Ausblick auf 2020

Kassen: Die Finanzlage ist „erfreulich stabil“

Berlin - 18.06.2019, 07:00 Uhr

Die Chefin des GKV-Spitzenverbands, Doris
Pfeiffer, freut sich über eine stabile Kassenlage bei der GKV und blickt entspannt auf das Jahr 2020. (Foto: imago images / Jens Jeske)

Die Chefin des GKV-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, freut sich über eine stabile Kassenlage bei der GKV und blickt entspannt auf das Jahr 2020. (Foto: imago images / Jens Jeske)


Die Krankenkassen erwarten trotz schwächerer Konjunkturaussichten vorerst weiter robuste Einnahmen, warnen aber vor deutlichen Ausgabenrisiken. Die Finanzlage sei „immer noch erfreulich stabil“, sagte die Chefin des GKV-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, am Montag bei einem Pressegespräch im brandenburgischen Kremmen.

Angesichts vieler neuer Gesetze und Gesetzespläne mit Mehrkosten für die Kassen sei momentan aber eine Ausgabenprognose für nächstes Jahr nicht möglich. Statt gebotener Zurückhaltung gebe es derzeit eine große Kreativität, was zusätzliche Ausgaben angehe.

Pfeiffer machte deutlich, dass es dank der insgesamt weiter positiven Wirtschaftslage 2020 „keine dramatische Entwicklung“ geben dürfte. Eine Konjunktureintrübung käme zudem üblicherweise erst verzögert am Arbeitsmarkt und dann bei den Kassen an. Ausgaben, die in aktuellen Plänen der großen Koalition vorgesehen seien, liefen aber auch dann weiter, wenn die Arbeitsmarktlage nicht mehr so gut sei. Hintergrund sind Pläne unter anderem zur Digitalisierung des Gesundheitswesens oder zu neuen Ausbildungen für Psychotherapeuten und Hebammen.

Finanzpolster von knapp 21 Milliarden Euro

Das Finanzpolster der Kassen insgesamt blieb zuletzt stabil bei 20,9 Milliarden Euro, Stand erstes Quartal 2019. Pfeiffer betonte, dass dies nach einer Gesetzesänderung zu Jahresbeginn der vorgeschriebenen Höhe einer Monatsausgabe entspreche. Das sei „eine gute Situation, aber nicht üppig“. Zudem sei das Bild bei den Rücklagen unter den Versicherungen sehr unterschiedlich. Der Gesundheitsfonds als Geldsammel- und Verteilstelle der Kassen hatte im ersten Quartal demnach Reserven von 6,7 Milliarden Euro.

Im laufenden Geschäft verbuchten die Kassen im vergangenen Jahr einen Überschuss von knapp 2,1 Milliarden Euro, der Fonds kam auf 564 Millionen Euro. Die Ausgaben für Behandlungen und Arzneimittel stiegen um 3,06 Prozent - die Beitragseinnahmen um 2,99 Prozent. Im ersten Quartal 2019 stand bei den Kassen unter dem Strich ein Minus von 102 Millionen Euro, beim Fonds von 2,6 Milliarden Euro. Generell gibt es im ersten Quartal höhere Ausgaben, wenn viele Menschen erkältet sind oder bei Winterwetter Unfälle passieren. Im weiteren Jahresverlauf steigen die Beitragseinnahmen, wenn für viele Beschäftigte Urlaubs- und Weihnachtsgeld gezahlt werden


