KBV-Versichertenbefragung

Fachärzte: 30 Prozent der Patienten warten länger als drei Wochen

Berlin - 16.08.2019, 16:00 Uhr

Laut einer aktuellen Versichertenbefragung der KBV warten 30 Prozent der Patienten länger als drei Wochen auf einen Facharzt-Termin. (Foto: imago images / Blickwinkel)

Laut einer aktuellen Versichertenbefragung der KBV warten 30 Prozent der Patienten länger als drei Wochen auf einen Facharzt-Termin. (Foto: imago images / Blickwinkel)


Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat am heutigen Freitag die Ergebnisse einer Versichertenbefragung vorgestellt. Abgefragt wurden unter anderem das Vertrauen in die Mediziner und die Wartezeiten. Dabei zeigte sich: Länger als drei Wochen Geduld haben musste fast ein Drittel (30 Prozent) der Befragten beim Facharzt. Beim Hausarzt geht es dagegen meist schnell: Sofort einen Termin bekamen nach eigenen Angaben 37 Prozent der Befragten, nur bei 4 Prozent dauerte es mehr als drei Wochen.

Unterschiedliche Wartezeiten gibt es demnach auch je nach Anliegen der Patienten, nach Ortsgröße und bei der Frage der Versicherung. Wichtig sei, nach Dringlichkeit von Terminen zu unterscheiden, sagte KBV-Chef Andreas Gassen. „Auf eine routinemäßige Vorsorgeuntersuchung muss ich als Patient im Zweifel tatsächlich länger warten, als wenn ich eine Grippe habe.“ Ging es um ein „aktuelles Problem“, hatte denn auch jeder zweite (53 Prozent) gar keine Wartezeit, oder es war eine Praxis ohne Termine. Zum Beispiel auf Impf-Termine mussten aber fast zwei Drittel (63 Prozent) mehr als drei Tage warten, wie die Umfrage ergab. Die Forschungsgruppe Wahlen befragte dafür den Angaben zufolge vom 11. März bis 29. April telefonisch 6011 Menschen ab 18 Jahren.

Mehr zum Thema

Großhandels-Rabatte, Impfstoffe, ärztliche Versorgung

TSVG (größtenteils) in Kraft getreten

Auch unter Fachärzten gibt es Unterschiede, wie die Umfrage weiter zeigt: Langes Warten auf Termine ist bei Hals-Nasen-Ohren-Ärzten und Chirurgen viel seltener als bei Frauenärzten oder Kardiologen. Einige Auffälligkeiten zeigten sich auch nach Wohnort. Bei kleineren Orten mit weniger als 5000 Einwohnern ging es beim Hausarzt am schnellsten. 42 Prozent bekamen sofort einen Termin, in Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern waren es 35 Prozent. Bei Fachärzten, die auf dem Land seltener sind, mussten in kleineren Orten 35 Prozent länger als drei Wochen warten, in Großstädten waren es 25 Prozent.

Unterschiede nach Art der Krankenversicherung werden weiterhin vor allem bei langen Wartezeiten beim Facharzt deutlich. Mehr als drei Wochen Geduld bis zum Termin mussten 33 Prozent der gesetzlich Versicherten haben - und nur 18 Prozent der Privatpatienten. Über mehrere Jahre und bezogen auf alle Praxen hatten indes auch mehr Privatpatienten lange Wartezeiten von mehr als drei Wochen: Nun 12 Prozent nach 5 Prozent in 2008, wie die KBV erläuterte. Der Grund sei simpel, sagte Kassenärzte-Chef Gassen: „Arztzeit wird immer knapper.“ Dass es nahezu freien Zugang zu ärztlichen Leistungen bei steigendem medizinischen Bedarf gebe, führe zwangsläufig zu höherer Nachfrage.

TSVG seit Mai 2019 in Kraft

Damit Kassenpatienten schneller an Termine kommen, hat die große Koalition das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) beschlossen, das größtenteils im Mai dieses Jahres in Kraft getreten ist. Praxisärzte müssen nun mindestens 25 statt 20 Stunden in der Woche für GKV-Versicherte anbieten. Bei Augenärzten, Frauenärzten und HNO-Ärzten muss es mindestens fünf Stunden als offene Sprechstunde ohne feste Termine geben. Die Telefon-Vermittlung über Terminservicestellen, die in den Ländern unterschiedlich arbeiten, soll ausgebaut werden. Ab Anfang 2020 sollen sie nicht nur zu Fachärzten vermitteln, sondern auch zu Haus- und Kinderärzten. Zudem sollen sie bundesweit unter der Telefonnummer 116117 täglich rund um die Uhr erreichbar sein.


bro / dpa
brohrer@daz.online


Diesen Artikel teilen:


0 Kommentare

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.