AZ-Tipp

Existenzgründung in turbulenten Zeiten

Düsseldorf - 24.06.2019, 15:00 Uhr

Beim 6. Existenzgründer-Workshop in Düsseldorf ging es (unter anderem mit Verbandschef Thomas Preis) um die Apothekengründung in apothekenpolitisch gesehen turbulenten Zeiten. ( r / Foto: AVNR / Müller)

Beim 6. Existenzgründer-Workshop in Düsseldorf ging es (unter anderem mit Verbandschef Thomas Preis) um die Apothekengründung in apothekenpolitisch gesehen turbulenten Zeiten. ( r / Foto: AVNR / Müller)


Vieles befindet sich derzeit apothekenpolitisch im Umbruch. Doch es gibt auch die Lichtblicke und die Anlässe, die einem durchaus Mut machen können. Beim 6. Existenzgründer-Workshop vor zwei Wochen in Düsseldorf gaben die Apothekerkammer und der Apothekerverband Nordrhein den rund 70 Teilnehmer mit auf ihren Weg: „Erfolg hat immer drei Buchstaben: TUN.“ Auch Steuerberater, Vertreter der Apobank und weitere Experten bekräftigten, dass sich die Selbständigkeit als Apotheker nach wie vor lohne, denn wo man Risiken fürchtet, würden sich auch meist gute Chancen finden.

Der demografische Wandel führt aktuell zu zwei markanten Entwicklungen im Apothekenmarkt: Einerseits sind immer mehr Patienten auf Arzneimittel und die Gesundheitsversorgung vor Ort angewiesen sind. Im Jahr 2040 wird jeder zehnte Bundesbürger über 80 Jahre alt sein. Andererseits gibt es immer mehr Apothekeninhaber, die das Rentenalter erreichen und ihre Betriebe gerne jungen Nachfolgern übergeben würden. So auch Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbandes Nordrhein, der die Übergabe seiner Apotheke in den nächsten zehn Jahren anstrebt. Preis nutzte die Eröffnung des 6. Existenzgründer-Workshops für ein ganz persönliches Plädoyer. Die Selbstständigkeit, so Preis, stehe für mehr als nur „sein eigener Chef zu sein“. Sie sei eine „besondere Eigenschaft, die nur wenige Bürger im Land haben“. Laut einer Umfrage entscheiden sich rund sechs Prozent der Menschen, unabhängig von ihrem beruflichen Hintergrund, für eine selbstständige Tätigkeit.

Rechts-Ökonomin Silke Wolff von der Steuerberatung Treuhand Hannover machte deutlich, dass es gar nicht schwierig sei, eine Apotheke zur Übernahme zu finden, denn Angebote würde es überall geben – in der Fachpresse, in Online-Portalen, bei Banken und über Steuerberater oder auch „unter der Hand“. Doch ob sich das jeweilige Objekt tatsächlich für den Start in die Selbstständigkeit eigne, könne nur eine Analyse ermitteln. Vor allem solle man sich nicht von oberflächlichen Parametern und Eigenschaften, wie beispielsweise Umsatzzahlen, blenden lassen.

Norbert Steffen von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank in Düsseldorf ließ direkt zu Anfang seines Vortrags wissen: Ein „typischer“ Übernahmepreis bei Apotheken existiert nicht, bei rund einem Viertel aller Übernahmen würden Kaufsummen von unter 150.000 Euro zustande kommen, bei einem weiteren Viertel mehr als 600.000 Euro sein. Die Angst vor der Verschuldung sei unbegründet, sagte Steffen. Man investiere in einen Vermögenswert. Bei der Apobank würden nur etwa 0,2 Prozent der Existenzgründungen scheitern. „Wenn Ihre dritte Ehe scheitert, Sie Spielschulden oder unterhaltspflichtige Kinder haben, könnten Sie in Bedrängnis kommen. Aber das würden Sie auch ohne Apotheke“, so Steffen.

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Welche Schritte und Testfragen helfen sollen, mehr Sicherheit für diese wichtige Entscheidung zu gewinnen und wie sich der Ertragswert aus materiellen und ideellen Werte zusammensetzt, lesen Sie in der aktuellen AZ 2019, Nr. 26, S. 6. (Für Abonnenten auch hier online frei zugänglich)


Dr. Armin Edalat, Apotheker, Chefredakteur DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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