Arbeitsmarkt

Apotheker/-in ist weiterhin ein Engpassberuf

Berlin - 04.07.2019, 12:45 Uhr

Der aktuellen Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit zufolge ist der Apothekerberuf weiterhin ein Engpassberuf. (m / Foto: imago images / HRSchulz)

Der aktuellen Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit zufolge ist der Apothekerberuf weiterhin ein Engpassberuf. (m / Foto: imago images / HRSchulz)


Auch im vergangenen halben Jahr hat sich die Personalsituation im Apothekenmarkt offenbar nicht entspannt. In der sogenannten Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit, die halbjährlich veröffentlicht wird, sind die Apotheker weiterhin als Engpassberuf eingestuft. Die Lage hat sich kaum geändert: Apotheker müssen im Schnitt weiterhin 143 Tage lang warten, bis eine Stelle besetzt wird. Bei der Zahl der arbeitslosen Apotheker gab es zuletzt aber einen leichten Rückgang.

In welchen Berufen gibt es aktuell Besetzungsschwierigkeiten? Mit dieser Frage beschäftigt sich seit 2015 die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit (BA). Zwei Mal im Jahr wertet die BA die Arbeitsmarktdaten aus, um dann auf einem Datenblatt festzuhalten, wie lange Arbeitgeber in einzelnen Berufsgruppen warten müssen, bis sie eine vakante Stelle besetzen können. Weicht die jeweilige Berufsgruppe vom Bundesdurchschnitt ab und liegt auch die Relation zwischen Arbeitslosen und Erwerbstätigen unter dem Durchschnitt, wird der Beruf in die Liste der Engpassberufe aufgenommen.

In ihrer aktuellen Analyse weist die BA darauf hin, dass sich der deutsche Arbeitsmarkt im Betrachtungszeitraum (Mai 2018 bis April 2019) zwar sehr positiv entwickelt habe. Gleichzeitig steige aber auch die Fachkräftenachfrage. Und so zeigt sich, dass die Vakanzzeit über alle Berufe hinweg seit 2010 kontinuierlich steigt: 2010 lag sie im Schnitt bei 57 Tagen, zuletzt bei 118 Tagen. Aufgrund der hohen Nachfrage und des boomenden Arbeitsmarktes sinkt seit Jahren auch die Arbeitslosen-Stellen-Relation. 2009 (ein Jahr nach der globalen Finanzkrise) standen im Schnitt 100 gemeldeten Arbeitsstellen 1083 arbeitslose Bewerber gegenüber. Zwischen April 2018 und Mai 2019 waren es (über alle Berufe hinweg) nur noch 232 arbeitslose Bewerber.

Was ist ein Engpassberuf?

Damit ein Beruf offiziell zum Engpassberuf erklärt wird, müssen folgende Kriterien vorliegen: Die Vakanzzeit – also die Zeit, in der Stellen im Durchschnitt unbesetzt blieben – muss 40 Prozent über dem Durchschnitt aller Berufe liegen. Zweitens muss die Relation von Arbeitslosen zu offenen Stellen, also die Zahl der Arbeitssuchenden, die sich auf eine offene Stelle bewerben, kleiner als vier sein. Drittens wird die berufsspezifische Arbeitslosenquote gemessen: Diese sagt aus, wie viele Arbeitssuchende es im Verhältnis zu Berufstätigen gibt. Die Quote muss kleiner als 3 Prozent sein, um den Beruf als „Engpassberuf“ oder auch „Mangelberuf“ zu qualifizieren.

Erhebliche Engpässe gibt es weiterhin in den Handwerks- und Bauberufen. In diesem Bereich sind im vergangenen halben Jahr sogar mehrere neue Berufsgruppen neu in die Engpassanalyse hinzugekommen. Im Gesundheitsbereich sind es weiterhin die „alten Bekannten“, die in der Liste stehen: unter anderem Altenpfleger/-innen, Hörgeräteakustiker/-innen, Physiotherapeuten/-innen, Ärzte/-innen sowie Apotheker/-innen. Die Apotheker waren in der Statistik nicht von Anfang an dabei – erst im Dezember 2016 unterschritten sie die Durchschnittswerte so stark, dass sie von der BA offiziell als Engpassberuf eingestuft wurden und das seitdem auch sind.

143 Tage Vakanzzeit

Im Vergleich zu den letzten Analysen hat sich die Arbeitsmarktsituation im Apothekenmarkt nur wenig geändert. Im Schnitt müssen Apotheker derzeit 143 Tage lang warten, bis sie eine offene Stelle besetzen können. Damit liegen sie knapp 21 Prozent über dem Durchschnitt. Zwischen Oktober 2018 und April 2019 lag die durchschnittliche Vakanzzeit bei 140 Tagen. Auch über einen längeren Zeitraum ist die Vakanzzeit im Apothekenmarkt stabil: 2017 hatte sie auch bei 143 Tagen gelegen.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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3 Kommentare

Noch mehr Industrieapotheker

von Jochen Ebel am 05.07.2019 um 7:59 Uhr

Es könnten noch viel mehr industrieapotheker sein - leider gibt es zu wenig Bewerber. Daher besetzen die Firmen viele Stellen in der Zulassung und der Qualitätssicherung mit fachfremden Kräften. Das macht einem das tägliche Leben auch nicht gerade leichter. Da die Arbeitsbedingungen besser sind und die Einstiegsgehälter weit über den Apothekengehältern liegen kann man nur hoffen, dass sich in Zukunft möglichst viele junge Kollegen für diesen Weg entscheiden.

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Incentives fehlen

von Thomas Kerlag am 04.07.2019 um 22:51 Uhr

Schlägt sich nicht im Gehalt oder anderen Anreizen nieder. Bei ordentlichen Firmen hat man wenigstens einen Dienstwagen, Parkplatz etc.

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Woher kommt der Zuwachs von 1400 Apothekern?

von Apotheker08 am 04.07.2019 um 14:02 Uhr

Woher kommt der Zuwachs an zusätzlichen 1400 Apothekern (Zuwanderung oder längere Arbeit). Laut www.impp.de ist die Zahl der Erfolgreich angelegten Prüfungen seit Jahren stabil oder zuletzt sogar rückläufig.

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