Drohnen-Lieferservice in China

DHL Express will Ballungsgebiete aus der Luft beliefern

München - 22.05.2019, 17:15 Uhr

Die DHL startet in China mit einem Drohnen-Projekt durch (hier ein Beispiel aus Deutschland). (r / Foto: imago images / Sven Simon)

Die DHL startet in China mit einem Drohnen-Projekt durch (hier ein Beispiel aus Deutschland). (r / Foto: imago images / Sven Simon)


Nachdem der Expressdienstleister DHL im vergangenen Jahr in Ostafrika die Arzneimittelbelieferung per Drohne getestet hat, hat das Unternehmen nun auch in China einen Drohnen-Lieferservice aufgenommen. Mit dem geplanten Ausbau des Systems könnten eines Tages auch Medikamente auf der Liste der lieferbaren Waren stehen.

Auch in China sind die Straßen der Megastädte chronisch verstopft. Die Belieferung von Waren wird zunehmend zur Geduldsprobe und Herausforderung. Vor diesem Hintergrund haben DHL Express, nach eigenen Angaben der weltweit führende internationale Expressdienstleister, und der „global führende Drohnenhersteller“ EHang eine strategische Partnerschaft geschlossen. Deren Ziel ist es, eine automatisierte Drohnen-Zustellung für die Ballungsgebiete in China zu entwickeln. Laut DHL absolvierte kürzlich eine Drohne den Jungfernflug beim EHang Command and Control Center in Guangzhou. Ab sofort sollen täglich Sendungen zwischen dem DHL Service-Zentrum in Liaobu, Dongguan, in der Provinz Guangdong und einem acht Kilometer entfernten Standort des Kunden transportiert. DHL sieht sich damit als das erste internationale Expressunternehmen, das einen derartigen Service in China anbietet.

Mit der Drohne soll die typische Lieferzeit per Straße von rund 40 Minuten auf acht Minuten verkürzt werden. Das mache nicht nur eine Reduzierung des Energieverbrauchs und der CO2-Bilanz, sondern auch Kosteneinsparungen von bis zu 80 Prozent möglich.

Die Drohnen, die pro Flug bis zu fünf Kilogramm Zusatzgewicht transportieren können, starten und landen auf „intelligenten Paketboxen“, die für autonome Lade- und Entladevorgänge entwickelt wurden. Nach Einführung dieses ersten Drohnen-Lieferservices möchte DHL Express rasch neue Routen in China erschließen. Nach Angaben eines Sprechers stehen Arzneimittel in dieser frühen Phase des Projektes noch nicht auf der Liste der zu transportierenden Produkte. Es sei aber nicht auszuschließen, dass dies in Zukunft der Fall sein werde.

Arzneimitteldrohne in Afrika

In Ostafrika zeigt das Unternehmen seit dem vergangenen Jahr mit einem Pilotprojekt, wie die Arzneimittelbelieferung per Drohne in entlegene Gebiete funktionieren kann. DHL, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und der deutsche Drohnenhersteller Wingcopter erprobten über sechs Monate hinweg die Notfallversorgung mit Medikamenten per Drohne auf eine Insel im Viktoriasee. Mittlerweile ist nach Angaben eines Sprechers entschieden, dass das Projekt in diesem Jahr in seine zweite Phase gehen wird. Start könnte im Spätsommer sein. Der selbständig fliegende „DHL Paketkopter 4.0“ schafft nach Unternehmensangaben die 60 Kilometer Flugstrecke vom Festland bis zur Insel in durchschnittlich 40 Minuten. Insgesamt seien in der ersten Phase des Pilotprojektes mehr als 2.200 Kilometer geflogen und rund 2.000 Flugminuten geleistet worden. Eine Erweiterung des Projektes auf andere Regionen sei aktuell nicht geplant.

Eine Vorreiterrolle bei der Medikamentenbelieferung per Drohne nimmt das US-Unternehmen Zipline ein. Die Firma betreibt die Luftbelieferung wichtiger Medikamente mittlerweile in Ghana sowie Ruanda und möchte den Dienst auch in Tansania aufbauen. Die Drohnen beliefern in einem Umkreis von etwa 80 Kilometern um ein zentral gelegenes Logistikzentrum innerhalb einer halben Stunde abgelegene und schwer erreichbare Dörfer. 


Thorsten Schüller, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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