Kritik an ABDA-Kommunikation

Preis: „Die Positionen der Apotheker sind nicht erkennbar“

Düsseldorf / Stuttgart - 07.06.2019, 10:15 Uhr

Thomas Preis aus Nordrhein hat mit drei NRW-Kollegen einen Brief an die ABDA geschrieben. (s / Foto: Müller/AV Nordrhein)

Thomas Preis aus Nordrhein hat mit drei NRW-Kollegen einen Brief an die ABDA geschrieben. (s / Foto: Müller/AV Nordrhein)


Die Chefs der vier Kammern und Verbände in Nordrhein-Westfalen haben einen Brief an die ABDA geschrieben, in dem sie sich über die Kommunikation der Standesvertretung zum Thema Gleichpreisigkeit beschweren. Laut Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbandes Nordrhein und einer der Unterzeichner, hat sich die Standesvertretung zu sehr auf die positiven Aspekte des Apotheken-Stärkungsgesetzes fokussiert und zu wenig vor den Risiken gewarnt. 

Für Thomas Preis, den Vorsitzenden des Apothekerverbandes Nordrhein, ist die Gleichpreisigkeit eine tragende Säule der Arzneimittelversorgung. Die Umsetzung der aktuellen Vorschläge des Bundesgesundheitsministeriums, die die Streichung des § 78 Absatz 1 Satz 4 AMG vorsehen, würde aber bedeuten, dass zumindest für Privatversicherte und Selbstzahler die Preisbindung nicht mehr umfassend gelten würde. Offenbar erkenne die Politik nicht, dass sie damit nicht nur die Apotheken treffe, sondern in erster Linie die Verbraucher, die ja in der Apotheke keine normalen Kunden seien, erklärte Preis am vergangenen Mittwoch bei der Mitgliederversammlung seines Apothekerverbandes. Als abschreckendes Beispiel eines Gesundheitssystems, wo allein der Wettbewerb die Regeln vorgebe und Verbraucherschutz keine Rolle spiele, nannte Preis die USA. 

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 „Die ABDA hat zu wenig auf die Risiken hingewiesen“

Preis stört sich daran, dass die ABDA die negativen Auswirkungen einer möglichen Streichung des AMG-Satzes zur Gleichpreisigkeit zu wenig öffentlich kundgetan hat. Der Verbandschef wörtlich: „Diese Risiken wurden von der ABDA nicht ausreichend kommuniziert. Man hat seitens der ABDA in der Kommunikation den Fokus viel zu sehr auf die Chancen, also auf die Dienstleistungen gelegt. Diese sind auch fraglos positiv zu bewerten, aber wiegen die Nachteile nicht auf. Und das macht die ABDA nicht klar.“

Und das sieht nicht nur Preis so, sondern auch die anderen Chefs der Standesorganisationen in NRW. Die beiden Verbände und Kammern im bevölkerungsreichsten Bundesland haben deswegen einen Brief an die ABDA geschrieben, der dies thematisiert, wie Preis auf der Mitgliederversammlung bestätigte. Dem Vernehmen nach haben sich die vier NRW-Vertretungen unter anderen daran gestört, dass ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold gesagt hat, der AMG-Satz zur Gleichpreisigkeit habe keinen „Nachrichtenwert“ für die Publikumsmedien. 

Preis sagte dazu noch bei der Mitgliederversammlung: „Die Positionen der Apotheker sind offensichtlich nicht erkennbar. Ich höre immer wieder in Gesprächen mit der Politik, die Apotheker sind doch mit Spahn einer Meinung.“ Und das sei in dem entscheidenden Punkt der Sicherung der Gleichpreisigkeit ja keineswegs so.


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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1 Kommentar

Herrn Preis

von Dr.Diefenbach am 07.06.2019 um 12:34 Uhr

Ich verstehe die Worte des Kollegen Preis nur zu gut.Ich frage mich aber immer wieder,WARUM das alles nicht schon vor Monaten,als ggf. noch etwas zu korrigieren gewesen wäre,DERART verlautbart wurde??? Alle die KollegInnen,die jetzt "Protestnoten" einreichen-WAS sagten sie denn in den entscheidenden MVs der ABDA?Wenn ich dann höre dass Kammerpräsidenten die stark Rücktritte einfordern,im entscheidenden Moment nicht in Erscheinung treten,so ist das mager!!Ich schätze dagegen den Kollegen Preis,der hoffentlich jetzt nicht im closed shop der 34 eine Kopfwäsche einstecken muss!!! Dennoch:Versiebt hat grosse Teile des Sachverhaltes die gewählte Berufsspitze!!! Und somit geht es weiter:WER wird aktiv abtreten und wer wird aktiv antreten?Wir erleben die dramatische Einflussnahme EINES Unternehmers,nämlich des Herrn Rezo,auf das Politgefüge.Dafür lese ich heute in der Offenbach Post,auf SEITE 1,dass man keine Bonbons und Taschentücher mitgeben dürfe,wenn der Kunde die Apotheke verlässt.Zeigt so eine Infovielfalt nicht die Problematik unseres Berufes auf,aber auch die NICHTfähigkeit standeseigener PR,immer wieder aufs Neue.Deswegen ärgern sich doch auch so viele über zB die jüngsten Ausführungen von Herrn Arnold ua zur Gleichpreisigkeit.Es ist einiges derart angestaubt-WAS PASSIERT???-Insofern freue ich mich schon auf unsere nächste DV im Juni und das was aus dem Neubau auf uns 27 einprasselt....Schöne Pfingsten und der heilige Geist von oben möge in Sturzbächen die richtigen Personen erreichen...

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