Kundenmagazin „MyLife“

Kuck warnt vor der „nächsten Angriffswelle“ der EU-Versender

Berlin - 12.07.2019, 12:05 Uhr

In der aktuellen Ausgabe des Kundenmagazins MyLife des Zukunftspaktes von Noweda und dem Burda-Verlag warnt Wolfgang Kuck davor, dass das E-Rezept in den Händen der EU-Versender den Apotheken erheblich schaden könnte. (c / Foto: DAZ.online)

In der aktuellen Ausgabe des Kundenmagazins MyLife des Zukunftspaktes von Noweda und dem Burda-Verlag warnt Wolfgang Kuck davor, dass das E-Rezept in den Händen der EU-Versender den Apotheken erheblich schaden könnte. (c / Foto: DAZ.online)


Wolfgang Kuck, ehemaliges Noweda-Vorstandsmitglied*, warnt in einem Kommentar in der aktuellen Ausgabe des Kundenmagazins „MyLife“ eindringlich vor Entwicklungen, die den Versandhandel bevorteilen könnten. Konkret geht es Kuck um die Gefahr, dass die EU-Versender von direkten E-Rezept-Weiterleitungen aus den Arztpraxen profitieren könnten. Das geplante Apotheken-Stärkungsgesetz nennt er einen „Flickenteppich“.

Wolfgang Kuck, ehemaliges Vorstandsmitglied der Noweda, meldet sich im neuen Apotheken-Kundenmagazin „MyLife“ politisch zu Wort und ergreift vehement Partei für die Interessen der Vor-Ort-Apotheken. In der Ausgabe 13 des Magazins, das aus dem „Zukunftspakt“ entsprungen ist, den die Apotheker-Genossenschaft Noweda mit dem Burda-Verlag ins Leben gerufen hatte, warnt Kuck unter der Überschrift „Die nächste Angriffswelle“ vor weiteren Angriffen aus dem Lager der Versandhändler, die den Vor-Ort-Apotheken erheblich schaden könnten.

Kuck beginnt seinen Beitrag mit deutlicher Kritik an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Mit Blick auf die zahlreichen Gesetzgebungsverfahren erklärt er, dass Spahn ein „energischer“ Minister sei, der viele Projekte anstoße, die vorher kein anderer Gesundheitspolitiker anfasste – außer im Apothekenbereich. Dort sei für Spahn „Untätigkeit eine Tugend“. Kuck erinnert hier an das im Koalitionsvertrag festgehaltene Rx-Versandverbot, das der Minister nicht auf den Weg gebracht hat.

Kuck: „Umbau der deutschen Arzneimittelversorgung“ droht

Für besonders viel Ärger sorgt bei Kuck Spahns Schreiben an die EU-Kommission. Zur Erinnerung: Die EU-Kommission hatte ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik zuletzt intensiviert, um die hierzulande im Arzneimittelgesetz verankerte Rx-Preisbindung für EU-Versender streichen zu lassen. Spahn schrieb einen Brief an die Kommission und wies auf seine geplante Apothekenreform hin, mit der der Satz zur Rx-Preisbindung im grenzüberschreitenden Arzneimittelversand gestrichen werden soll. Kuck erinnert daran, dass Spahn diesen Zug ohne Abstimmung mit seinen Ministerkollegen und ohne eine Abstimmung im Parlament unternommen habe. Inhaltlich liege der Minister auch falsch. Denn: Die Gleichpreisigkeit bei Rx-Arzneimitteln sei die „unverzichtbare Grundlage der deutschen Arzneimittelversorgung“. Kuck warnt sogar vor einem „Umbau der deutschen Arzneimittelversorgung“, sollte die Gleichpreisigkeit fallen.

