Sommerfest im saarland

Saar: Einladung zur Abzocke von Privatpatienten im Notdienst

Saarbrücken - 29.08.2019, 15:00 Uhr

Manfred Saar, Präsident der Apothekerkammer des Saarlandes, Susanne Koch, Vorsitzende des Saarländischen Apothekerverein und Thomas Rosch, Saarländischer Rundfunk, bei der Übergabe des Schecks im Rahmen des Sommerfestes der saarländischen Apotheker. (c / Foto: AK Saarland)  

Manfred Saar, Präsident der Apothekerkammer des Saarlandes, Susanne Koch, Vorsitzende des Saarländischen Apothekerverein und Thomas Rosch, Saarländischer Rundfunk, bei der Übergabe des Schecks im Rahmen des Sommerfestes desaarländischeApotheker. (c / Foto: AK Saarland)  


Saarlands Kammerpräsident Manfred Saar nutzte seine Begrüßung beim Sommerfest der Apotheker am gestrigen Mittwoch, um zwei Hauptanliegen der Apothekerschaft anzusprechen: die Gleichpreisigkeit und die Honorierung. 

Am gestrigen Mittwoch hatte die Apothekerkammer des Saarlandes zu ihrem alle zwei Jahre stattfindenden Sommerfest nach Saarbrücken geladen. Weil auch „hochkarätige“ Entscheidungsträger anwesend waren, wollte Kammerpräsident Manfred Saar seine Begrüßungsworte nutzen, wie er erklärte, um zwei Hauptanliegen der Apothekerschaft zu thematisieren. Es folgte ein flammendes Plädoyer für die Gleichpreisigkeit. Dass deren Verankerung im SGB V vor dem EuGH Bestand haben wird, glaubt der Kammerpräsident persönlich nicht. Saar wies darauf hin, dass die Gleichpreisigkeit in erster Linie dem Patientenwohl dient und nicht der Apotheke, weil sie unter anderem Patienten vor Übervorteilung schütze. Vor allem sorge sie aber dafür, dass gesetzlich Versicherte gegenüber privat Versicherten nicht benachteiligt werden, so Saar.

Der Wegfall der Preisbindung für Privatversicherte – Saars Ansicht nach auch im Inland – sei die Einladung zur Abzocke von Privatversicherten im Notdienst. Eine klassische Marktsituation von Angebot und Nachfrage. Schließlich habe der EuGH argumentiert, dass Preiswettbewerb unter den Apotheken Anreize zur Niederlassung schaffe in Gegenden, wo man aufgrund der geringen Apothekenzahl höhere Preise verlangen könnte.

Weiter sagte Saar: „Wir werden dann natürlich auch Arzneimittel, bei denen es Engpässe gibt, für Privatversicherte auf die Seite legen. Denkt man den EuGH-Gedanken zu Ende, bekommt nur derjenige seine Arzneimittel, der bereit ist am meisten dafür zu bezahlen. Und das sind nun mal Privatversicherte – in diesem Fall zulasten der gesetzlich Versicherten.“  

Saar befürchtet, dass die vom EuGH und der EU-Kommission vorangetriebene Ökonomisierung des Gesundheitswesens zu US-amerikanischen Verhältnissen führt, die keiner will. Gesundheit und Wirtschaftsliberalismus passten nicht zusammen. „Deswegen kämpfen wir weiter für die Gleichpreisigkeit“, so Saar.



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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4 Kommentare

th.milling@web.de

von pille62 am 29.08.2019 um 17:35 Uhr

.............genau die Gehälter der Angestelleten können eben nicht steigen, weil die Margen nicht so toll sind, die dann auch noch durch Inflation weiter gedrückt wird, ständig neue Kosten, wie Securpharm, E- Rezept die seitens der Kassen nur Teilweise getragen werden und Folgekosten meist gänzlich in der Apotheke verbleiben.
Unsere Apothekenleiter sind angehalten wirtschaftlich zu arbeiten, folglich bleibt für uns Angestellte weniger übrig, folglich fehlt der Nachwuchs.
Denn da wo ich als Approbierter im Gehalt Ende fangen Berufsanfänger in anderen Branchen an!!!!!

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th.milling@web.de

von pille62 am 29.08.2019 um 17:25 Uhr

.............genau die Gehälter der Angestelleten können eben nicht steigen, weil die Margen nicht so toll sind, die dann auch noch durch Inflation weiter gedrückt wird, ständig neue Kosten, wie Securpharm, E- Rezept die seitens der Kassen nur Teilweise getragen werden und Folgekosten meist gänzlich in der Apotheke verbleiben.
Unsere Apothekenleiter sind angehalten wirtschaftlich zu arbeiten, folglich bleibt für uns Angestellte weniger übrig, folglich fehlt der Nachwuchs.
Denn da wo ich als Approbierter im Gehalt Ende fangen Berufsanfänger in anderen Branchen an!!!!!

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Was soll das wieder

von Karl Friedrich Müller am 29.08.2019 um 17:03 Uhr

Für ein Quatsch sein? Was für ein Unsinn wird an die Wand gemalt?
Warum soll ich bei Privaten mehr verlangen? Im Notdienst?
Wenn schon, dann generell.
Mehr Verdient wird dabei kaum. Aber einen Imageschaden hab ich schon. Und generell mehr wird sich nicht durchsetzen lassen.
Bevor ein „Repräsentant“ so einen Stuss von sich gibt, erst mal nachdenken.
Das eignet sich nicht als Drohkulisse.

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Es gibt keine Abzocke in Deutschland

von Dr. Christian Gerninghaus am 29.08.2019 um 16:55 Uhr

Sehr geehrter Herr Saar,
ich muss Ihnen widersprechen. Es wird keine Abzocke von Privatpatienten geben, denn für inländische Apotheken gilt die Arzneimittelpreisverordnung weiterhin für alle Rx-Arzneimittel, egal ob zu Lasten der GKV oder der PKV. Die Folge des sogenannten Apothekenstärkungsgesetzes wird sein: die Versandapotheken aus dem Ausland werden massiv Privatversicherte und Selbstzahler umwerben. Spätestens, wenn dieses Werben einen spürbaren Umsatz erreicht haben wird, werden die gesetzlichen Krankenkassen zu Recht die soziale Ungerechtigkeit thematisieren, dass besser verdienende Privatpatienten Rx-Arzneimittel billiger erhalten als der gesetzlich Versicherte im solidarisch finanzierten GKV-Markt. Wir brauchen das RxVV, alles andere ist Quatsch.

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