Apotheken-Stärkungsgesetz im „Focus“

Seyfarth: 10 Prozent weniger durch Apothekenreform

Berlin - 12.08.2019, 07:00 Uhr

HAV-Chef Holger Seyfarth warnt eindringlich vor den finanziellen Folgen des Apotheken-Stärkungsgesetzes für die Apotheken. (Foto: HAV)

HAV-Chef Holger Seyfarth warnt eindringlich vor den finanziellen Folgen des Apotheken-Stärkungsgesetzes für die Apotheken. (Foto: HAV)


Der „Focus“ berichtet in seiner aktuellen Ausgabe über die von der Bundesregierung beschlossene Apothekenreform. Das Magazin erklärt in einem längeren Beitrag den Versandhandelskonflikt und beschreibt, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die nach dem EuGH-Urteil bestehende Ungleichbehandlung lösen will. Dabei kommt auch Holger Seyfarth, Chef des Hessischen Apothekerverbandes (HAV) zu Wort. Er schätzt, dass sich sein Umsatz durch das Apotheken-Stärkungsgesetz um 10 Prozent verringern könnte.

Mit dem Apotheken-Stärkungsgesetz will die Große Koalition einen Konflikt lösen, der seit dem EuGH-Urteil zur Rx-Preisbindung existiert: Das derzeit im Arzneimittelgesetz verankerte Rx-Boni-Verbot für EU-Versender soll für alle Marktteilnehmer künftig im SGB V etabliert werden – allerdings nur für den GKV-Bereich. Die Apotheker kritisieren dieses Vorgehen: In ihrer Stellungnahme zu dem Gesetz fordert die ABDA, das Rx-Boni-Verbot nicht aus dem AMG zu streichen, damit die Gleichpreisigkeit auch für PKV-Versicherte bestehen bleibt.

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HAV-Chef Seyfarth erneuert diese Kritik nun im aktuellen „Focus“. Das Gesetz werde die Vor-Ort-Apotheken eher schwächen als stärken, sagt Seyfarth in dem Bericht. Das Bundesgesundheitsministerium bevorteile damit die größten Konkurrenten der deutschen Apotheken: die Arzneimittel-Versandhändler aus Europa. Denn Arzneimittel wie etwa die Antibabypille könnten dann im Internet zum „Abschusspreis“ verkauft werden. Seyfarth rechnet vor, welche Beträge den Apothekern verloren gehen könnten. Auf Privatrezept werden pro Jahr 120 Millionen Arzneimittelpackungen verschrieben. Damit steht für die Vor-Ort-Apotheken ein Umsatz von circa sechs Milliarden Euro auf dem Spiel. Für seine eigene Apotheke rechnet Seyfarth mit Umsatzeinbußen von mindestens 10 Prozent.

Michels: EU-Versender könnten Preise bei Lieferengpässen erhöhen

Auch Dr. Klaus Michels, Chef des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe, meldet sich in dem Beitrag zu Wort. Wie schon zuvor im DAZ.online-Interview warnt Michels vor der Streichung der Gleichpreisigkeit aus dem AMG. Michels weist daraufhin, dass die Preise für PKV-Versicherte bei EU-Versendern auch steigen könnten. Bei Lieferengpässen könnten die Versandapotheken einfach die Preise erhöhen – gemäß dem Prinzip von Angebot und Nachfrage, so Michels.


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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1 Kommentar

schon Verwirrung bei der Überschrift

von Das Lesende am 14.08.2019 um 15:16 Uhr

Sehr geehrter Herr Brohrer, Chefredakteur, danke für den interessanten Artikel. Die Überschrift trägt den Titel "Seyfarth: 10 Prozent weniger durch Apothekenreform".

Mir stellt sich als aufmerksamer Leser direkt die Frage 10 Prozent weniger WAS? Kunden? Umsatz? Gewinn? Streß? Zeit?

Man wird genötigt weiterzulesen, denn im nächsten Abschnitt fällt tatsächlich das Wort UMSATZ in diesem Kontext.

Eine Überschrift darf eindeutig sein.
So ist es allerdings nicht tragisch, nur unnötig ungenau den nachfolgenden Text einzuleiten. In dem Fall wäre mehr einfach mehr gewesen.

Danke für Ihr Verständnis.

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