Die in der Überschrift angekündigte „nächste Angriffswelle“ bezieht sich auf das E-Rezept. Hier sieht Kuck derzeit große Gefahren. Denn er fragt sich: „Wie könnte der neue Weg des E-Rezeptes aussehen?“ Dazu zitiert er einen Satz von der Internetseite des EU-Versenders DocMorris, mit dem das niederländische Unternehmen für die Einführung des E-Rezeptes wirbt. Dort heißt es: „So könnten sie sich zum Beispiel einen Weg in die Apotheke oder – wenn sie Kunde einer Online-Apotheke sind – den Gang zum Briefkasten sparen, weil die ärztliche Verordnung quasi auf Knopfdruck vom Arzt in die Apotheke übertragen wird.“



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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9 Kommentare

interlekt ????

von Schlemer am 12.07.2019 um 20:11 Uhr

Hilfe! Bitte um Aufklärung: was ist bitte "interlekt"

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: interlekt

von Conny am 12.07.2019 um 21:42 Uhr

Die Lösung ist: wenn man das Wort richtig schreibt, kommt die Löschung des Kommentares wegen der Netiquette.

Falsche Adressaten ...

von Reinhard Herzog am 12.07.2019 um 15:06 Uhr

Die Aussagen mögen aus unserer Sicht stimmen und Balsam auf die geschundene Seele sein.

Den Endkunden interessiert das aber mehrheitlich nicht. Dazu lese man nur einmal die zahlreichen Forenbeiträge, wenn tatsächlich mal ein Apothekenthema in Spiegel, Zeit, FAZ und Co. auftaucht. Angstmachen funktioniert beim Thema Apotheke bestimmt nur bei einem sehr geringen Teil der Bevölkerung ...

Und die Kunden haben ja durchaus recht. Die Arzneimittelversorgung wird nicht zusammenbrechen, egal was kommt. Sie wird sich ggf. verändern, vielleicht im Einzelfall sogar mal unbequemer werden (in anderen Fällen dafür einfacher), teils billiger, teils teurer. Anders eben, selbst bei völligem Systembruch. Aber Arzneimittel sind immer noch viel zu attraktiv, um dauerhaft wirkliche Versorgungslücken entstehen zu lassen. Zeigt der Blick in die Welt ... Das weiß ehrlich gesagt doch auch jeder. Fragt sich nur, wo die Wertschöpfung dann landet ...

Heißt unter dem Strich: Falsche Adressaten in einer solchen Kundenzeitung, die zudem gar nicht wissen, was ein Arznei-Großhändler, dessen Vorstand dort schreibt, wirklich ist.

Wenn man die Möglichkeiten der Kunden einschränken möchte (darauf laufen Rx-VV und Co. schlicht hinaus), dann sollte man das an anderer Stelle elegant und vor allem leise "eintüten". Hätte ja mit Hermann Gröhe fast geklappt, bei Jens Spahn hats dann irgendwie geklemmt ...

Das versteht nämlich kaum jemand von den Kunden, warum sie auf etwas verzichten sollen, was quer durch alle Branchen funktioniert - nämlich freier Wettbewerb der Anbieter. Ein Wettbewerb, dem die weit überwiegende Zahl der Kunden als (ggf. ehemalige) Arbeitnehmer oder gar Selbstständige in den meisten Branchen ebenfalls ausgesetzt waren.

Gewisse Dinge können einfach nur abseits der großen Öffentlichkeit geregelt werden, insbesondere wenn es um Umverteilung oder auch quasi-hoheitliche Aufgaben geht.

Das schließt nicht aus, dass man kräftig Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache macht. Aber eben leistungs- und kundenorientiert. Und nicht auf solcherlei Art politisch am Verständnis der Kunden vorbei.

Just my 2 Cents ...

