Diabetes: FDA lässt Baqsimi Nasenpulver zu

Erstes nasales Glucagon bei schwerer Hypoglykämie

Stuttgart - 19.08.2019, 11:30 Uhr

Lilly bringt mit Baqsimi das erste nasal anzuwendende Glucagon auf den Markt, das bei hypoglykämischen Notfällen eingesetzt wird. Bislang ist Glucagon nur in injizierbarer Form verfügbar. Baqsimi Nasenpulver soll die Notfallbehandlung einfacher machen. (Foto: Screenshot | Baqsimi | Lilly)

Lilly bringt mit Baqsimi das erste nasal anzuwendende Glucagon auf den Markt, das bei hypoglykämischen Notfällen eingesetzt wird. Bislang ist Glucagon nur in injizierbarer Form verfügbar. Baqsimi Nasenpulver soll die Notfallbehandlung einfacher machen. (Foto: Screenshot | Baqsimi | Lilly)


Die FDA hat Baqsimi Nasenpulver zugelassen – das erste Glucagon zur Notfallbehandlung schwerer Hypoglykämien bei Diabetikern, das nicht injiziert werden muss. Hersteller Lilly verpackt Glucagon in Baqsimi in einem nasalen Einmalspender. In Europa ist die Zulassung laut Lilly bei der EMA ebenfalls beantragt.

Für Diabetiker steht für den Fall schwerer Hypoglykämien eine neue Behandlungsoption zur Verfügung – zumindest in den Vereinigten Staaten. Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat Ende Juli BaqsimiTM zugelassen – ein Glucagon-Pulver, das nasal angewendet wird. Es soll zur Notfallbehandlung bei schweren Hypoglykämien zum Einsatz kommen und darf bei Diabetikern bereits im Kindesalter angewendet werden, das Mindestalter liegt bei vier Jahren. BaqsimiTM ist das erste Notfall-Glucagon, das nicht injiziert werden muss.
 

In Deutschland ist derzeit nur Glucagen® beziehungsweise Glucagen® Hypokit zugelassen, das nach Rekonstitution mit Wasser für Injektionszwecke subcutan, oder intramuskulär verabreicht wird.

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Glucagon kommt nur bei schweren Hypoglykämien zum Einsatz, die in der Regel unter Insulintherapie auftreten. Unter einer „schweren Hypoglykämie“ versteht die FDA derart niedrige Blutzuckerspiegel, dass der Patient dadurch verwirrt oder bewusstlos wird und auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Glucagon mobilisiert –  endogen oder nach externer Applikation – Glucosereserven der Leber, in deren Folge die Blutglucosespiegel steigen, und fungiert so als Gegenspieler zum Insulin.

Nasales Glucagon: einfacher als injizierbares

Auch seither konnten schwere Hypoglykämien bereits mit Glucagon behandelt werden. Allerdings musste Glucagon dafür injiziert werden. Die nasale Verabreichung soll dies nun vereinfachen. Die FDA erklärt hierzu: „Bisher mussten Patienten mit schweren Hypoglykämien mit einer Glucagon-Injektion behandelt werden, die zunächst in einem mehrstufigen Prozess gemischt werden musste. Die neue Art der Verabreichung von Glucagon kann diesen Prozess nun vereinfachen. In kritischen Situation, in denen der Patient bewusstlos ist oder krampft, wollen wir die Behandlung des Patienten so einfach wie möglich machen“, heißt es in einer Mitteilung der Arzneimittelbehörde anlässlich der Zulassung von BaqsimiTM.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Sehr gute Lösung

von Christine am 20.08.2019 um 14:51 Uhr

Ich finde das sehr gut, dass das nun auch nasal verabreicht werden kann. Wenn man eine schwere Unterzuckerung hat, fällt es Betroffenen teilweise sehr schwer, sich zu konzentrieren und das Glucagon zu mischen. Teilweise können da schon ein paar Sekunden oder Minuten einen gewaltigen Unterschied machen, ein nasales Glucagon ist für die Betroffenen sicherlich um einiges leichter und man fühlt sich dadurch vielleicht auch sicherer.

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