Schwerpunkt Pharmazeutische Dienstleistungen

Damit Dienstleistungen nicht zur Kostenfalle werden – eine ökonomische Analyse

Süsel - 19.09.2019, 17:45 Uhr

DAZ-Autor Dr. Thomas Müller-Bohn hat sich Gedanken darüber gemacht, welche Dienstleistungen wie honoriert werden müssten, damit am Ende tatsächlich etwas in der Kasse bleibt. (Foto: sp4764 /stock.adobe.com)

DAZ-Autor Dr. Thomas Müller-Bohn hat sich Gedanken darüber gemacht, welche Dienstleistungen wie honoriert werden müssten, damit am Ende tatsächlich etwas in der Kasse bleibt. (Foto: sp4764 /stock.adobe.com)


Die neuen pharmazeutischen Dienstleistungen sind ein zentraler Inhalt im Kabinettsentwurf zum VOASG. Bisher ist aber ungeklärt, welche Leistungen genau erbracht und wie die Apotheken für die einzelnen Leistungen honoriert werden sollen. Doch davon wird abhängen, ob die neuen Leistungen für die Apotheken überhaupt wirtschaftlich tragfähig werden. Dies zeigt eine ökonomische Analyse in der DAZ 38. Hier die wichtigsten Ergebnisse daraus.

Im Kabinettsentwurf für VOASG ist ein neuer Zuschlag von 20 Cent pro Rx-Fertigarzneimittelpackung für einen Fonds zur Finanzierung pharmazeutischer Dienstleistungen vorgesehen. Ausgehend von den Erfahrungen mit dem Notdienstfonds wird dies jährlich 144 Millionen Euro einbringen. Das sind etwa 7.500 Euro pro Durchschnittsapotheke. Dies ist kein zusätzlicher Gewinn, weil neue Leistungen neue Kosten verursachen. Als betriebswirtschaftliche Vergleichsgröße bietet sich der Rohertrag an. Dieser beträgt durchschnittlich etwa 570.000 Euro pro Apotheke und würde um etwa 1,3 Prozent steigen. Dies kompensiert keine Einbußen an anderer Stelle. Dies passt auch nicht zu der kürzlich diskutierten These, mit dem VOASG werde den Apothekern der Verzicht auf das Rx-Versandverbot „abgekauft“. Denn eine Gegenleistung ist nicht erkennbar.

Vermutlich werden weniger als 144 Millionen Euro jährlich verteilt, weil ein Teil der Mittel zur Entwicklung technischer Hilfen für künftige Dienstleistungen verwendet werden könnte. Dies wurde bereits mehrfach gefordert.

Wirtschaftlich vorteilhaft: Honorierung etablierter Leistungen

Bei dem Geld, das tatsächlich zur Ausschüttung kommt, ist zu unterscheiden, ob damit bereits etablierte, ohnehin erbrachte oder ganz neue Leistungen honoriert werden. Gemäß der Begründung zum Kabinettsentwurf für das VOASG müssen die honorierten Leistungen „über die bestehenden Informations- und Beratungsverpflichtungen hinausgehen“. Doch zugleich wird im Kabinettsentwurf der besondere Betreuungsbedarf bei bestimmten Erkrankungen und bei körperlichen oder kognitiven Einschränkungen erwähnt. Ausführliche Beratungen in solchen Situationen finden seit jeher in Apotheken statt. Daher sollten zumindest einige solcher Leistungen künftig honoriert werden. Dies käme allen Apotheken zugute und würde praktisch wie eine Honorarerhöhung wirken. Wenn ein Drittel des verfügbaren Betrags für solche Leistungen aufgewendet würde, ergäbe dies durchschnittlich 2.500 Euro pro Apotheke und Jahr. Dies wären etwa 0,6 Prozent der Kosten einer Durchschnittsapotheke, also nicht einmal der Inflationsausgleich für ein Jahr.

Für die Apotheker ergibt sich daraus ein Dilemma: Je mehr Geld in bereits etablierte Leistungen fließt, umso mehr profitieren die Apotheken wirtschaftlich. Doch damit bleibt umso weniger Geld für die neuen Leistungen, die so große berufspolitische Erwartungen auslösen.



