Deutscher Ärztetag

Montgomery: Impfungen auf keinen Fall Apothekern überlassen

Berlin - 28.05.2019, 13:15 Uhr

Frank-Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, ist gegen Impfungen in Apotheken. Er traut es Apothekern schlichtweg nicht zu. (j/Foto: imago images / photothek)

Frank-Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, ist gegen Impfungen in Apotheken. Er traut es Apothekern schlichtweg nicht zu. (j/Foto: imago images / photothek)


Das Bundesgesundheitsministerium plant eine Neuregelung zu Modellvorhaben, bei denen Apotheker Grippeimpfungen verabreichen sollen. Auf dem derzeit in Münster stattfindenden Ärztetag hat sich Dr. Frank-Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), vehement gegen diese Pläne ausgesprochen. „Impfen ist einfach nicht nur ein Pieks in den Arm", sagte Montgomery.

Zur Verbesserung der Impfquote sollen Krankenkassen oder ihre Landesverbände mit Apothekern Verträge über Modellprojekte zur Durchführung von Grippeschutzimpfungen vereinbaren. In den Verträgen sollen die Voraussetzungen für die Durchführung von Grippeschutzimpfungen in Apotheken sowie deren Durchführung, Vergütung, Abrechnung und Dokumentation geregelt werden. Diese Modellprojekte sollen auf fünf Jahre begrenzt sein und wissenschaftlich begleitet und ausgewertet werden. Die Sicherheit der Patienten solle durch ärztliche Schulungen der Impfenden sichergestellt werden. So steht es zumindest im Entwurf des Apotheken-Stärkungsgesetzes.

Montgomery sagte am heutigen Dienstag, dass zum Impfen vorherige Befragungen und Untersuchungen von Patienten sowie Eingriffsmöglichkeiten bei Zwischenfällen gehörten. Die Verantwortung dafür könne auf gar keinen Fall an andere Berufsgruppen wie Apotheker übertragen werden. „Impfen gehört in ärztliche Hand.“

Montgomery wandte sich generell gegen Angriffe auf den Arztberuf. Ärzte klagten über zu viel Arbeit, zu wenige Kollegen und dauernde zeitliche Überforderung. Spahns Antwort darauf seien jedoch Vorstöße, die „am Rande ärztlicher Tätigkeit“ neue Berufe schafften oder durch Verlagern zentraler Berufsinhalte auf andere an die Professionalität von Ärzten herangingen. Dies zeige sich etwa an Gesetzesplänen zu neuen Ausbildungen für Psychotherapeuten und Hebammen. Gebraucht würden aber mehr Ärzte und dafür mehr Studienplätze und Möglichkeiten zur Weiterbildung. Patienten hätten in einem hoch entwickelten Gesundheitswesen vor allem ein Anrecht auf Ärztinnen und Ärzte.

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Schon im vergangenen Oktober hatte sich Montgomery gegen die Pläne von Spahn ausgesprochen. Beim Kongress für Patientensicherheit in Berlin hatte der BÄK-Präsident damals gesagt, dass er sich als Radiologe selbst niemals trauen würde zu impfen. Und weiter: „Ist es im Rahmen von AMTS wirklich klug, wenn man anderen medizinischen Kreisen den Zugang zum Impfen gewährt“?

Nach Montgomerys Ansicht ist es das nicht. Impfen sei eine Grundaufgabe der ärztlichen Tätigkeit, sagte er im Oktober 2018. Dadurch, dass Apotheker impften, seien Ärzte noch lange nicht hinsichtlich ihres Arbeitspensums entlastet.  Auch das häufig angeführte Argument einer Verbesserung der Impfquote durch impfende Apotheker lässt Montgomery nicht gelten: „Die Impfquote wird nicht durch Apotheker gesteigert, sondern durch Vernunft und Aufklärung“, so der Ärztepräsident. Sein Fazit war also schon damals: „Schuster bleib bei deinen Leisten, und das Impfen bleibt in der Hand des Arztes“.

Medienberichten zufolge tritt Montgomery am kommenden Donnerstag nach achtjähriger Amtszeit nicht mehr zur Präsidentschaftswahl an. Der nahezu 67-jährige will weiter im Aufsichtsrat der Apotheker- und Ärztebank verbleiben. Vor einem Monat wählte ihn der Vorstand des Weltärztebundes zum Vorsitzenden für gesundheitspolitische Debatten. Als mögliche neue BÄK-Präsidentin wird derzeit Niedersachsens Ärzterkammerpräsidentin Martina Wenker gehandelt.


bro / dpa
brohrer@daz.online


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6 Kommentare

Vom Gehen und vom Bleiben ... und weiteren ...

von Christian Timme am 29.05.2019 um 11:34 Uhr

Wer sich den „Unterschied“ nicht selbst „erliest“ ... unter https://www.bundesaerztekammer.de/aerztetag/122-deutscher-aerztetag-2019/ ... Rede des Präsidenten der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages, Professor Dr. Frank Ulrich Montgomery, zur Eröffnung des 122. Deutschen Ärztetages in Münster.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Impfen in der Apotheke

von pille62 am 29.05.2019 um 10:10 Uhr

....aus gutem Grund sind die beiden Heilberufe voneinander getrennt. Impfungen in der Apotheke werden uns nicht die Rendite bringen uns zu retten. Es ist der Versuch Ärzte und Apotheker gegeneinander aufzubringen.
Wer dabei mitmacht, handelt gegen seinen eigenen Berufsstand.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Spahn

von Conny am 28.05.2019 um 23:00 Uhr

Buhrufe für Spahn beim Ärztetag. Und die Apotheker: A.kriecher

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Impfen ist doch nur eine blödsinnige Idee von Spahn

von Andreas Grünebaum am 28.05.2019 um 19:43 Uhr

Schau sich einer mal die Massenimpfungen im Rahmen der „Schweinegrippe“ retrospektiv an: Patient füllt im Wartebereich ein Formular aus. Eingangsarzt befragt den zu Impfenden (gefühlt weniger als 1 Minute). Dann ab hinter den Vorhang und die Krankenschwester zählt ohne die Einwirkzeit des Hautantiseptikums abzuwarten gerade einmal bis drei. Fertig, der nächste bitte, aber der wurde ja schon vom Arzt abgefertigt.
Was glaubt ihr, wie das in der Apotheke aussehen würde? 10 Minuten Ausfüllen des ABDA Fragebogens im Beisein des Apothekers. Dazu noch vom Patienten gestellte Fragen auf Small-Talk Niveau. Dann sprüht der Apotheker und zählt bis zwanzig. Bingo! Sorry, aber damit kann man kein Geld verdienen, sondern nur Ärger einheimsen.

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Impfen

von Conny am 28.05.2019 um 13:52 Uhr

Totaler Schwachsinn in der Apotheke. Will ich auch nicht. Geschickt von Spahn so wieder einen kleinen Keil zwischen Ärzten und Apotheker zu setzen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Impfen

von Michael Weigand am 28.05.2019 um 15:08 Uhr

sehe ich genauso...
es weden sicherlich tolle Vergütungen dabei rausspringen.
Dabei sollte noch erwogen werden, welche Voraussetzung ein solches Imfpfen an die Räumlichkeiten voraussetzt...und wenn man sieht, welche Kosten uns beim E-Rezept aufgebürdet werden sollen, dann gute Nacht

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