, verlören die Biosimilars ihren wichtigsten Wettbewerbsvorteil. Bretthauer: „Das ausschlaggebende Argument für Biosimilars liegt darin, dass sie günstiger sind als die Originatoren. Kommt es zu einer Angleichung des Preisniveaus durch die Festbeträge, beeinträchtigt das nicht nur die Marktentwicklung der Biosimilars – es schwächt auch den Wettbewerb.“


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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2 Kommentare

toll

von Karl Friedrich Müller am 08.10.2019 um 16:51 Uhr

nur so weiter, bis es in Deutschland keine Medikamente mehr gibt.
Die KK vernichten mit ihrer Preispolitik die Versorgung der Kranken.
Dafür wurden sie nicht geschaffen, sondern um das Geld zu verteilen, nicht unter sich oder ausländische Konzerne wie DocMorris, sondern an die Leistungsanbieter

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