bro / dpa
brohrer@daz.online


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4 Kommentare

Strafzinsen

von Hummelmann am 18.06.2019 um 12:51 Uhr

Hat man schon mal konkret nachgefragt, wie hoch die Strafzinsen an das Bankenwesen ausfallen, wenn man solche Beträge auf dem Konto liegen hat? Nach meinem Ermessen sind das mindestens Zahlungen im hohen dreistelligen Millionenbereich.
Die Apotheker machen sich Tag für Tag krumm um Lieferengpässe auszugleichen, Rabattverträge zu erfüllen, Importquoten einzuhalten, Verordnungsfehler der Ärzte zu korrigieren, Fehler im Medplan zu entdekcen und gefährliche Wechselwirkungen aufzudecken. Ein beträchtlicher Teil dieser 21 Milliarden Überschüsse resultiert aus dieser pharmazeutsichen Tätigkeit. Aber jedes Mal, wenn es darum geht unsere Arbeit angemessen zu belohnen, hat man für uns im besten Fall nur ein müdes Lächeln parat.
Auch die Investitionen für Securpharm haben wir aus eigener Tasche bezahlt. Neuerdings übernehmen wir also auch noch die Arbeit der Polizei, indem wir Fälschungen entlarven. Das Zollamt "dankt" den kleinen Apotheken dafür, indem es ihnen die ursprünglich unbefristete Erlaubnis zum Bezug von steuerfreiem Alkohol entzieht. Sogar für die Abgabe von Wundbenzin und Isopropylalkohol müssen wir zukünftig die Sachkunde durch regelmäßige und natürlich kostenpflichtige Schulungen nachweisen. Ein abgeschlossenes Universitätsstudium in angewandter Chemie reicht dafür ab 1. Juli nicht mehr.
Aber den Banken, denen geben wir die Beitragsgelder der gesetzlich Versicherten gerne in Form von Strafzinsen für üppige HABEN-Konten. Schließlich passen die ja mit viel Sachkunde auf das Geld der Krankenkassen auf, damit es nicht wegkommt. Und wenn mangels Sachkunde unsere Beitragsgelder doch mal irgendwie in dunklen Banken-Kanälen verzockt wird, dann kommt auf jeden Fall der Steuerzahler für den Schaden auf.
Mein Rat an alle Kassenfunktionäre, Finanzjongleure, Politiker und Standesvertreter:
Schämt Euch wenigstens für das, was Ihr tut!

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Finanzlage Krankenkasse

von Roland Mückschel am 18.06.2019 um 10:38 Uhr

Um diese Finanzlage in Zukunft zu halten sehe
ich nur eine Möglichkeit: Öffnung der
Krankenkassenlandschaft gegenüber leistungsfähigen
ausländischen Krankenversicherungen unter Ausschluss
der problematischen Fälle. Diese Vielverbraucher können
am besten von vor Ort-Krankenkassen versorgt werde.
Da würden die Versicherungssätze sicher fallen.

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KKassen gegen Apotheken: ein wertloser Kampf!

von Heiko Barz am 18.06.2019 um 9:41 Uhr

Natürlich weiss Frau Pfeiffer, wem die KKassen diese 21 Mrd.€ zu verdanken haben. Auch dass die Ausgaben-Steigerungen beim AM ausschließlich auf die „Hochpreiser“ zurückzuführen sind. Dass sie aber denen (Apotheker), die ihnen diese gewaltigen finanziellen Vorteile verschafft haben, keinerlei geldwerte Rückendeckung einräumt und sie natürlich sofort die Forderung einer berechtigten Erhöhung der Beratungspauschale mit der Gutachten-Peitsche kommentiert, zeigt deutlich, dass das „Miteinander“ im Gesundheitswesen deutich verschwunden ist.
Der Umstand aber, dass die Behauptung der zuviel gezahlten
1,1 Mrd.€ von unserer vollkommen desorientierten Führung -der ABDA - ohne deutliche Reaktion oder eines überzeugenden Gegengutachtens, - es gab doch offensichtlich einige handfeste Traktate - dem freien Spiel der globalen Kapitalmaschinerie überlassen wurde, zeigt, diese von Zwangszahlern abhängige Führungsriege ist unfähig, eine entsprechende Leistung zu erbringen.
Seit der „massiven“ Untätigkeit vor Ausbruch des berufsvernichtenden EUGH Urteils hat diese „Riege“ nur Negatives für ihre Abhängigen erreicht. Alles gipfelt aber in dem seltsam geheimen mittelalterlichen „Zeimännergespräch“ beim Hinterzimmerabkommen.
Alles wird nur deswegen verschwiegen, um Zeit zu gewinnen, bis die Wege des E-Rezeptes in Richtung Versandhandel eindeutig für jene geregelt sind.
Machen wir uns nichts vor, DoMo hat seine schmierigen und korrupten Fettfingerabdrücke längst im Apothekenzentrum in der Heidestrasse hinterlassen. Da wird die anstehende AV Ende Juni auch nichts mehr ändern.

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GKV

von Karl Friedrich Müller am 18.06.2019 um 9:15 Uhr

die GKV ist kein Sparschwein!!!
Das sind Gelder der Versicherten, für die müssen sie zur Verfügung stehen! Und für die Leistungserbringer!
NICHT für die GKV Schmarotzer. Vorstände, Investoren.

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