Kabinettsbeschluss

Was steckt in Spahns PTA-Reform?

28.08.2019, 17:54 Uhr

Der PTA-Beruf soll moderner werden. Dafür will Jens Spahn mit seinem PTA-Reformgesetz sorgen. ( r / Foto: Schelbert)

Der PTA-Beruf soll moderner werden. Dafür will Jens Spahn mit seinem PTA-Reformgesetz sorgen. ( r / Foto: Schelbert)


Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will die PTA-Ausbildung modernisieren und das Berufsbild weiterentwickeln. Nun liegen seine Reformideen in Form eines Gesetzentwurfs der Bundesregierung vor. Im Vergleich zum Referentenentwurf gab es vor allem eine auffällige formale Veränderung: Statt nur die alten Gesetze zu ändern, soll es nun ein ganz neues Regelwerk geben: Das PTA-Berufsgesetz soll das bisherige Gesetz über den Beruf des pharmazeutisch-technischen Assistenten ablösen. Wir haben für Sie die wichtigsten Punkte zusammengestellt.

Der Beruf der pharmazeutisch-technischen Assistenten wurde 1968 erstmals gesetzlich geregelt. Im Vordergrund stand damals die Unterstützung des Apothekers, vorwiegend für die Arbeit im Labor und bei der Rezeptur. Im Laufe der Jahre wandelten sich jedoch die Aufgaben in den Apotheken. „Heute erwarten Patientinnen und Patienten in ihrer Apotheke eine gute Beratung und kompetente Information zu Arzneimitteln“, erklärt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Er will daher die jahrzehntelang kaum geänderten gesetzlichen Vorgaben modernisieren.

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Ein ganz neues Berufsgesetz

Auffällig am Regierungsentwurf für das „Gesetz zur Weiterentwicklung des Berufsbildes und der Ausbildung der pharmazeutisch-technischen Assistentinnen und pharmazeutisch-technischen Assistenten“ (PTA-Reformgesetz) ist vor allem, dass er gegenüber dem Referentenentwurf aus dem vergangenen April von 29 auf 88 Seiten angewachsen ist. Das liegt in erster Linie daran, dass Spahn sich entschieden hat, das bisherige Gesetz über den Beruf des pharmazeutisch-technischen Assistenten (PharmTAG) gänzlich durch ein neues, sehr viel umfangreicheres Gesetz zu ersetzen – das PTA-Berufsgesetz (PTAG). Statt nur nachzujustieren, will er also grundlegend ansetzen, neue Inhalte und Strukturen einbringen – kurz: ein modernes Berufsgesetz schaffen, das zeitgemäße Begrifflichkeiten und eine gender-korrekte Sprache verwendet.

Während das PharmTAG derzeit nur über zwölf Paragrafen verfügt, die vor allem das Erlaubnisverfahren regeln und eine Rechtsgrundlage für die Prüfungsverordnung bereithalten, soll das neue Gesetz 61 Paragrafen umfassen. Hier geht es nicht nur um die Regelungen rund um die Erlaubnis, es wird auch erstmals ein konkretes Berufsbild beschrieben und dieses mit der Ausbildung verknüpft. 

Auszug aus dem neuen PTAG in der Fassung des am 28. August 2019 beschlossenen Regierungsentwurfs.

§ 6 Berufsbild

Die Ausübung des Berufs der pharmazeutisch-technischen Assistentin und des pharmazeutisch-technischen Assistenten umfasst insbesondere

1.   folgende Tätigkeiten in Apotheken:

a)   die Herstellung von Arzneimitteln,

b)   die Prüfung von Ausgangsstoffen und Arzneimitteln,

c)   die Abgabe von Arzneimitteln auf Verschreibung einschließlich der erforderlichen Information und Beratung,

d)   die Abgabe von Arzneimitteln im Rahmen der Selbstmedikation einschließlich der erforderlichen Information und Beratung,

e)   die Abgabe apothekenüblicher Waren einschließlich der erforderlichen Information und Beratung und die Erbringung apothekenüblicher Dienstleistungen,

f)    die Mitwirkung an Maßnahmen, die die Arzneimitteltherapiesicherheit verbessern,

g)   die Nutzung digitaler Hilfsmittel und die Abwicklung digitaler Prozesse bei der Erbringung pharmazeutischer Leistungen,

h)   die Mitwirkung an der Erfassung von Arzneimittelrisiken und Medikationsfehlern sowie an der Durchführung von Maßnahmen zur Risikoabwehr,

i)    die Beratung zu allgemeinen Gesundheitsfragen und

j)    die Mitwirkung an der Pflege und Weiterentwicklung des Qualitätsmanagementsystems,

2.   Tätigkeiten in der pharmazeutischen Industrie, in Prüflaboratorien, im pharmazeutischen Großhandel, bei Behörden, bei Krankenkassen und bei Verbänden.



Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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2 Kommentare

Nur mehr Pargraphen, sonst wohl nichts

von Jochen Paulus am 01.09.2019 um 7:28 Uhr

Ist die geplante Reform der PTA-Ausbildung wirklich die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angekündigte Modernisierung und Weiterentwicklung des Berufsbilds PTA? Die Ausbildungsdauer soll bei ständig steigenden beruflichen Herausforderungen bei zwei Jahren bleiben. Das ist unverständlich, denn der Verantwortungsbereich der PTAs wächst, da die Pflicht zur Beaufsichtigung durch den Apotheker in einigen Bereichen entfällt. Der Anstieg von 12 auf 61 Paragraphen bedeutet so zunächst einmal nur mehr Bürokratie, sonst nichts.

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Enttäuschung

von P.Fecht am 29.08.2019 um 10:46 Uhr

Wow...das ist kein Stärkungsgesetz, sondern ein Schwächungsgesetz. Gibt der ADA einige Argumente die Löhne auch in Zukunft auf dem miserablem Niveau zu belassen. PTAs werden noch stärker in die Verkäuferschiene degradiert und der Verzicht auf Verlängerung der Ausbildungszeit ist weder sinnvoll was genügend Zeit für die Vermittlung der Ausbildungsinhalte angeht noch trägt es zur Stärkung des Berufsstandes bei. Die Regeln für neue Kompetenzen sind ein Flickenteppich und die Entscheidung an abstrakte Werte wie Schulnoten oder ein Fortbildungszertifikat zu knüpfen klingt undurchdacht. Letztendlich entscheidet doch der Apotheker wem er welche Aufgabe zutraut oder nicht. Fraglich ob sich so in Zukunft noch genug junge Menschen finden lassen, die diesen Beruf erlernen wollen. Echt tolle Arbeit ABDA. Was für ein ekelhafter Verein.

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