Wegen Opioid-Klagen

Oxycontin-Hersteller Purdue beantragt Insolvenz

New York/Stuttgart - 16.09.2019, 11:59 Uhr

Während einer Demo vergangene Woche vor dem Purdue Hauptquartier ließen Teilnehmer hunderte Oxycontin-Dosen fallen. Sie sind unzufrieden mit dem geschlossenen Vergleich. ( r / Foto: imago images / ZUMA Press)

Während einer Demo vergangene Woche vor dem Purdue Hauptquartier ließen Teilnehmer hunderte Oxycontin-Dosen fallen. Sie sind unzufrieden mit dem geschlossenen Vergleich. ( r / Foto: imago images / ZUMA Press)


Ende August wurde bekannt, dass sich der US-Pharmakonzern Purdue mit den Behörden auf ein Milliarden-Paket geeinigt hat. Im Gegenzug sollen rund 2000 Klagen im Zusammenhang mit der Opioid-Krise fallen gelassen werden. Ein leichtfertiger Umgang mit Purdues Schmerzmittel Oxycontin soll einer der Treiber der Krise gewesen sein. Nun hat die Firma Insolvenz beantragt.

Der US-Pharmakonzern Purdue Pharma, gegen den mehr als 2000 Klagen wegen seines Schmerzmittels Oxycontin® (Oxycodon) anhängig sind, hat Insolvenz beantragt. Mit dem Insolvenzverfahren nach Kapitel 11 will Purdue die Klagen beilegen, wie das Unternehmen am Sonntagabend (Ortszeit) in New York mitteilte. Die Firma soll in eine Stiftung der öffentlichen Hand überführt werden.

Geklagt wird, weil Bundesstaaten, Städte und Landkreise vom Unternehmen Milliarden von Dollar zurückfordern, die sie für den Kampf gegen Opiat-Abhängigkeit und Überdosierung ausgegeben haben. Purdue soll mit seinem aggressiven und verharmlosenden Marketing maßgeblich mitverantwortlich für den missbräuchlichen Einsatz des Opioids sein. Unter anderem wurde an Tausende Ärzte ein Werbevideo verschickt, das das Sucht­risiko von Oxycontin® unter 1 Prozent bezifferte. Zudem wurden Rabatt-Coupons in Umlauf gebracht., die bei Vorlage einer Oxycontin®-Verordnung einlösbar waren.

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Ursprünglich wollten die Behörden bis zu 12 Milliarden US-Dollar (rund 11 Milliarden Euro) an Schadenersatz erheben, die Purdue-Verantwortlichen konnten sich aber mit diesen auf einen Vergleichsbetrag von mehr als 10 Milliarden US-Dollar einigen. Das wäre damit die bisher höchste Vergleichssumme im Zusammenhang mit der in den USA grassierenden Welle der Opioid-Abhängigkeit.

Erst Ende August hatte ein Gericht den Pharmakonzern Johnson & Johnson wegen unrechtmäßiger Vermarktung von suchtgefährdenden Schmerzmitteln zu einer Zahlung von 572 Millionen Dollar verurteilt. Johnson & Johnson kündigte umgehend an, Berufung gegen die Entscheidung einzulegen. Der Generalstaatsanwalt von Oklahoma, Mike Hunter, hatte dem Konzern vorgeworfen, mit suchtgefährdenden Schmerzmitteln ein Wegbereiter der Opioid-Welle und Drogenkrise gewesen zu sein. Johnson & Johnson hingegen ist zuversichtlich, mit seiner Berufung Erfolg zu haben. Die eigenen Produkte machten weniger als ein Prozent der gesamten Opioidverschreibungen in Oklahoma und den Vereinigten Staaten aus. Die Pharmasparte Janssen habe die Opioid-Krise nicht verursacht, erklärten Unternehmensvertreter. Weder die Fakten noch das Gesetz stützen diese Schlussfolgerung,


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