Xantus-Drinkcheck

Wie viel Sicherheit bringt das K.O.-Tropfen-Armband?

Berlin - 05.06.2019, 10:15 Uhr

Mit dem „Xantus-Drinkcheck“ sollen sich K.O.-Tropfen in Getränken nachweisen lassen. ( r / Foto: dpa)

Mit dem „Xantus-Drinkcheck“ sollen sich K.O.-Tropfen in Getränken nachweisen lassen. ( r / Foto: dpa)


Ein Waldbronner Start-Up hat kürzlich ein Armband auf den Markt gebracht, das als Schnelltest zur Überprüfung eines Getränks auf γ-Hydroxybutansäure (GHB), also auf K.O.-Tropfen, dient. Es entwickelte sich schnell zum Verkaufsschlager und war im Online-Shop von dm, wo es vertrieben wird, schnell ausverkauft. Was ist davon zu halten? Bringt es tatsächlich mehr Sicherheit für Partygänger?

Partygängern eine neue Sicherheit geben soll der von dem Waldbronner Start-Up Twinvay GmbH entwickelte Schnelltest „Xantus-Drinkcheck“. Das Unternehmen erhielt dafür den Promotional Gift Award 2019. Ein Tropfen des Getränks auf ein Testfeld des Papierarmbandes gegeben soll genügen, um festzustellen, ob die Flüssigkeit in einem unbeobachteten Moment mit GHB versetzt wurde. Bei Anwesenheit der K.O.-Tropfen verfärbt sich das Feld nach etwa zwei Minuten blau. Die Erfinder versichern, dass 1,5 g GHB in 100 ml Flüssigkeit eindeutig detektiert werden, unter Laborbedingungen auch weniger. Geht man von einer Knockout-Dosis von 50 mg/kg Körpergewicht aus, ist diese bei einer 70 kg schweren Person ab etwa 3,5 g erreicht. Gelöst in einem Bier von 0,3 l ergibt das 1,16 g pro 100 ml. Der Nachweis einer GHB-Dosis, die nicht direkt zur Bewusstlosigkeit führt, aber durchaus bewusstseinseintrübende Wirkung haben kann, scheint somit nicht sicher gewährleistet zu sein.

Lesen Sie den vollständigen Artikel in DAZ 22/2019

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Bei dem gegenwärtigen Entwicklungsstand ist die Erfindung noch mit Vorsicht zu genießen. Die Empfindlichkeit des Tests ist derzeit nicht besonders hoch. Außerdem kann von einer Vielzahl potenzieller Knockout-Mittel derzeit nur eines nachgewiesen werden. Der Nutzer sollte sich jedoch nicht in trügerischer Sicherheit wiegen, da der Test nur auf GHB reagiert und andere Betäubungsmittel, die ebenfalls als Knockout-Mittel missbraucht werden, wie Flunitrazepam, unentdeckt bleiben. Genauere Angaben über den Reaktionsmechanismus der Farbänderung und den Umfang der durchgeführten Studien macht der Hersteller derzeit nicht. Verschiedene rechtsmedizinische Institute in Deutschland testeten und bestätigten zwar die Funktionalität des Armbandes in unterschiedlichen Matrizes, zum Beispiel fetthaltigen Getränke wie Milch, sauren Fruchtsäften, aber als auch alkoholische Mischungen. Bei stark färbenden Flüssigkeiten wie Rote-Beete-Saft stieß der Farbtest an seine Grenzen. Ein integrierter pH-Test soll nur auf reines Wasser reagieren. Dies soll verhindern, dass ein versehentlich durch Spritzwasser nass und unbrauchbar gewordenes Armband verwendet wird. Dass der pH‑Test sich dabei ebenfalls blau färbt, birgt allerdings ein gewisses Verwechslungspotenzial.


Ulrich Schreiber; B. Sc. Chemie, DAZ-Autor
redaktion@daz.online


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