Engpass bei Antibabypille

Zoely bleibt lieferunfähig – mitschuldig ist angeblich die Fälschungsschutzrichtlinie

Stuttgart - 03.06.2019, 17:55 Uhr

Weil MSD die EU-Fälschungsschutzrichtline sofort umsetzen will, ist Zoely nach Auskunft des Herstellers derzeit nicht lieferbar. (Packshot: MSD | Foto: Voy_ager / stock.adobe.com)

Weil MSD die EU-Fälschungsschutzrichtline sofort umsetzen will, ist Zoely nach Auskunft des Herstellers derzeit nicht lieferbar. (Packshot: MSD | Foto: Voy_ager / stock.adobe.com)


Bereits seit einigen Wochen gibt es Schwierigkeiten mit der Lieferbarkeit der Antibabypille Zoely – und das bleibt vorerst auch so. Der Hersteller MSD Sharp & Dohme sucht eine der Ursachen in der zu implementierenden EU-Fälschungsschutzrichtlinie.

„Leider gibt es für Zoely® weiterhin Lieferverzögerungen“, erklärt MSD Sharp & Dohme auf Nachfrage von DAZ.online. Bereits seit Wochen muss der Hersteller der estradiol- und nomegestrolhaltigen Antibabypille bei der reibungslosen Lieferbarkeit passen. Jedoch galt bis vor kurzem als Ende des Versorgungsengpasses Kalenderwoche 24. Diese Frist kann MSD nicht halten.

MSD erwartet, das Verhütungsmittel voraussichtlich Ende der Kalenderwoche 26 (30. Juni 2019) wieder auf Lager zu haben – „sofern keine weiteren Verzögerungen eintreten", räumt der Hersteller ein.

Sofortige Fälschungsschutz-Umsetzung macht Zoely knapp

Bereits im Mai begründete MSD gegenüber DAZ.online die Versorgungsengpässe bei seinem erst 2011 zugelassenen oralen kombinierten hormonalen Kontrazeptivum (KOK) mit „technisch bedingten Kapazitätsengpässen bei der Herstellung und durch Verzögerungen beim Verpackungsprozess." Neu ist in der aktuellen Stellungnahme, dass MSD diese „Verzögerungen beim Verpackungsprozess" nun näher spezifiziert.
Diese seien bedingt „durch die Entscheidung von MSD Sharp & Dohme GmbH in Deutschland, die Vorschriften der EU-Fälschungsschutzrichtlinie sofort zu implementieren", so der Zoely®-Hersteller. Diese sehe seit Februar 2019 für viele Arzneimittel in der Europäischen Union – darunter auch Zoely® – obligatorische Sicherheitsmerkmale auf der Umverpackung vor, um eine End-to-End-Verifikation zu ermöglichen. „Ziel ist es, Patienten besser vor gefälschten Arzneimitteln in der legalen Vertriebskette zu schützen", erklärt MSD.

Das Problem, wenn Zoely nicht lieferbar ist ...

Ein Punkt macht den Zoely-Engpass etwas brisant oder zumindest ärgerlich. Gibt es für die meisten kombinierten oralen Kontrazeptiva zahlreiche generische Alternativen, ist Zoely derzeit die einzige Antibabypille, die 1,5 mg Estradiol (als Hemihydrat) und 2,5 mg Nomegestrolacetat kombiniert. Ein einfacher Austausch ist in der Apotheke somit unmöglich. Allerdings besteht für Apotheke die Möglichkeit des Zoely-Importes, bei komplettem Lieferabriss bleibt nur die Option, dass die Zoely-Anwenderinnen auf eine andere Antibabypille umstellen.


Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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