Streit zwischen Apothekern und Ärzten

Gezerre um Aut-idem in Österreich

Remagen - 16.08.2019, 11:30 Uhr

In Österreich gibt es seit Jahren Ärger zwischen Apothekern und Ärzten wegen ärztlicher Hausapotheken. Nun kommt neuer Ärger hinzu, es geht um die Aut-idem-Regelung. (Foto: imago images / Manngold)

In Österreich gibt es seit Jahren Ärger zwischen Apothekern und Ärzten wegen ärztlicher Hausapotheken. Nun kommt neuer Ärger hinzu, es geht um die Aut-idem-Regelung. (Foto: imago images / Manngold)


In Österreich haben die Probleme mit den Lieferengpässen die Diskussion um die Aut-idem-Regelung wiederaufleben lassen. Die Apotheker wollen die Wirkstoffverschreibung, die Ärzte mauern massiv und werfen den Apothekern Eigeninteressen vor.

Auch die österreichischen öffentlichen Apotheken stöhnen unter der Last der Lieferengpässe. Die Präsidentin der Apothekerkammer Ulrike Mursch-Edlmayr und der niederösterreichische Patientenanwalt Gerald Bachinger nutzen diese Gelegenheit, um ihre Forderung nach einer Aut-idem-Erlaubnis für die Apotheker Nachdruck zu verleihen.

Seit dem Auftauchen zahlreicher Generika-Hersteller hätten die Apotheken ohnehin nicht mehr alle verschiedenen Präparate eines Medikaments vorrätig, so dass derzeit bereits mit einer „kalten“ Aut-idem-Regelung zu rechnen sei, so ihre Argumentation.

„Kein Zustand“

Auch der Verband der angestellten Apotheker Österreichs hatte zu dem Thema Mitte Juli mächtig „Wind gemacht“. Es sei kein Zustand, dass die Apotheker immer mehr Zeit dafür aufwenden müssten, den Präparaten „nachzurennen“ und alle Hebel in Bewegung zu setzen, um die teils lebensnotwendigen Arzneimittel doch noch zu besorgen. „Die Situation ist untragbar“, wetterte der Vizepräsident der österreichischen Apothekerkammer Raimund Podroschko. Mit einer Erlaubnis der Generikasubstitution für die Apotheker, zumindest bei Lieferengpässen, sowie durch die Wirkstoffverschreibung seitens des Arztes ließe sich die Situation seiner Meinung nach wesentlich entschärfen.

Ärzte kontern

Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer Thomas Szekeres bezeichnet den Vorstoß der Apothekerkammer und des niederösterreichischen Patientenanwalts indes als „scheinheilig“ und unterstellt den Apothekern, dass es ihnen nur um finanzielle Vorteile gehe. „Lagerhaltungen sind mit Kosten verbunden, und Apotheker ersparen sich viel Geld, wenn sie nicht mehr alle Arzneimittel lagernd haben, sondern eben nur mehr einzelne Generika“, meint der Ärztekammerpräsident. Ginge es den Apothekern tatsächlich nur um die Interessen der Patienten, so würde seiner Meinung nach ein kurzer Anruf beim verschreibenden Arzt ausreichen, um im Falle nicht verfügbarer Präparate rasch eine medizinisch vertretbare Lösung zu finden.



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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