Arzneimittelkonsum in USA

Starker Rückgang bei Opioid-Verschreibungen

München - 17.05.2019, 15:00 Uhr

In den USA werden mehr Arzneimittel, aber weniger Opioide verschrieben (c / Foto: imago images / JuNiArt)

In den USA werden mehr Arzneimittel, aber weniger Opioide verschrieben (c / Foto: imago images / JuNiArt)


Der seit Langem anhaltende Missbrauch von Opioiden in den USA zeigt offenbar Wirkung bei den Verschreibern: Nach einer Untersuchung des Anbieters für Gesundheitsdaten, Iqvia, ist das Volumen für verschriebene opioidhaltige Arzneimittel in den USA im vergangenen Jahr stark zurückgegangen. Dagegen haben das Gesamtvolumen bei Rx-Medikamenten wie auch die Ausgaben dafür erneut zugenommen. 

Es scheint ein Paradoxon zu sein: Seit Jahren leiden die USA unter einer Opioidkrise – viele Bürger sind süchtig: Für viele waren vom Arzt verschriebene Schmerzmitteln der Einstieg in die Sucht. Nach Schätzungen sterben täglich mehr als 100 Menschen an einer Überdosis. Auf der anderen Seite hat das Volumen von offiziell verschriebenen opioidhaltigen Arzneimitteln im vergangenen Jahr stark abgenommen – um 17 Prozent, wie der Gesundheitsstatistiker Iqvia  in seinem jüngsten Report zum US-Medikamentenmarkt schreibt. Seit dem Höhepunkt im Jahr 2011 seien die Verschreibungen von Opioiden damit um insgesamt 43 Prozent zurückgegangen. Das größte Minus habe es bei jenen Produkten gegeben, die am stärksten wirken beziehungsweise am höchsten dosiert seien. Gründe für diese Entwicklung seien gesetzliche Veränderungen, verschärfte klinische Anwendungsrichtlinien sowie ein gestiegenes öffentliches Bewusstsein, so die Iqvia-Autoren. 

Andere Verordnungen nehmen zu, Ausgaben steigen um 14,9 Milliarden

Entgegen diesem Trend bei Opioiden hat das Volumen sämtlicher Arzneimittel-Verschreibungen in den USA im vergangenen Jahr um 2,7 Prozent auf 5,8 Milliarden zugenommen. Pro Kopf habe es damit 17,6 Verschreibungen gegeben, wobei mehr als zwei Drittel auf chronische Erkrankungen zurückzuführen gewesen seien. In 90 Prozent der Fälle seien von den Ärzten zudem Generika verschrieben worden, ein Plus von 15 Prozentpunkten gegenüber dem Jahr 2009. Die Berechnungen basieren laut Iqvia auf umgerechneten 30-Tages-Mengen.

Die Gesamtausgaben für verschreibungspflichtige Arzneimittel im vergangenen Jahr taxieren die Marktforscher auf 344 Milliarden Dollar, ein Plus um 14,9 Milliarden Dollar beziehungsweise 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Pro-Kopf-Aufgaben hätten damit umgerechnet 1.044 Dollar betragen, so Iqvia. Neue beziehungsweise junge Arzneimittel hätten überproportional zum Anstieg der Ausgaben beigetragen, insbesondere Medikamente aus den Bereichen Onkologie, Autoimmunerkrankungen, Diabetes und Hepatitis C. Bemerkenswerterweise hätten die Pharmahersteller selbst nur in einem vergleichsweise geringen Umfang an der Preisschraube gedreht, was sich teilweise auch in niedrigeren Listenpreisen sowie Preisnachlässen gegenüber Krankenkassen und anderen Institutionen gezeigt habe.

Bis zum Jahr 2023 erwarten die Marktforscher einen weiteren Anstieg der Ausgaben für verschreibungspflichtige Arzneimittel in den USA auf 420 Milliarden Dollar beziehungsweise eine jährliche Wachstumsrate von 3 bis 6 Prozent. Der größte Ausgabenschub dürfte dabei wiederum von neuen, innovativen Arzneimitteln ausgehen. Die Nettopreise für Rx-Arzneien sollten sich dem Szenario nach in einer Bandbreite von minus 1 Prozent bis zu plus 2 Prozent bewegen. Allerdings könnten gesundheitspolitische Entscheidungen einen erheblichen Einfluss auf die künftige Kostenentwicklung bei den Arzneimittelausgaben haben, so der Iqvia-Report.


Thorsten Schüller, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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