Dr. Thomas Müller-Bohn (tmb), Apotheker und Dipl.-Kaufmann
redaktion@daz.online


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4 Kommentare

Klimaschutz? oder doch lieber Felle retten.

von Bernd JAs am 20.09.2019 um 9:47 Uhr

Vielen Dank für die treffliche Analyse Herr Dr. Müller-Bohn!
Gefühlt war es so wie so schon vorher klar was unter´m Strich dabei heraus kommen wird, wenn die Arbeits Beschaffung Dummgehaltener Apotheker sich auf das perfide Grinsen der Politik und Geldsammel-Klüngel-Vereinigung einlässt.
Das Gesamgefühl ist: Mit dem eigenen, schon maximal eng geschnallten Gürtel durch die selbst eingebrockte Suppe über den Tisch gezogen zu werden.

Ach und Herr Müller, der sogenannte Kassenrabatt aus dem letzten Jahrtausend der Apothekengeschichte gehört längst als allererstes abgeschafft. Er ist ein Sargnagel wenn die Apotheken mal Geschichte sind.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

mein Eindruck

von Karl Friedrich Müller am 20.09.2019 um 9:10 Uhr

die Analyse beweist, dass es so nicht funktioniert.
7500€ pro Jahr "mehr"? Was genau soll ich davon finanzieren? Das kann ich dem bestehenden Personal als Gehaltserhöhung geben, vielleicht.
Dann habe ich den Eindruck, dass hier schon wieder nur über Kostendeckung geredet wird. Das funktioniert schon gar nicht. GEWINN, Leute, GEWINN.
Wann haben jemals die KK überhaupt die Kosten bezahlt? Das klingt in dem Artikel auch an. 1 € pro Minute oder 1,69€?
Die KK werden sagen: 50 ct reichen auch.
Warum sollten KK für Verblisterung bezahlen, die so viele Kollegen umsonst machen?
Das ist eine gigantische Kostenfalle.
Wo soll das Personal, insbesondere Apotheker, dafür herkommen? und wie finanziert? 7500 €? da können sich allenfalls 20 Apotheken 1 Apotheker teilen.
Die Träume der ABDA sind ein Riesenquatsch.
Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen, diese Wünsche der ABDA. nach 15 Jahren brauchen wir endlich eine echte Erhöhung und nicht mehr "Beschäftigung" , die nur Defizite bringt.
Und dieses Rumgemache, wie man eine Erhöhung denn ein wenig versteckt, kann ich nicht nachvollziehen (Honorar für bereits erbrachte Leistungen).
Zuallererst muss mal der Kassenrabatt weg. Zumindest drastisch gesenkt. Für unsere viele Arbeit für die Rabattverträge.
Das macht alles nur wütend und frustriert.

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: mein Eindruck

von Karl Friedrich Müller am 20.09.2019 um 9:26 Uhr

außerdem finde ich es nicht sehr glücklich, in der Öffentlichkeit mit Zahlen zum Rohgewinn zu operieren.
570.000€ pro Apotheke im Schnitt.
Da kommen gleich die Neider und Hassen von Politik und Kk aus ihren Löchern, weil die mit betriebswirtschaftlichen Zahlen nichts anfangen können oder sie nur für falsche Polemik verwenden. Da kann man noch eine Menge sparen! Was Apotheker verdienen! Geldgeil!
Was bleibt denn übrig nach Abzug der Kosten?
Immer weniger !!!! Weil es keine Erhöhungen gibt fürs Honorar. NUR die Kosten werden mehr und immer schneller!!

AW: mein Eindruck

von Dirk Krüger am 20.09.2019 um 10:03 Uhr

" Warum sollten KK für Verblisterung bezahlen, die so viele Kollegen umsonst machen?"
Ja, lieber Kollege Müller, das ist einer von mehreren Gründen, warum Forderungen nach Erhöhung des Fixaufschlages unglaubwürdig sind. Verblisterung schreibt rote Zahlen, wenn sie nicht in sehr großem Umfang rationalisiert betrieben wird. Auch Dumpingpreise bei Non-Rx. suggerieren Gesetzgeber und GKV, dass die Apotheken "Goldgruben" sind. Die Gegner sitzen schon seit Jahrzehnten auch in unseren eigenen Reihen - incl. der ABDA-Spitze, die das Wolkenkuckucksheim "zusätzliche pharmazeutische Dienstleistungen" als Allheilmittel zum Erhalt des akademischen Heilberufs Apotheker gehypt hat und dabei die Vergütung unserer täglichen Arbeit völlig aus dem Blick verloren hat. Verzicht auf Forderung nach Erhöhung des Fixaufschlages auf Rx, Verzicht der Forderung nach RxVV als einzig rechtssichres Instrument zum Erhalt der Gleichpreisigkeit - Super-GAU auf der ganzen Linie.

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