Bestimmung der Schilddrüsenwerte

L-Thyroxin: Am Morgen vor der Blutentnahme pausieren?

Waren - 12.06.2019, 09:00 Uhr

Bei gut eingestellten Schilddrüsenpatienten reicht eine jährliche Kontrolle der Blutwerte. (c / Foto: Werner/stockadobe.com)

Bei gut eingestellten Schilddrüsenpatienten reicht eine jährliche Kontrolle der Blutwerte. (c / Foto: Werner/stockadobe.com)


Patienten, die Schilddrüsenhormone einnehmen, müssen ihre Blutwerte regelmäßig kontrollieren lassen. Vor allem in der Einstellungsphase und bei Dosisumstellungen wird geraten, die TSH-Serumkonzentration regelmäßig zu überprüfen. Doch welcher Abstand zwischen Dosisanpassung und Kontrolle ist sinnvoll? Und warum sollte man am Morgen vor der Blutentnahme die Einnahme pausieren?

Levothyroxin gehört zu den wenigen Arzneimitteln, die im Mikrogramm-Bereich dosiert werden. Neben der engen therapeutischen Breite erschweren Ernährung, Komedikationen und gastrointestinale Erkrankungen die Justierung der Dosis. Oberstes Ziel ist eine möglichst stabile Einstellung der Blutspiegel an freiem Triiodthyronin (fT3), freiem Thyroxin (fT4) und Thyreoidea-stimulierendem Hormon (TSH). Zur Überprüfung wird in der Regel der TSH-Wert herangezogen, der nach Empfehlung der Deutschen Gesell­schaft für Endokrinologie (DGE) bei Substitution von Schilddrüsen­hormonen im Bereich von 0,4 bis 4,0 Milli-Units/l liegen sollte. Bei älteren Patienten werden auch etwas höhere Werte akzeptiert.

Die richtige Dosierung sollte für jeden Patienten individuell ermittelt werden, orientiert an den laborchemisch gemessenen Schilddrüsenwerten und dem subjektiven Befinden des Patienten. Bei manifester (primärer) Hypothyreose wird in der DEGAM-Leitlinie für Patienten unter 60 Jahren ohne Komorbiditäten initial die Gabe von 1,6 µg Levothyroxin pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen. Bei einem Körpergewicht von 75 kg entspricht dies einer Menge von 120 μg Levo­thyroxin täglich. Um eine euthyreote Stoffwechsellage zu erreichen, wird die tägliche Dosis stufenweise jeweils nach circa sechs Wochen um je 25 bis 50 µg erhöht oder verringert. Vor allem in der Einstellungsphase und bei Dosisumstellungen wird geraten, die TSH-Serumkonzentration regelmäßig überprüfen zu lassen. Eine Messung ist frühestens nach acht Wochen sinnvoll, da der TSH-Wert mindestens so viel Zeit benötigt, um sich auf einen konstanten Wert einzupendeln. Ist die Dosierung etabliert, genügen halbjährliche, später jährliche TSH-Verlaufskontrollen.

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TSH wird nicht beeinflusst, aber T4

Am Morgen der Blutentnahme sollten Patienten ihre Schilddrüsentabletten nicht einnehmen – als reine Vorsichtsmaßnahme, wie Dr. med. Joachim Feldkamp, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medi­zin, Endokrinologie, Diabetologie, Infektiologie am Klinikum Bielefeld Mitte, erläutert: „Die Levothyroxin-Einnahme beeinflusst TSH-Spiegel erst über einen längeren Zeitraum. Eine morgendliche Einnahme beeinflusst den TSH-Wert an dem Tag nicht, wenn an dem gleichen Tag der TSH-Wert gemessen wird. Der einzige Laborwert, der sich verändern kann, ist der Wert für das freie T4. Etwa zwei Stunden nach der Einnahme kommt es zu einem leichten Anfluten des freien T4-Wertes im Blut. Dies kann gelegentlich mit einer kurzen Überhöhung dieses Wertes im Laborblattausdruck sichtbar werden. Wenn der Arzt weiß, dass der Patient morgens die Tablette eingenommen hat, kann er dies entsprechend interpretieren. Um solche Interpretationsschwierigkeiten zu vermeiden, wird allgemein empfohlen, morgens die Tablette nicht einzunehmen.“


Rika Rausch, Apothekerin
redaktion@daz.online


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