Zahlenrätsel zum Apotheken-Stärkungsgesetz

Wundersame Geldvermehrung

Süsel - 25.07.2019, 14:15 Uhr

Einfach nur fleißig gießen und dann wächst es schon? Bei Geld klappt das eher nicht, trotzdem hat sich das mit dem Apotheken-Stärkungsgesetz in Aussicht gestellte Geld vermehrt. (Foto: M.Dörr & M.Frommherz / stock.adobe.com)                                          

Einfach nur fleißig gießen und dann wächst es schon? Bei Geld klappt das eher nicht, trotzdem hat sich das mit dem Apotheken-Stärkungsgesetz in Aussicht gestellte Geld vermehrt. (Foto: M.Dörr & M.Frommherz / stock.adobe.com)                                          


Das Apotheken-Stärkungsgesetz wird voraussichtlich 36 Millionen Euro mehr für den Notdienstfonds bringen. Doch einige Darstellungen sprechen von 50 Millionen Euro. Außerdem wurde eine angebliche Nachbesserung bei der Mehrwertsteuer für Dienstleistungen verbreitet. Doch wer genau hinsieht, findet keine Veränderung und ist erstaunt über die wundersame Vermehrung der in Aussicht gestellten Mehreinnahmen.

Der Kabinettsentwurf zum Apotheken-Stärkungsgesetz und die geplante Verordnung zur Änderung der Apothekenbetriebsordnung und der Arzneimittelpreisverordnung bringen den Apotheken nur bescheidene wirtschaftliche Verbesserungen. Die im Herbst 2018 kursierenden Eckpunkte sahen weit großzügiger aus. Doch wie groß - oder klein - die Beträge wirklich sind, ist immer unklarer geworden.

36 Millionen Euro mehr für den Notdienstfonds

Der Zuschlag für den Notdienstfonds sollte nach den ursprünglichen Eckpunkten um 16 Cent pro Rx-Fertigarzneimittelpackung steigen. Im Referentenentwurf vom April 2019 wurden daraus 5 Cent. Dabei blieb es seitdem und so wurde es vom Kabinett beschlossen. Der Zuschlag soll von 16 auf 21 Cent steigen.

Doch die Interpretation dieser Anhebung in den Erläuterungen zum geplanten Gesetz hat sich verändert. Im Entwurf vom April hieß es, dies werde zu Mehrausgaben von 40 Millionen Euro führen. In der Präsentation zum Apothekenwirtschaftsbericht des Deutschen Apothekerverbandes wurde der Einnahmezuwachs für die Apotheken auf 36 Millionen Euro beziffert. Denn 720 Millionen Rx-Fertigarzneimittelpackungen multipliziert mit 5 Cent ergeben 36 Millionen Euro. Als Belastung für die Zahler wurden 43 Millionen Euro einschließlich Mehrwertsteuer ermittelt.

Gemäß Angaben der ABDA erhielten die Apotheken im Jahr 2018 aus dem Notdienstfonds 114 Millionen Euro. Dies ergibt sich aus dem bisherigen Zuschlag von 16 Cent. Demnach müssten sich aus weiteren 5 Cent zusätzliche 35,6 Millionen Euro ergeben. 36 Millionen Euro sind offenbar eine gute Schätzung. 

36 Millionen Euro werden als 50 Millionen Euro präsentiert

Doch in der geplanten Verordnung zur Änderung der Apothekenbetriebsordnung und der Arzneimittelpreisverordnung, die kürzlich vom Kabinett beschlossen wurde, heißt es, die Erhöhung des Zuschlags für den Notdienst werde zu Mehrausgaben von 50 Millionen Euro einschließlich Mehrwertsteuer führen. Offenbar wurden die 43 Millionen Euro einschließlich Mehrwertsteuer großzügig zu 50 Millionen Euro aufgerundet. Die „Pharmazeutische Zeitung“ ging dann in ihrer Nr. 29 vom 18. Juli im Beitrag „Honorarplus für die Offizinen“ noch weiter und erklärte: „Demnach bekommen die Vor-Ort-Apotheken künftig 50 Millionen Euro mehr pro Jahr für Nacht- und Notdienste“.

Doch es ist weiterhin dieselbe Änderung der Arzneimittelpreisverordnung geplant wie noch im April. 36 Millionen Euro erscheinen weiterhin als beste Schätzung. Jede höhere Zahl lässt das Ergebnis für die Apotheken schöner aussehen, als es tatsächlich ist. 



