DAV-Berechnungen

Nur noch jedes fünfte Rabattarzneimittel zuzahlungsfrei

Berlin - 30.07.2019, 16:45 Uhr

Rabattarzneimittel: Verfügbar? Und vielleicht sogar zuzahlungsbefreit? (m / Foto: gpointstudio / stock.adobe.com)

Rabattarzneimittel: Verfügbar? Und vielleicht sogar zuzahlungsbefreit? (m / Foto: gpointstudio / stock.adobe.com)


Die Zahl der Rabattarzneimittel, für die GKV-Versicherte ganz oder teilweise von der Zuzahlung befreit sind, sinkt beständig. Zum 1. August werden nach Berechnungen des Deutschen Apothekerverbands nur noch 20 Prozent dieser Medikamente ohne Zuzahlung zu haben sein.  

Jede gesetzliche Krankenkasse kann entscheiden, ob sie ganz oder teilweise auf die gesetzliche Zuzahlung zwischen fünf und zehn Euro verzichtet, wenn sie über das betreffende Arzneimittel einen Rabattvertrag mit einem pharmazeutischen Hersteller abgeschlossen hat. Aktuell ist allerdings nur jedes fünfte Rabattarzneimittel ganz oder teilweise von der Zuzahlung befreit. Das meldet die ABDA am heutigen Dienstag in einer Pressemitteilung. Sie verweist auf aktuelle Berechnungen des Deutschen Apothekerverbandes (DAV). Demnach sind ab 1. August 2019 insgesamt 4.915 von 23.484 Rabattarzneimitteln (20,9 Prozent) von der gesetzlichen Zuzahlung komplett oder hälftig befreit. Am 1. August 2018 war noch jedes vierte Rabattarzneimittel zuzahlungsfrei, nämlich 5.652 von 22.999 Medikamenten (24,6 Prozent). Blickt man noch weiter zurück, sehen die Zahlen noch beeindruckender aus: 2011 war noch jedes zweite Rabattarzneimittel ganz oder teilweise von der Zuzahlung befreit. Anfang 2010 waren es sogar noch 60 Prozent. Mit einer reduzierten oder keiner Zuzahlung wollten die Krankenkassen ihren Versicherten die Rabattverträge seinerzeit schmackhaft machen. Offenbar meinen die meisten Kassen mittlerweile, dass das nicht mehr nötig ist.

Groeneveld: Rabattverträge besser mehrfach vergeben

Beim DAV sieht man das allerdings anders: „Die Krankenkassen schreiben immer wieder neue Rabattverträge aus, um alte zu ersetzen und damit noch mehr Geld zu sparen“, kommentiert der DAV-Patientenbeauftragte Berend Groeneveld. „Die Kassen sammeln also einerseits immer mehr Rabatte von den Herstellern ein, während andererseits die Zuzahlungen der Versicherten steigen. Die Krankenkassen sollten besser einen größeren Teil der Zuzahlungen erlassen, um die Akzeptanz der Patienten für ständig wechselnde Präparate zu erhöhen und somit auch die Therapietreue zu verbessern.“ Groeneveld betont zudem, dass die Rabattverträge in den Apotheken immer wieder einen hohen Erklärungsaufwand verursachen. „Unnötige Diskussionen über Zuzahlungen wären wirklich leicht vermeidbar.“ Zudem findet der Patientenbeauftragte, dass die Krankenkassen ihre Rabattverträge mit mindestens zwei, besser noch drei Herstellern abschließen sollten, um auch Lieferengpässe zu verhindern.

Tatsächlich steigen die Einsparungen der gesetzlichen Krankenkassen durch Rabattverträge nach wie vor. 2018 beliefen sie sich auf rund 4,4 Milliarden Euro, 2017 waren es noch 4,0 Milliarden Euro gewesen. Auch die gesetzlichen Zuzahlungen der Patienten für Arzneimittel sind gestiegen: von 2,15 Milliarden Euro im Jahr 2017 auf 2,18 Milliarden Euro im Jahr 2018.

Auf Aponet.de findet sich eine jeweils aktuelle „Gesamtliste zuzahlungsbefreiter Arzneimittel“. 


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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2 Kommentare

warum sich wundern ?!

von ratatosk am 30.07.2019 um 18:21 Uhr

Die GKV will kassieren, in jeder Hinsicht und auf jedem Weg, sei es durch Rabatterträge mit Firmen mit Zuzahlung , Retax, alles ist recht , wenns Kohle und Boni für angeblich so tolles Arbeiten bringt.
Den Aufwand haben wir, also ist es den Funktonären und unserer Politikkaste völlig egal. Ist eigentlich keiner Erwähnung mehr wert.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Noch schlimmer...

von Christian Becker am 30.07.2019 um 17:08 Uhr

... wie viele der zuzahlungsfreien Artikel sind lieferbar? Oft sind die freien Rabattartikel nämlich gerade die, die nicht lieferbar sind.
Die andere Konstellation finde ich noch bescheuerter: Alle Rabattartikel mit Zuzahlung, nicht rabattierte gibt es auch ohne.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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