» Auf diesen Kommentar antworten | 3 Antworten

AW: Warum falsch?

von G. Wager am 12.07.2019 um 16:46 Uhr

Das ist wieder ein typischer "Herzog", dessen Kommentare ich zwar meistens nicht zustimme,, aber dennoch anregend finde. Aber hier möchte ich doch widersprechen: Warum sollte es gegenüber der Öffentlichkeit nicht vermittelbar sein, dass eine Stärkung von Versandapotheke zwingend mit einer Durchlöcherung des Netzes von Vor-Ort-Apotheken verbunden ist? Und warum sollte hierfür eine Kunden(!)zeitschrift nicht das richtige Forum sein? Ich bin froh, dass es wenigstens außerhalb der ABDA Repräsentanten gibt, die den Mumm hat, auch in der Öffentlichkeit Tacheles zu reden. Defaitismus und Besserwisserei von Beobachtern am Rande der Szenerie gegenüber jemendem, der den Mund aufmacht, ist nicht angebracht.

AW: AW: G. Wagner ...

von Reinhard Herzog am 12.07.2019 um 18:28 Uhr

Die durchschnittliche Apotheke verliert bereits heute an jedem Öffnungstag rund 35 Packungen an den Versand (!!), zu 95% (noch) Non-Rx. Das sollte für sich sprechen.

Da erwarte ich mir von einem Zukunftspakt Apotheke vor allem "Hardware" statt "heiße Luft" und Gespensterdiskussionen. Sprich erweiterte Logistik- und IT-Strukturen, um mit den Versendern locker mithalten zu können. Das sollte angesichts der Kundenkenntnisse und Standortdichte doch nicht so schwer sein ... und das ganze Konzept sah doch bislang ganz gut aus. Nur muss man jetzt auch liefern und nicht zetern. Das wollen die Kunden. Und solche Lösungen gehören kommuniziert und nicht Probleme aufgeworfen. Letzteres interessiert die Kunden nicht.

Oder werden Sie sich daran stören, ob nebenan Arbeitsplätze bei Daimler und Co. wegfallen, falls die nicht in der Lage sind, zeitgemäße Fahrzeuge zu liefern? Dann gehen Sie eben zur Konkurrenz. Bei der E-Mobilität zurzeit schön zu beobachten.

Im Grunde sollte nun jeder Unternehmer wissen: Er wird nie dauerhaften Erfolg haben, wenn er gegen die Interessen und Wünsche seiner Kunden handelt! Das funktioniert nur in Zwangssystemen. Solche kann man sich natürlich wünschen.

Insoweit passt es ja, dass man bei der ABDA lieber noch die Abholfächer verbieten will ... (sich aber vom Rx-VV doch weitestgehend verabschiedet hat, da wird es dann langsam kafkaesk).

AW: Falsche Adressaten

von Anita Peter am 13.07.2019 um 8:40 Uhr

@ Herr Herzog

Wenn man den Patienten als normalen Konsumenten betrachtet und das Arzneimittel als belangloses Konsumgut sieht, dann haben Sie mit ihren Ausführungen völlig Recht.
Dann hat sich der pharmazeutische Heilberuf überlebt, und AMs sollten zukünftig über Nagelstudios, Döberbuden und Handyshops vertrieben werden. Hier besteht wenigstens kein Mangel an flächendeckender Versorgung.

Herr Kuck

von Conny am 12.07.2019 um 12:50 Uhr

Dieser Mann sagt was Sache ist. Ich kann unsere ganzen Standesvertreter nicht verstehen. Das ist einer bl, als der andere. Woher kommt das ? Der letzte Apothekertag hat mir darauf eine Antwort gegeben. Es ist keine Absicht, es fehlt am Interlekt.

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AW: Herr Kuck

von Clemens am 12.07.2019 um 14:07 Uhr

Ja, manchmal fehlt es einfach am Interlekt.

Wohin des Weges?

von Ulrich Ströh am 12.07.2019 um 12:32 Uhr

Die einzige rechtlich vertretbare Lösung ist ein Versandverbot...

Stimmt!

Da sollte Herr Kuck von der NOWEDA noch mal mit den Herren Hubmann und Hanke von der Standesvertretung diskutieren....

Die beiden sind aktuell diesbezüglich schon auf dem Rückweg.
Und es werden viele folgen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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