Dr. Thomas Müller-Bohn (tmb), Apotheker und Dipl.-Kaufmann
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

BMG feilt für die Kabinettsabstimmung den Entwurf für das Engpassgesetz nach

Mehr Flexibilität, aber kein Retax-Ausschluss

Rezepturen und BtM-Abgaben

85 Millionen Euro mehr für Apotheker

Arzneimittelpreisverordnung, Apothekenbetriebsordnung

Notdienste und BtM-Abgaben – 65 Millionen Euro mehr für Apotheker

Verordnung soll bessere Notdienstpauschale und BtM-Vergütung regeln

Wirtschaftsministerium entscheidet

5 Kommentare

Rechenkünstler

von Karl Friedrich Müller am 25.07.2019 um 18:05 Uhr

In dem Artikel zur Apothekenreform in DAZ 30 sind schon die Eckdaten in etwa genannt.
Am Ende der Zeitung wird Becker zitiert: "Besser als keine Lösung"
Ich hab auch mal nachgerechnet. Überschlägig eben auch 615€ pro Monat und Apotheke für "Dienstleistungen", dazu auf meine Apotheke bezogen 180€ mehr für Notdienste und 40€ mehr für BTM.
Wenn ich dann in dem Artikel lese, was ich für erzwungene "Dienstleistungen" (oder auch Frohn) erbringen soll: Medikationsmanagement, Stellen und Verblistern, "Hausbesuche" mit pharmazeutischer Betreuung, dann frage ich doch mal nach: für die paar Kröten?
Im BMG hat man wohl Leute, die rechnen können, bei der ABDA nicht.
Insofern muss ich Becker sagen: KEINE Lösung wäre besser gewesen. Denn das hier ist der Weg zum Ruin. Für die vielen nun "All-inclusive-Leistungen" sind mehr Mitarbeiter nötig und mit dem Geld nicht bezahlbar. Selbst wenn noch Luft wäre, auch dann müssen die Mitarbeiter für die Arbeit bezahlt werden.
Dafür braucht es kein BWL Studium. Die Grundrechenarten genügen.
Ich hab es schon mal geschrieben: Die ABDA hat auf ganzer Linie versagt. Was kann man erwarten, wenn man nicht mal rechnen kann. Und nur der Eitelkeit fröhnt.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Rechenkünstler

von Karl Friedrich Müller am 26.07.2019 um 7:34 Uhr

Im Übrigen ist es sehr euphorisch, von einem „Mehr“ zu sprechen.
Seit Ulla Schmidt wird nur gekürzt. Durch die Freigabe der Preise in OTC und den Versand ist ein erheblicher Teil von Umsatz und Ertrag verloren gegangen - politisch gewollt und erzwungen. Vom verbliebenen Teil können wir keine realistischen Preise mehr verlangen.
Ich behaupte mal, dass wir ohne diese Maßnahmen gar nicht auf die Almosen Spahns angewiesen wären, die er auch noch kurzerhand willkürlich gekürzt hat. So nach dem Motto: die machens auch für die Hälfte.
Spahns Gesetz wird zu weiteren Umsatzverlusten in Richtung Versand sorgen - auch so gewollt. So dass vom „Mehr“ eher ein sehr viel „Weniger“ übrig bleiben wird.
Und dann streitet man sich noch um die paar Kröten, die die MwSt ausmachen.
Es wird uns nichts gegönnt, rein gar nichts. Den Schein wahren, dabei und den Dolch in den Rücken stoßen. Heißt Spahn eigentlich mit Vornamen Brutus?

Es hätte....

von Carsten am 25.07.2019 um 15:31 Uhr

Es hätte schlimmer kommen können ;-)

Zu früh? 'Tschuldigung.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

brutto - netto

von Uwe Hansmann am 25.07.2019 um 14:50 Uhr

Hallo Herr Müller-Bohn!

Sie haben es wieder so schön plastisch dargestellt . . . Danke!

Mit brutto und netto war es ja in einigen politischen Kreisen schon immer schwierig.

Rechnet man mal das Füllhorn der 144 Mio.€ für die "neuen Dienstleistungen" mal übern Daumen runter, so ergibt sich ein äusserst nüchterner Betrag öpro Apotheke und Arbeitstag: 144Mio/20Tsd.Apos/12 Monate/25 Arbeitstage = 21€.

Der Gegenwert eines Mittagessens. Aha.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: brutto - netto

von Findus am 25.07.2019 um 16:33 Uhr

Etwas mehr Optimismus bitte: Halbiert sich die Zahl der Apotheken, können sich die übrigen Apotheken doch immerhin 2 zusätzliche Mittagessen pro Arbeitstag leisten ;-)

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.