Kabinettsvorlage Apotheken-Stärkungsgesetz

„Kontinuierlicher“ Bedarf reicht für eine Wiederholungsverordnung

Stuttgart - 21.06.2019, 12:45 Uhr

Künftig sollen Verordnungen mit einem entsprechenden Vermerk in der Apotheke bis zu dreimal beliefert werden können. Das geplante Apotheken-Stärkungsgesetz sieht eine entsprechende Regelung vor.  ( r / Foto:                                             
                                            
                                                    
                                        
                                        
                                                    Kaesler Media/stock.adobe.com)

Künftig sollen Verordnungen mit einem entsprechenden Vermerk in der Apotheke bis zu dreimal beliefert werden können. Das geplante Apotheken-Stärkungsgesetz sieht eine entsprechende Regelung vor.  ( r / Foto: Kaesler Media/stock.adobe.com)


Der AMG-Satz zur Preisbindung soll weiterhin gestrichen werden, beim Boni-Verbot im SGB V wurde an der Begründung gefeilt, die Vergütungsanpassung für BtM und Notdienste wird ans Wirtschaftsministerium übertragen und noch so einiges mehr – das Bundesgesundheitsministerium hat an der Kabinettsvorlage des Apotheken-Stärkungsgesetzes im Vergleich zum Referentenentwurf noch einmal kräftig geschrubbt. Auch bei den geplanten Wiederholungsverordnungen gab es eine Änderung. Die dürfte dafür sorgen, dass mehr Patienten dafür infrage kommen.

Eine der Neuerungen, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im ersten Entwurf seines Apotheken-Stärkungsgesetzes vorgeschlagen hatte, war die Möglichkeit für Ärzte, Wiederholungsverordnungen auszustellen. Ein Patient soll sich somit mit einer einzigen Verordnung, die einen entsprechenden Vermerk des Arztes trägt, mehrfach das gleiche, dauerhaft benötigte Arzneimittel in der Apotheke abholen können – bis zu dreimal innerhalb eines Jahres, so der Vorschlag. . In Frage kommen Verschreibungen zur wiederholten Abgabe insbesondere für chronisch kranke Patienten in stabilem Gesundheitszustand und bei gleich bleibender Medikation mit für eine Wiederholungsverschreibung geeigneten Wirkstoffen.Zu entscheiden, welcher Patient konkret dafür infrage kommt, soll dem behandelnden Arzt obliegen. Derzeit muss ein GKV-Rezept bekanntermaßen immer vollständig eingelöst werden, das heißt in der Regel fallen für drei Packungen drei Verordnungen und somit auch drei Arztbesuche an

Mit der Einführung von Verschreibungen, die eine wiederholte Abgabe ermöglichen, sollen Ärzte entlastet werden, so die Idee.  Die Kassenärztliche Bundesvereinigung konnte dem aber nichts abgewinnen. Man befürchtet unter anderem, dass Patienten diese Möglichkeit aktiv ansprechen und einfordern werden, wie es in der Stellungnahme heißt. 

„Schwerwiegende chronische Erkrankung“ als Voraussetzung gestrichen

Der Vorschlag ist aber in der Kabinettsvorlage weiterhin enthalten. Er wurde allerdings modifiziert. So hieß es im ersten Entwurf noch, dass nur Versicherte mit einer „schwerwiegenden chronischen Erkrankung, die eine kontinuierliche Versorgung mit einem bestimmten Arzneimittel benötigen“ in den Genuss dieser Regelung kommen sollen. Diese Einschränkung wurde gestrichen. Laut Kabinettsvorlage ist nur noch der Bedarf einer kontinuierlichen Versorgung mit einem bestimmten Arzneimittel Voraussetzung dafür, dass Verordnungen ausgestellt werden können, auf die hin eine bis zu dreimal wiederholende Abgabe erlaubt ist. Die Einlösung soll bis zu ein Jahr nach Ausstellung in Apotheken möglich sein.

Damit dürfte sich der Kreis der Patienten erweitern, die für eine Wiederholungsverordnung infrage kommen, zudem wird durch die Änderung die Möglichkeit, ein derartiges Rezept auszustellen, alleine am Arzneimittelbedarf festgemacht und nicht mehr an der nicht ganz leicht objektivierbaren Schwere der Erkrankung.



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Änderung der Verschreibungsverordnung

Dosierung soll auf jedes Rezept

Von der therapeutischen Idee des Arztes zur Arzneimittelabgabe in der Apotheke

Wann ist ein Rezept eine Verschreibung?

Wenn die Dosierungsanweisung auf dem Rezept nicht eindeutig ist …

Fehldosierung vorprogrammiert

Stellungnahme zur Änderung der AMVV

ABDA will „Soll“-Angaben auf Rezepten

AMG-Novelle gegen Dr. Ed: Rezept nur nach direktem Arzt-Patienten-Kontakt

Im Zweifel keine Arzneimittel-Abgabe

Wo Apotheker unter welchen Bedingungen welche Arzneimittel abgeben dürfen

Grenzbereiche der Rezeptpflicht

Neue Rezept-Formalien in der Arzneimittelverschreibungsverordnung

Zwischen Systemversagen und Pragmatismus

1 Kommentar

Praktische Umsetzung?

von Andreas Grünebaum am 21.06.2019 um 21:12 Uhr

Ist auch schon geklärt, wie das zu praktisch umgesetzt werden soll? Ein GKV Rezept muss bekanntermaßen nach vollständiger Abgabe zur Erstattung an das Rechenzentrum zur Abrechnung mit der Kasse im Original eingereicht werden. Sollte dies nur für e-Rezepte möglich sein, reden wir über eine mögliche Umsetzung ab 2021-2025? Bei Privatpatienten sehe ich da vielleicht nur das Problem der Einreichung des Rezeptes durch den Patienten. In der Zeit von Online Einreichunge via App wäre das jedoch schon machbar, solange der Patient im Besitz des Originalrezeptes zur Vorlage in der Apotheke bleibt.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.